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Mundart d'Sprôôch: Hardcore-Vorarlbergerisch per App lernen.

Mit der Dialekt-App "d'Luschnouar Sprôôch" kann man Vorarlbergerisch lernen
Mit der Dialekt-App "d'Luschnouar Sprôôch" kann man Vorarlbergerisch lernen - Foto: Gemeinde Lustenau
"A Füdla wi a Tänntauor" - Der in der Gemeinde Lustenau gesprochene Dialekt gilt selbst für waschechte Vorarlberger als Herausforderung. Eine neue App schafft nun Abhilfe.

Der Vorarlberger Dialekt genießt innerhalb Österreichs den zweifelhaften Ruf, völlig unverständlich zu sein. Das mag ein Klischee sein, das wohl auch daher rührt, dass Vorarlbergerisch der einzige österreichische Bundesländer-Dialekt mit alemannischen Wurzeln ist und deshalb für den Rest des Landes ungewohnt klingt. Aber selbst in Vorarlberg gibt es einige Flecken, deren Dialekt auch Einheimische aus dem unmittelbaren Umland ratlos zurück lässt. Eine davon ist: Lustenau.

Knapp zehntausend Ausdrücke

Mit der App "d'Luschnouar Sprôôch", die seit wenigen Tagen für iOS und Android gratis verfügbar ist, können Lernwillige aus der ganzen Welt nun in den Wortschatz und die Redewendungen der Lustenauer Einheimischen eintauchen. Alphabetisch geordnet kann man hier lernen, dass "a Füdla wi a Tänntauor" übersetzt "ein Hintern wie ein Scheunentor" bedeutet und "a Nundlomäohl und a guoti Uusred all nammas weärt siend" ("ein Nudelmehl und eine gute Ausrede immer etwas wert sind"). Auch die Aussprache wird praktischerweise gleich mitgeliefert.

Lustenauer-App
HTL-Schüler Matteo Kofler (links) hatte die Idee zur App - Foto: Gemeinde Lustenau
Die Idee zur App stammt vom Dornbirner HTL-Schüler Matteo Kofler, dessen Vater in der IT-Abteilung der Marktgemeinde tätig ist. Bürgermeister und Gemeinderat zeigten sich begeistert und beauftragten die Lustenauer-Entwicklerfirma Arkulpa mit der Umsetzung. Der Firmenname ist übrigens ebenfalls ein Dialektwort und heißt "bewältigen". Die App umfasst über 7000 Einzelwörter und über 2000 Redewendungen, die über Jahrzehnte von Sieglinde Fitz-Grabher, der Tochter des Mundartdichters Hannes Grabher, sowie der Lustenauer Bevölkerung gesammelt und aufgeschrieben wurden.

Bürgermeister begeistert

"Seit 2002 existierte das Wörterbuch als PDF bereits in digitaler Form. Die Idee des Schülers, das ganze als App und vor allem in gesprochener Form zu realisieren, hat mich aber sofort fasziniert", erklärt der Lustenauer Bürgermeister Kurt Fischer im Gespräch mit der futurezone. "Der Lustenauer Dialekt ist durch seine Eigenheiten wie die nur schwer zu imitierenden Triphtonge bzw. Dreifachlaute weit über unsere Gemeindesgrenzen bekannt. Mit der App bekommt man einen tollen Einblick in den Dialekt - aber auch Einheimische können so manch vergessenen Ausdruck wiederentdecken", sagt Fischer.

Die App verfügt über eine alphabetische Listenansicht, die nach Einzelwörtern und Redewendungen sortiert ist. Eine Suchfunktion hilft Dialektausdrücke zu finden - sie kann sowohl in Mundart als auch in Hochdeutsch benutzt werden. Der ebenfalls vorhandene Zufallsgenerator spuckt ein beliebiges Wort oder eine Redewendung aus. Wer sich einen Eintrag merken will, kann diesen per Favoriten-Stern abspeichern. Die ins Hochdeutsche übersetzten Redewendungen werden zusätzlich hinsichtlich ihrer Bedeutung erklärt.

40 Stunden im Tonstudio

Alle Ausdrücke sind als Tonbeispiel abspielbar. Sie wurden von der Mundartdichterin und Regisseurin Veronika Hofer im Tonstudio mit der entsprechenden Betonung und richtigen Aussprache aufgenommen. 40 Stunden lang dauerte es, um alle Begriffe und Redewendungen einzuspielen. "Dialekte verwässern sich immer mehr. Umso mehr wissen wir um den Schatz, den wir mit der zunächst analog und nun auch digital dokumentierten Lustenauer Mundartsammlung besitzen", sagt Fischer.

"Dass so ein Wörterbuch mit standardisierter Schreibweise für einen derart kleinräumigen Dialekt überhaupt existiert und nun auch per App und mit Sprachausgabe genutzt werden kann, ist in Österreich, wenn nicht sogar weltweit einzigartig", freut sich Fischer. Dass die digitalen Medien zu einem Aussterben der Dialekte führen werden, glaubt der Lustenauer Bürgermeister hingegen nicht. "Auch auf WhatsApp wird im Dialekt kommuniziert - meist halt in etwas abgeschwächter Form und völlig freier Schreibweise."

(futurezone) Erstellt am 17.06.2017, 06:00

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