Solares Geoengineering könnte mehr schaden als der Klimawandel
Aerosole in die Atmosphäre spritzen oder riesige Sonnensegel im Weltall: Diese Maßnahmen fallen unter den Begriff solares Geoengineering. Die Idee hinter der technischen Beeinflussung der Sonnenstrahlung ist, die Erde abzukühlen und der Erderhitzung einen Strich durch die Rechnung zu machen.
Immer wieder wird diskutiert, ob solares Geoengineering die Menschheit vor einer Katastrophe bewahren könnte. Seit Jahrzehnten gibt es Forschung zu diesen Themen und bisher zeigt sich, dass die Maßnahmen möglicherweise die Auswirkungen des Klimawandels reduzieren könnten.
Auch wenn es technisch möglich ist, stellt sich die Frage, ob es ökonomisch sinnvoll und unter gegebenen soziopolitischen Bedingungen machbar wäre. Eine aktuelle Studie der Nationalen Autonomen Universität Mexiko liefert darauf nun eine Antwort: Die Risiken könnten den Nutzen bei weitem übersteigen.
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Internationales Scheitern als Ansporn für Geoengineering
“Solares Geoengineering ergibt sich direkt aus der Verzweiflung, die durch das Scheitern internationaler Klimaschutzmaßnahmen hervorgerufen wird”, schreiben die Forschenden in ihrer vor kurzem veröffentlichten Studie. Diese Versäumnisse machen solares Geoengineering attraktiv.
Würde alles gut gehen, könnte solares Geoengineering die Kosten, die mit den Folgen des Klimawandels einhergehen, halbieren. Geht allerdings etwas schief, könnten die Folgen erhebliche Auswirkungen haben.
Was schief gehen kann
Zum Beispiel kann es je nach Methode zum Abbau der Ozonschicht oder zur Veränderung der Wettermuster führen. Ein großes Risiko sei laut der Studie aber auch ein plötzliches Ende der Geoengineering-Maßnahmen. In Fachkreisen nennt man dieses “Terminationsschock”.
Um die ökonomischen Folgen zu berechnen, haben die Forschenden ein Szenario simuliert: In diesem würden ab 2020 Aerosole in die Atmosphäre injiziert werden. Dadurch könne der globale Termperaturanstieg im Vergleich zum vorindustriellen Nieveau bis 2100 auf 2,8 Grad Celsius begrenzt werden. Aktuell wird in einem Szenario ohne Klimaschutz-Maßnahmen eine Erwärmung von 4,5 Grad Celsius prognostiziert.
Würde das hypothetische solare Geoengineering aber frühzeitig im Jahr 2030 beendet werden, könnte die globale Temperatur in den folgenden 8 Jahren um 0,6 Grad Celsius ansteigen. Das würde bis Ende des Jahrhunderts Kosten in Höhe von einer Billion US-Dollar verursachen. Zum Vergleich: Ohne jegliche Klimaschutzmaßnahmen dürften uns die Folgen des Klimawandels bis Ende des Jahrhunderts 868 Milliarden US-Dollar kosten. Ein früher Geoengineering-Abbruch wäre also 15 Prozent teurer als gar nichts zu tun. Bei einem späteren Abbruch könnten die Kosten 6,5 Mal höher als im Nichtstun-Szenario sein.
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Voraussetzungen für "sicheres Geoengineering"
„Ein Terminationsschock wäre viel schlimmer als wenn wir nichts tun würden und der Klimawandel ungebremst weiterginge“, fassen die Forschenden zusammen. Denn dann hätten Ökosysteme, Menschen und Tiere noch weniger Zeit, um sich an die Erwärmung anzupassen. Außerdem sei die Wahrscheinlichkeit für das Eintreten von Kippunkten, wie zum Beispiel das Schmelzen der Eismassen, noch höher. Es könne zu irreversiblen Schäden im Klimasystem kommen.
Die Forschenden haben auch Bedingungen für “sicheres Geoengineering” identifiziert. Voraussetzung sei schneller und entschiedener Klimaschutz. Außerdem darf es keinesfalls dazu kommen, dass die technischen Maßnahmen ausfallen. Nutzt man solares Geoengineering, müsse es schrittweise über Jahrzehnte abgeschafft werden. Werden diese Voraussetzungen nicht eingehalten, sei solares Geoengineering ein Risikoverstärker.
Das bedeutet, es dürfte in dieser Zeit zu keinen Kriegen, politischen Streitigkeiten oder technischen Problemen kommen, die die Geoengineering-Maßnahmen unterbrechen würden. Die notwendige internationale Zusammenarbeit fehle aber bis heute und verhindere effektiven Klimaschutz.
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Vorübergehende Ergänzung
“Ironischerweise sind es ausgerechnet die gleichen Governance-Versäumnisse, die solares Geoengineering politisch attraktiv machen, die die Voraussetzungen für einen sicheren Betrieb untergraben”, schreiben die Forschenden. Generell ordnen sie solares Geoengineering wenn überhaupt, als vorübergehende Ergänzung zur unverzichtbaren Emissionsreduktion.
Aktuell steuern wir mit den derzeit geplanten Klimaschutzmaßnahmen laut den Forschenden auf eine mittlere globale Erwärmung von mehr als 2 Grad Celsius bis spätestens Ende des Jahrhunderts hin. Ziel wären eigentlich 1,5 Grad Celsius gewesen. “Unsere Ergebnisse verdeutlichen die Notwendigkeit von Forschung zum solaren Geoengineering und unterstreichen, dass ein Einsatz ohne eine grundlegende Umgestaltung der globalen Klimapolitik nicht in Betracht gezogen werden sollte”, fassen die Forschenden zusammen.