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Krisen lassen Webseite boomen: So funktioniert Flightradar24

Wenn sich globale Krisen abzeichnen, spiegeln sie sich nicht selten im Flugverkehr wider. Ein aktuelles Beispiel ist gerade der Nahe Osten. Der Angriff von USA und Israel auf den Iran und die darauffolgenden Attacken des Mullah-Regimes auf Nachbarländer sorgten dafür, dass der Luftraum über der Region beeinträchtigt wurde. Davon betroffen waren auch zentrale Luftfahrt-Knotenpunkte wie Abu Dhabi, Dubai oder Doha

Eindrucksvoll lassen sich die Bewegungen im Luftraum über die Webseite Flightradar24 verfolgen. Sobald sich diplomatische Krisen zuspitzen oder prominente Persönlichkeiten durch sensible Zonen fliegen, verfolgen Millionen Nutzer weltweit die Flugbewegungen in Echtzeit. „Bei jedem großen Luftfahrtereignis verzeichnen wir einen deutlichen Anstieg des Traffics, der dann aber wieder abflaut“, sagte CEO Fredrik Lindahl im Gespräch mit dem Guardian.

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Wie funktioniert Flightradar24

Doch wie funktioniert Flightradar24 eigentlich? Die Basis ist ein dezentrales Netzwerk, das vor allem auf der Mithilfe von Freiwilligen basiert. Begonnen hat alles als Hobbyprojekt zweier schwedischer Luftfahrt-Enthusiasten im Jahr 2006.

Das technologische Rückgrat des Dienstes bildet das ADS-B-Verfahren (Automatic Dependent Surveillance-Broadcast). Moderne Flugzeuge ermitteln ihre Position via GPS und senden diese zusammen mit Flugnummer, Höhe und Geschwindigkeit unverschlüsselt auf der Frequenz 1090 MHz aus.

Genau diese Signale werden von Abertausenden Empfängern eingefangen, die Flightradar24 betreibt. Da diese Signale aufgrund ihrer hohen Frequenz eine begrenzte Reichweite von etwa 250 bis 450 Kilometern haben, ist Flightradar24 auf ein dichtes Netz von Bodenstationen angewiesen.

Fast 60.000 Receiver

Mehr als 58.000 dieser Receiver werden von Freiwilligen auf der ganzen Welt betrieben und liefern der Webseite die Flugdaten zu. Technisch realisiert wird das heute mithilfe von Raspberry Pis. Rund ein Dutzend gibt es sogar in der Antarktis, wie es in einem aktuellen Bericht über Flightradar im Guardian heißt. 

Die Nutzer bekommen den Receiver kostenlos. Sie erhalten dafür einen speziellen Premium-Status auf der Webseite.

Um die weißen Flecken auf der Weltkarte, insbesondere über den Ozeanen, zu füllen, greift der Dienst zudem auf satellitengestütztes ADS-B zurück. Hierbei fangen Satellitenkonstellationen im Erdorbit die Signale der Flugzeuge auf und leiten sie weiter, wodurch eine nahezu lückenlose globale Überwachung ermöglicht wird, die früher ausschließlich staatlichen Flugsicherungen vorbehalten war. 

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Keine komplette Transparenz

Trotz des dichten Empfängernetzes kann Flightradar den Flugverkehr nicht völlig genau abbilden. Das hat mehrere Gründe. So können Flugzeuge etwa aktiv ihren ADS-B-Transponder ausschalten. 

Das wird oft von Militärmaschinen gemacht. Über das LADD-Programm (Limiting Aircraft Data Display) können Flugzeugbesitzer zudem beantragen, dass ihre Kennung nicht öffentlich angezeigt wird.

Wie verdient Flightradar24 Geld?

Finanziert wird das System durch ein Freemium-Modell, bei dem Basisfunktionen kostenlos sind, während Premium-Anwender für detaillierte Wetterkarten und historische Flugdaten Abonnements abschließen müssen. Das günstigste Abonnement kostet 15 Dollar pro Jahr, das teuerste, das auch für kommerzielle Nutzung angeboten wird, kostet 500 Dollar im Jahr. 

Derzeit hat Flightradar24 mehr als 1,5 Millionen zahlende Abonnenten, wie es im Guardian heißt. Die Webseite verzeichnet pro Monat insgesamt 60 Millionen Besucher.

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Meistgetrackte Flüge

Wer die Webseite öffnet, sieht links oben jeweils die derzeit meistgetrackten Maschinen. Oft sind es Flüge in der Nähe von aktuellen Krisengebieten. Wenn es die gerade nicht gibt, verfolgen viele Nutzerinnen und Nutzer oft Flüge, die gerade einen Notfall gemeldet haben. Manchmal handelt es sich dabei um technische Probleme, oft sorgt bei Passagiermaschinen auch ein medizinischer Notfall an Bord ('Medical'), dass das Flugzeug zwischenlanden muss. 

Der bislang meistgetrackte Flug aller Zeiten hatte jedoch einen ganz anderen Hintergrund. Im Jahr 2022 verfolgten 4,8 Millionen Menschen die Reise des Sarges der verstorbenen Königin Queen Elizabeth II, der von Edinburgh nach Northolt geflogen wurde.

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Thomas Prenner

ThPrenner

KURIER-futurezone Chefredakteur. Beschäftigt sich viel mit Dingen, die man täglich nutzt und schreibt darüber. Sitzt außerdem gerne am Fahrrad.

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