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Gestartet
04/25/2012

123pages: Firmensuche mit blinden Flecken

Ein neuer in Wien und Salzburg entwickelter Web-Dienst will das "Branchenverzeichnis 2.0" sein. Er zapft dazu verschiedenste Quellen an, um den Nutzer ein möglichst umfassendes Bild zu Restaurants, Firmen oder Dienstleistern zu bieten. Allerdings: 123pages durchsucht noch nicht alle relevanten Quellen.

von Jakob Steinschaden

Was kommt nach der Personensuche? Die Firmensuche. Das findet zumindest die neu benannte Tochterfirma der französischen Pages Jaunes Groupe, Yelster Digital. Die Gelben Seiten Frankreichs haben die österreichische Personensuchmaschine 123people (40 Millionen Unique Clients pro Monat) im März 2010 übernommen und nun mit deren Team und Technologie die 123pages aus der Taufe gehoben - ein "Branchenverzeichnis 2.0", wie Produkt-Manager Thomas Waha sie nennt.

Wer nach Tischler, Zahnarzt oder Pizzeria sucht, soll künftig auch 123pages konsultieren können und dort eine Fülle an Informationen rund um die betreffende Firma geboten bekommen. Das hört sich nach Konkurrenz für Herold.at an, ist es aber nicht. Denn die österreichischen Gelben Seiten sind sogar Partner des Neustarters.

Viele Quellen anzapfen
“Unsere Vision: Nutzer sollen mit einem Klick alle Informationen über ein Geschäft oder eine Institution bekommen”, sagte Yelster-Digital-Chef Gilles Clouët des Pesruches bei der Präsentation von 123pages am Mittwoch in Wien. Und tatsächlich: Neben den Gelbe-Seiten-Informationen, die Partner Herold.at liefert, zeigt 123pages bei einer Suchanfrage etwa nach einer Pizzeria auch gleich Yelp-Rezensionen, den Standort auf Google Maps sowie die neuesten Medienberichte zu dem Lokal an.

“Wir wollen auf einer Seite alle Bewertungen und Reviews zu einer Firma präsentieren”, sagt 123pages-Manager Waha. “Wir klauen den Content aber nicht, sondern wollen, dass der Nutzer dann den kompletten Artikel auf der Partnerseite liest.” Deswegen werden nur die ersten paar Wörter bzw. Sätze eingeblendet, wer alles lesen will, muss sich zu der Bewertungsseite durchklicken.

Mehr bieten als Google
Zusätzlich will 123pages auch Quellen anbohren, die Suchmaschinen nicht indizieren. “Durch Partnerschaften kommen wir an Daten, die von Google nicht indexiert werden können”, sagt Waha. Denkbar seien etwa Daten aus dem Firmen-Compass - was aber erst verhandelt werden muss. Insgesamt zapft man derzeit aber bereits mehr als 100 verschiedene Datenquellen an.

“Das haben Yellow Pages bis dato nicht angeboten”, ist sich Clouët des Pesruches bezüglich Innovationsgrad des neuen Dienstes sicher. Aktuell sind 370.000 österreichische und 4,5 Millionen französische Firmen gelistet - dementsprechend ist der Dienst am Mittwoch auch in den betreffenden Ländern gestartet. Geplant ist der Marktstart in Spanien - auch dieser wird technisch vom 123people-Team in Wien und Salzburg umgesetzt.

Und was hat der Herold jetzt davon?
Clouët des Pesruches betonte mehrmals: “Wir sind keine Konkurrenz für Herold.at.” Vielmehr würde man den österreichischen Gelben Seiten (und anderen Partnern wie Yelp) zusätzlichen Traffic liefern und sich gegenseitig gegen die übermächtigen US-Riesen Facebook und Google stärken.

Denn diese üben in Sachen lokaler Werbung bereits starken Druck auf kleinere europäische Player aus. Insofern verlässt sich 123pages bei der Monetarisierung auch nicht nur auf Online-Anzeigen (der Vermarkter wird wahrscheinlich Herold.at sein), sondern will auch Umsatz als Affiliate-Partner (z.B. Provisionen bei Hotelbuchung) bzw. mit Premium-Angeboten für Firmen (noch keine detaillierten Produkte) generieren.

Firmen, die bei Herold.at gelistet sind, finden sich automatisch bei 123pages wieder. Will ein Unternehmen dort nicht auftauchen, kann das Team kontaktiert und zur Löschung des Eintrags gebeten werden - was laut Waha schnell erledigt werden soll.

Die blinden Flecken
Ein wenig verwunderlich: Die österreichische Bewertungs-Plattform Tupalo (an der Herold.at Anteile hält) ist noch nicht bei 123pages  angebunden - “wegen API-Problemen”, wie es heißt. Doch auch andere wichtige Quellen kann 123pages noch nicht durchsuchen bzw. nicht vollständig anzapfen. Denn Partner Herold.at gibt natürlich alle seine Daten heraus - wer Öffnungszeiten oder Bezahl-Optionen von geschäften wissen will, wird von 123pages an den Gelbe-Seiten-Anbieter verwiesen.

Ein weiterer großer blinder Fleck: Facebook. Dort dienen Facebook-Pages immer mehr Firmen als Online-Präsenz bis hin zum Homepage-Ersatz - auf 123pages findet man darüber aber derzeit nichts. Eine Verlinkung zu solchen Web-Inhalten ist geplant. Und ein ganz wesentlicher Content im Web-2.0-Zeitalter ist bei 123pages ebenfalls nicht möglich: Die Nutzer können dort direkt keine Bewertungen oder Reviews hinterlassen, sondern müssen auf Yelp, Qype oder Tupalo ausweichen.

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