„Die Dinosaurier hatten schon viel Pech“: Neue Erkenntnisse zum Killer-Meteorit
Jedes Kind weiß: Ein verheerender Meteoriteneinschlag sorgte vor 66 Mio. Jahren für das Aussterben der Dinosaurier. Insgesamt wurden dabei 75 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten auf der Erde ausgelöscht.
Ein internationales Team aus Wien, Paris, Brüssel und Vancouver konnte nun die Art des Meteoriten bestimmen. Sie fanden auch heraus, dass er aus dem äußeren Teil des Asteroidengürtels stammt.
Impaktwinter
Erstmals stellte 1980 ein Team um den Geologen Walter Alvarez und seinen Vater, den US-Physiknobelpreisträger Luis Alvarez, die Theorie auf, dass das Massensterben die Folge eines Meteoriteneinschlags war. Der beim Einschlag aufgewirbelte Staub in der Atmosphäre blockierte das Sonnenlicht. Dadurch kühlte die Erde rapide ab und es kam zu einem weltweiten „Impaktwinter“.
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Einschlagskrater im Golf von Mexiko
Alvarez belegte seine These mit dem weltweit hohen Iridium-Anteil in Gesteinen der Kreide-Paläogen-Grenzschichte (früher als Kreide-Tertiär-Schicht bezeichnet), der nur durch den Impakt eines großen Meteoriten zu erklären ist. Rund ein Jahrzehnt später fand man dann den passenden Einschlagskrater mit 180 Kilometern Durchmesser im Norden der Halbinsel Yucatán im Golf von Mexiko.
Chicxulub-Krater
© NASA/JPL
Neben der Analyse von Bohrkernen aus diesem Chicxulub-Krater werden seither Schichten mit dem Auswurfmaterial untersucht, „weil in diesen Auswurflagen höhere Konzentrationen an extraterrestrischem Material zu finden sind als im Krater selbst“, erklärte Mitautor der Studie, Christian Köberl von der Universität Wien, gegenüber der APA. Neben der Verteilung der Elemente interessiere die Wissenschaftler dabei zunehmend auch deren Varianten (Isotope), um die Frage nach Art und Herkunft des Einschlagkörpers einzugrenzen.
Seltene „kohlige Chondriten“
So konnte ein Team, dem auch Köberl angehörte, vor 2 Jahren anhand von Ruthenium-Isotopen nachweisen, dass es sich bei dem Meteoriten um einen kohligen Chondriten gehandelt hat. Die meisten Meteoriten (rund 86 Prozent) sind Chondrite. Kohlige Chondrite, also solche, die einen hohen Anteil an Kohlenstoff enthalten, sind allerdings deutlich seltener (nur 2 bis 3 Prozent aller Meteoriten).
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Köberl hat gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen Nickel-Isotope in verschiedenen Auswurflagen rund um die Welt sowie die Zusammensetzung unterschiedlicher kohliger Chondrite gemessen. Wie sie im Fachjournal Science Advances berichten, deutet die Zusammensetzung des „Dino-Killer“-Meteoriten auf einen kohligen Chondriten der Gruppe „CO“ hin.
„CO-Chondrite sind relativ trocken und haben wenige flüchtige Elemente und Wasser verglichen mit anderen kohligen Chondriten“, so Köberl. Bisher ging man davon aus, dass nach dem Einschlag auch die Freisetzung flüchtiger Stoffe wie Schwefel das Klima und die Ozeanchemie drastisch veränderten. „Das ändert zwar nicht unsere Theorie über die Ursache des Massenaussterbens - es ist aber eher unwahrscheinlich, dass im Meteoriten enthaltenes Schwefel ausschlaggebend war“, erklärt Studienautor Philippe Claeys in einer Aussendung. Stattdessen dürfte der aufgewirbelte Feinstaub der Hauptfaktor gewesen sein.
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Äußerster Teil des Asteroidengürtels
Final lässt sich der Herkunftsort des Meteoriten nicht feststellen. Allerdings kommen CO-Chondriten vor allem im äußersten Teil des Asteroidengürtels vor, also in der Nähe von Jupiter. Alternativ könnte er auch aus trümmerreichen Regionen am Rande des Sonnensystems stammen - ob damit der Kuipergürtel oder ein anderer Bereich gemeint ist, lassen die Forscher offen.
Der Meteorit dürfte aus dem äußeren Teil des Asteroidengürtels stammen
© ESA/Hubble, M. Kornmesser
„Wenn die Bahn solcher Körper gestört wird, können sie ins innere Sonnensystem abgelenkt werden und auch die Erde treffen“, erklärt Köberl. Der Meteorit, der die Dinosaurier und viele andere Arten auslöschte, stammt Köberl zufolge aus dem frühen Sonnensystem und „gehört zu den ältesten Objekten, die seit ihrer Entstehung unverändert übergeblieben sind, also nicht aufgeschmolzen oder thermisch umgewandelt wurden“. Daher werden sie auch als „primitive Meteorite“ bezeichnet.
„Von so einem seltenen, weit entfernten Projektil getroffen zu werden, unterstreicht wirklich, wie viel Pech die Dinosaurier hatten“, sagt Claeys. Der Meteorit dürfte 10 bis 15 km breit gewesen sein und die Erde mit 64.000 km/h getroffen haben.