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Vampire The Masquerade – Swansong im Test: Schlechter als Blade 3

Manchmal macht ein gute Serie eine Abzweigung, die in die falsche Richtung geht. Beim Anfang der 2000er-Jahre Film-Hype um Vampire in der modernen Welt, war das etwa Blade 3 (2004). Blade 1 war großartig, Blade 2 war akzeptabel, Blade 3 war ein 113-minütiger Unfall.

Warum ich hier über trash-tastische Wesley-Snipes-Filme schwafel: Die Enttäuschung von Blade 1 zu Blade 3 ist ähnlich groß, wie die vom großartigen Vampire: The Masquerade – Bloodlines zu Vampire: The Masquerade – Swansong (Xbox One/X/S, PS4/PS5, PC). Ich habe Swansong auf der PS5 getestet.

Keine Fortsetzung, nicht einmal ein Lückenfüller

Zur Erinnerung: Bloodlines ist 2004 erschienen. Trotz technischer Probleme gilt das Action-RPG als Klassiker und wurde zurecht von einigen Fachmedien als „RPG des Jahres“ bezeichnet. Die Mischung aus Kampf, Rollenspielelementen, einer starken Story und Atmosphäre, allesamt eingebettet in der umfangreichen Welt von The Masquerade, lässt Fans seit mittlerweile fast 20 Jahren auf einen Nachfolger hoffen. Der ist zwar seit 3 Jahren angekündigt, hat aber wegen Problemen bei der Entwicklung immer noch kein Erscheinungsdatum.

Und hier kommt Swansong daher, vermeintlich um die Wartezeit auf Bloodlines 2 zu versüßen. Wie Bloodlines basiert es ebenfalls auf dem Pen & Paper-Spiel Vampire The Masquerade: In dieser Welt leben Vampire unbemerkt unter uns. Sie sind in Clans eingeteilt und folgen Regeln, um nicht entdeckt und gejagt zu werden.

Das wars dann aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Swansong ist kein Action-RPG, sondern am ehesten ein Detektivspiel auf Basis eines digitalen Pen & Paper-Games. Wer Bloodlines für das mochte, was es war, sollte Swansong meiden. Das Game richtet sich eher an Fans des Pen & Paper-Originals, die nur wenig Videospiele spielen – denn sonst würden auch diese Swansong wegen der technischen und gameplay-technischen Umsetzung nicht mögen.

Das bluttrinkende Trio

Das Spiel beginnt mit einem Text-Vorspann, bei dem man glauben könnte, dass man gerade ein Mobile Game angeworfen hat. Bei den Bostoner Vampiren wurde der Rote Alarm ausgelöst. Der Prinz der Vampire (ist nur ein Titel, es ist eine Frau in einem Penthouse) hat 3 Vampire zu sich bestellt, um den Vorfall zu untersuchen.

Je nach Level spielt man einen der 3 Blutsauger. Zuvor bekommt man die Chance, eines von 3 Profilen auszusuchen, die die Fähigkeitenpunkte auf dem Charakterblatt (ganz in Pen & Papier-Manier), verteilen. Alternativ kann man selbst die Punkte verteilen. Besonders viel braucht man darüber nicht nachdenken. Denn egal was man auswählt oder wie man die Punkte einteilt: Das Spiel gibt einem immer wieder das Gefühl, dass man es falsch gemacht hat.

Du kannst nichts...

Das Gameplay ist darauf ausgelegt, dass man scheitert. Am Ende jedes Levels bekommt man schriftlich zu sehen, was man hätte anders machen können und was man alles nicht geschafft hat. Da stehen dann etwa Punkte, wie: „3 belastende Beweise wurden nicht gesammelt“, obwohl man alles zigfach abgesucht hat – während man im Level davor zumindest 2 von 3 gefunden hat – und nicht einmal wusste, dass es überhaupt ein Ziel ist, die Beweise zu finden.

Zudem hat man, je nachdem welche Fähigkeiten der derzeitige Charakter hat, nicht die Möglichkeiten zu diesem Zeitpunkt die Ziele zu erfüllen. Wenn in einem Gespräch jemand durch Psychologie mit 5 Punkten überzeugt werden muss, man aber nicht einmal genug Punkte hätte, wenn man alle Erfahrungspunkte von Beginn an darauf gelegt hätte, ist das frustrierend. Und das kommt nicht einmal pro Level, sondern mehrfach in jedem Level vor.

Die Idee dahinter ist wohl, dass man das Spiel danach nochmal durchspielt und mit dem Wissen, welches man vom ersten Durchgang hat, bessere Entscheidungen trifft um ein besseres Ende zu erreichen. Wer der Typ Mensch ist, der sich dadurch motivieren lässt, dass ihm oder ihr ständig vorgehalten wird, was schlecht gemacht wurde, hat damit wohl kein Problem. Wer spielt, um Spaß zu haben und nicht, um von einem Game heruntergemacht zu werden, sollte besser die Finger von Swansong lassen.

...und du weißt nichts

Swansong hat nicht nur was gegen Loser, sondern auch gegen Nichtswisser. Das Spiel setzt voraus, dass man ein solides Grundwissen von The Masquarade hat. Selbst wenn man alle Unterlagen sammelt und liest, fehlt Basiswissen, das von Swansong nicht vermittelt wird.

Wer das Pen & Paper-Spiel gut genug kennt, ist hier fein raus. Alle anderen werden die Suchmaschine ihrer Wahl bemühen müssen oder sich schlicht darüber ärgern, dass das Game kein Interesse daran hat, Spieler*innen den Zugang zu einer eigentlich spannenden Welt angenehm zu gestalten.

Mühsame Suche

Das Gameplay besteht primär daraus, in der Third-Person-View herumzulaufen und Sachen zu suchen. Man läuft durch verwinkelte Levels, die meist dunkel und unübersichtlich sind. Eine Karte gibt es nicht. Die vom Spiel genannten Ziele sind so rudimentär, dass man im Grunde planlos durch die Levels läuft und hofft Dinge zu finden, die eine*m weiterkommen lassen.

Die Charaktere steuern sich furchtbar. Laufen funktioniert nicht immer, was das ständige Hin- und Herrennen noch nerviger macht.

Die Prompts, um untersuchbare Gegenstände anzuwählen, sind nur klein. Manchmal untersucht man Sachen aus der Nähe aus der First-Person-View, wie etwa eine Tasche. Drückt man nicht den Analogtick sicherheitshalber in alle Richtungen, übersieht man vielleicht ein wichtiges Objekt, das nicht sofort im Bildausschnitt sichtbar ist.

Dazu kommen Rätsel, die oft unlogisch erscheinen und deshalb in Trial-and-Error münden. Da passiert schon sehr früh im Game, weshalb man sich zwingen muss, weiterzumachen anstatt zu einem Spiel zu wechseln, das Spaß macht.

Ressourcen-Management

Manche Rätsel kann man auch nicht lösen, obwohl man eigentlich die nötige Fähigkeit dazu hat. Das liegt daran, dass noch Ressourcen-Management hinzukommt.

Vampirfähigkeiten, wie etwa die Uniform eines Polizisten zu kopieren oder zu anderen Abschnitten im Level zu springen, verbrauchen Blut – machen den Vampir also durstig. Blut wird üblicherweise aufgefüllt, indem man Menschen aussaugt. Dazu muss man vorher im Level einen „Safe Spot“ gefunden haben. Hat man den Safe Spot entdeckt, sucht man jetzt einen Menschen, der ein entsprechendes Blutsaug-Symbol hat. Das ist supernervig, da selbst einzelne, isolierte Menschen in einigen Levels nicht das Symbol haben – man muss den richtigen finden, der zu dem Safe Spot passt. Hinlocken muss bzw. kann man sie nicht. Hat man die Taste für Blutsaugen gedrückt, ist man automatisch im Safe Spot und startet ein dummes Minigame, um zu bestimmen, wieviel Blut man saugt.

Jeder Safe Spot kann nur einmal benutzt werden. Man kann zwar ein dort angeknabbertes Opfer noch ganz leersaugen (schlecht für die Bilanz am Ende, weil man eine Leiche hinterlassen hat), aber das wars dann. Wenn man nicht aufpasst und die Vampirfähigkeiten für die falschen Dinge einsetzt, kommt man womöglich nicht weiter, weil nicht mehr genug Blut übrig ist, um eine Person zu kopieren, um in den nächsten Abschnitt des Levels zu kommen.

Talk der Vampire

Der zweite große Teil des Gameplays ist das Reden. Hier kommen die Pen & Paper-Elemente für die Dialoge zu tragen. Im Gespräch kann man die Fokuspunkte einsetzen (die zweite Ressource neben Blut), um zu versuchen, das Gegenüber mit Fähigkeiten wie „Psychologie“ oder „Einschüchterung“ zu überzeugen. Je nachdem wie hoch die eigene Fähigkeit und die des Gegenübers ist, gewinnt oder verliert man. Sind die Fähigkeiten gleich hoch, wird gewürfelt, um den Sieger zu bestimmen.

In einigen Levels gibt es Gespräche, bei denen das Gegenüber mit den richtigen Antworten überzeugt werden muss. Manchmal ist das quasi der „Bosskampf“ am Ende des Levels. Denn gekämpft wird bei Swansong nur mit Worten oder mit selbstablaufenden Sequenzen, bei denen Option A oder B gewählt wird.

Gruselig, aus den falschen Gründen

Bei einem guten Detektivspiel sind Verhöre und Dialoge natürlich passend. Doch einerseits ist Swangsong kein gutes Spiel und andererseits ist die technische Umsetzung so furchtbar, dass die Gespräche ein „hoffentlich ist es bald vorbei“-Gefühl auslösen – überspringen oder vorspulen kann man das Gequassel nicht.

Die Sprachausgabe ist im besten Fall mittelmäßig und im schlimmsten Fall irgendwo zwischen lächerlich und nervig. Die Grafik auf der PS5 ist oft gruselig schlecht. Hin und wieder schauen ein paar Gesichter in Nahaufnahme akzeptabel aus, doch dann kommen wieder grottige Gesichts- und Körperanimationen und verwaschene Texturen.

Bei einem Budgettitel wäre das zu erwarten. Swansong kostet aber 60 Euro auf der PS5.

Fazit

Vampire The Masquerade – Swansong ist ein Budgettitel zum Vollpreis. Es hat nichts mit Bloodlines zu tun und sollte daher besonders von denen gemieden werden, die sich ein Game erhoffen, mit dem dem sie die Zeit bis Bloodlines 2 überbrücken können.

Es ist durch die technischen Schwächen und Probleme beim Gameplay auch kein gutes Detektivspiel. Wer solche Spiele mag, aber kein Vorwissen von The Masquerade hat, wird vermutlich nur wenig Spaß an Swansong haben.

Die Zielgruppe sind Gelegenheitsspieler*innen, die für ein Game, welches versucht der Pen & Paper-Vorlage nahezukommen, darüber hinwegsehen können, dass es kein besonders gutes Spiel zu einem überhöhten Preis ist.

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Gregor Gruber

Testet am liebsten Videospiele und Hardware, vom Kopfhörer über Smartphones und Kameras bis zum 8K-TV.

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