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So lebt es sich in 10 Jahren am Mond

Ein staubiger Weg führt zu einer kleinen Siedlung aus vereinzelten Habitaten. Das Fahrzeug CLV-1, das an einen offenen Geländewagen erinnert, steuert darauf zu und parkt vor einer der Behausungen. Die Fahrerin Lucy steigt langsam aus und schließt das Fahrzeug zum Laden an das Stromnetz an. 

Bevor sie ihren Wohncontainer, ein weißer, aufblasbarer Zylinder, betreten kann, winkt Lucy ihrem Kollegen John zu. Er steht neben einer riesigen, sogenannten ISRU-Maschine, die gerade Wasser aus Gestein extrahiert. Die von Astrolab und Interlune entwickelte Erntemaschine namens „Flex“ baut in der Zwischenzeit die wichtige Ressource Helium-3 ab. 

Hinter John reihen sich hohe Masten mit Solarpanels. Zusammen mit dem Atomreaktor sichern sie den Strom für Maschinen, lebenswichtige Systeme und Heizung  – so könnte das Leben zweier fiktiver Astronauten auf einer Mondstation im Jahr 2036 aussehen, zumindest nach aktuellen NASA-Plänen.

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Prada-Anzug schützt vor Staub

In Lucys Anzug, entwickelt von Prada und Axiom, ist jede Bewegung zusätzlich schwierig, denn er ist groß und sperrig. Er ist außerdem von einer Staubschicht überzogen. Sie muss ihn ausziehen, bevor sie in ihren Wohnraum gehen kann. Nicht nur, weil sonst alles dreckig wird, sondern weil der graue Staub lebensgefährlich ist.

Die Partikel sind scharf wie Glassplitter, aber ganz fein. Atmet Lucy sie ein, fressen sie sich in ihre Atemwege, schädigen Zellen, verursachen eine Staublunge. Kommen sie durch die kleinsten Öffnungen in den Anzug und in ihre Augen, kann das zu Irritationen führen. Bei ihren Kollegen der Apollo-Missionen war das vor etwa 60 Jahren der Fall. 

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Mal schnell zum Arzt gehen, kann sie deswegen nicht. Sie befindet ungefähr 400.000 Kilometer entfernt von der Erde, am Südpol des Mondes. Dorthin hat sie die NASA geschickt, um auf der Mondbasis zu arbeiten, die ab den späten 2020er-Jahren nach und nach entstanden ist. Der Südpol ist dafür ein idealer Ort, denn dort wurde Wassereis gefunden. 

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Landung am Südpol

In der ersten Phase der Mondbasis wurden dafür autonome Rover ausgesandt, sogenannte Lunar Terrain Vehicles (LTV). Sie erkundeten zusammen mit den „Moonfall“-Drohnen das Areal. Es gibt lange Sonnenstunden, in denen es bis zu 54 °C heiß werden kann, aber auch Schattenbereiche und kurze Nächte, wo die Temperaturen auf -203 °C absinken. 

Genau dort forschen die Astronauten für mehrere Wochen, bevor sie wieder ins Raumschiff steigen, das sie zurück zur Erde bringt. Abgelöst werden sie vor der nächsten Crew, die mit dem Mondlander Mark 1 der Amazon-Firma Blue Origin ankommt. Die beiden privaten Raumfahrtfirmen Blue Origin und SpaceX haben jeweils eine solche Landefähre entwickelt, die als Transfer zwischen dem Raumschiff Orion und dem Mond dient. Für die Versorgung der Astronauten sorgt unter anderem der europäische Mondlander „Argonaut“. Er startet regelmäßig mit einer europäischen Ariane-64-Rakete in Französisch-Guyana und bringt Fracht zum Erdtrabanten. 

Das neue Team wurde auf der Erde für den Pressurized Rover der japanischen Weltraumagentur JAXA ausgebildet, der zusammen mit Toyota gebaut wurde. Es bringt die Astronauten nicht nur zu ihrem Ziel, damit sie dort geologische Untersuchungen machen können, sondern es dient auch gleichzeitig als mobiles Habitat, in dem sie sich ohne Raumanzug sicher bewegen können. So sollen die Forscher auch mehrtägige Road-Trips am Mond unternehmen können.

Neues Navigations- und Kommunikationsnetzwerk

Damit die Fahrzeuge sicher navigieren und die Astronauten ständig mit der Erde kommunizieren können, haben die NASA und die europäische Weltraumagentur ESA ein Navigations- und Kommunikationsnetzwerk aufgebaut. Damit das funktioniert, haben sich die Weltraumagenturen auf eine Mondzeit geeinigt, die mit einer Atomuhr auf dem Erdtrabanten präzisiert wird. 

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Nur so funktionieren die Satelliten des Lunar Communications Relay and Navigation Systems. Sie folgen zudem dem neuen Standard, dem Lunar Communications and Navigation Services (LCNS). NASA und ESA haben ihn gemeinsam mit der JAXA festgelegt. Er soll es ermöglichen, dass all ihre Roboter, Rover, Drohnen und Instrumente über das gleiche System mit Hochgeschwindigkeit vernetzt sind und Daten zur Erde schicken können. Übrigens - auch Nokia ist mit einem Mobilfunknetzwerk auf dem Mond vertreten, das zusammen mit der Firma Intuitive Machines entwickelt wurde und dafür sorgt, dass die Geräte und Roboter vor Ort Daten übermitteln können.

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Dort hört die Zusammenarbeit aber nicht auf. Denn in den von über 60 Ländern, darunter auch Österreich, unterzeichneten „Artemis Accords“ ist vorgesehen, dass Raumfahrtsysteme standardisiert sind, um z.B. Rettungsmissionen schneller durchführen zu können. Ebenfalls darin festgelegt ist die friedliche Nutzung des Weltraums, aber auch das Recht aller, Ressourcen auf dem Mond und Mars abzubauen

Internationale Forschungsstation von Russland und China

Ein paar Kilometer von der NASA Moon Base entfernt entsteht derweil ein weiteres Habitat, die International Lunar Research Station. Sie wird federführend von Russland und China errichtet. In Kürze sollen dort die ersten Menschen ankommen und forschen. Beide Länder haben die Artemis Accords nicht unterzeichnet, mit der Begründung, sie seien zu US-zentriert. 

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Auch wenn sie gegen die USA sticheln, hält sich China bedeckt bei einem verbalen Wetteifern mit den USA. Das ist einseitig, denn die beschwören ein neues „Space Race“ zum Mond, das man natürlich gewinnen werde. China ist aber nicht an einem Wettrennen interessiert, sondern hat einen konkreten Plan: Eine Forschungsstation aufbauen und ein riesiges Teleskop auf der Rückseite des Mondes errichten. Für die Umsetzung dieser Station arbeiten sie mit Venezuela, Südafrika, Aserbaidschan, Pakistan, Weißrussland, Ägypten, Thailand, Nicaragua, Serbien, Kasachstan und Senegal zusammen. 

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So könnte eine Internationale Forschungsstation von Russland und China aussehen

NASA präsentierte 3-Phasen-Plan

Was alles höchst futuristisch klingt, könnte 2036 Realität sein – vorausgesetzt, alle genannten Projekte bleiben im Zeitplan. Historisch betrachtet gerät hier die NASA oft ins Hintertreffen. Denn auch wenn die zuvor beschriebenen Zukunftspläne dem angestrebten 3-Phasen-Plan entsprechen, den NASA-Chef Jared Isaacman kürzlich präsentierte, sind die meisten Projekte bisher noch Prototypen oder lediglich Konzepte. 

So hat die NASA etwa SpaceX und Blue Origin damit beauftragt, eine Mondfähre für die geplante Landung zu bauen. Und auch wenn Blue Origins Lander bereits vielversprechend ist, fertig ist er noch nicht. Über China und Russlands Mondpläne sind kaum Details bekannt. Hier hat aber die Vergangenheit gezeigt: Wenn sich China in der Raumfahrt einen Zeitplan setzt, dann wird der oft erfüllt. 

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In diesen 3 Phasen will die NASA eine permanente Präsenz auf dem Mond errichten

Mit einem Budget von 20 Milliarden US-Dollar (17,45 Milliarden Euro) soll der 3-Phasen-Plan der NASA realisiert werden. In der ersten Phase, die jetzt beginnt und bis 2029 dauert, sollen Roboter, Drohnen und autonome Rover den Südpol erkunden, geologische Untersuchungen machen, nach Wassereis suchen und einen geeigneten Ort für das Habitat finden. 

Dieses soll in Phase 2, 2029 bis 2032, errichtet werden, während Astronauten im Pressurized Rover von JAXA und Toyota leben, arbeiten und sich fortbewegen. Sie errichten auch das Stromnetz mit Solar- und Atomkraftanlagen und das Kommunikationsnetzwerk. In Phase 3, ab 2032, soll die Mondsiedlung dann permanent bewohnt sein. 

Die hier beschriebenen 10 Jahre sind in der Raumfahrt eine sehr kurze Zeit. Ob das, was jetzt noch ein fantasievoller, aber utopischer Ausblick in die versprochene Zukunft ist, oder dann wirklich schon real sein wird, bleibt abzuwarten.

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Franziska Bechtold

frau_grete

Liebt virtuelle Spielewelten, Gadgets, Wissenschaft und den Weltraum. Solange sie nicht selbst ins Weltall kann, flüchtet sie eben in Science Fiction. Co-Host des Podcast "Raumfahrtgeschichten".

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