B2B
03.08.2018

"Die Blockchain macht nicht immer Sinn"

Statt alle Projekte wahllos in die Blockchain bringen zu wollen, sollte man zuerst nachdenken, wie man diese wirklich sinnvoll einsetzt, erzählt Expertin Katarzyna Ciupa.

Nach Bitcoin und Chatbots ist Blockchain das nächste Buzzword. Viele Start-ups, die vor ein, zwei Jahren noch an derartigen Projekten gearbeitet haben, konzentrieren sich jetzt ausschließlich auf die Blockchain. Darunter versteht man ein dezentrales Register in einem Personen-zu-Personen-Netzwerk. Durch die Nutzung dieser Technologie können Teilnehmer Transaktionen ohne eine zentrale Autorisierungsstelle durchführen und bestätigen.

Vorher prüfen, dann umsetzen

„Die Blockchain ist ein völlig neues System, das bei manchen Projekten Sinn macht, bei anderen wiederum nicht. Bevor man ein Projekt damit startet, sollte man wissen, was man wirklich will und ob sich Blockchain dafür überhaupt eignet“, erklärt Katarzyna Ciupa im Gespräch mit der futurezone. „Natürlich macht es Sinn, die Technologie auszuloten, aber man muss sich eben ganz genau ansehen, was bereits funktioniert hat und was nicht. Und wenn etwas nicht funktioniert, darf man nicht den Programmierern alleine die Schuld dafür geben.“

Ciupa, die bei den österreichischen Vereinen IoT Austria und Bitcoin Austria als Blockchain-Mentorin tätig ist, hat sich bereits sehr ausführlich mit der neuen Technologie beschäftigt. „Es gibt schon sehr viele positive Beispiele für den Einsatz der Blockchain, auch im Zusammenhang mit dem Internet der Dinge (IoT). Wir müssen eine digitale Version eines physischen Produkts machen – und genau deshalb, um die reale Welt mit der Blockchain-Welt zu verbinden, spielt IoT eine wichtige Rolle. Um die Produktionskette wirklich smart zu machen, brauchen wir smarte Sensoren und die digitale Verbindung mit der Blockchain“, so die Expertin, die in beiden Entwicklungen zusammen „großes Potential“ sieht und überzeugt ist: „Wenn die Technologien wachsen, brauchen sie einander.“

Smart Meter und Energie

Als positives Beispiel nennt sie die Energiebranche. „Man kann dafür sorgen, dass weniger Energie verschwendet wird und diese besser verteilt wird. Mit Smart Metern kann man etwa genau messen, wie viel Energie verbraucht wird“, sagt Ciupa. Wien Energie will im „Viertel Zwei“ künftig etwa eine Blockchain-Lösung testen, mit der der gemeinschaftlich erzeugte Solarstrom direkt an die Wohnungen verteilt und verkauft wird.

Doch es gibt auch ein paar Gefahren, die man berücksichtigen müsse, so Ciupa. „Es kann Probleme bei der Identifikation geben, auch der Verifikationsprozess kann manipuliert werden. Es gibt außerdem keinen Weg zurück. Was einmal in der Blockchain ist, bleibt dort. Das ist herausfordernd und gefährlich, wenn etwa die privaten Schlüssel gestohlen werden, mit denen sich Finanztransaktionen starten lassen“, warnt die Expertin. Ein weiteres Thema ist die Skalierbarkeit. Dafür brauche es eine Art „neue Blockchain“, denn das derzeitige Modell sei nicht darauf ausgelegt.

Überlegungen mit IoT-Bezug und Standards

Bei IoT Austria experimentiert man derzeit mit der Blockchain, berichtet die Expertin. „Wir befinden uns in einer Konzeptionsphase, sammeln Ideen und hoffen, dass wir etwas mit Zusatzwert kreieren können“, so Ciupa. Ihr persönlich gehe es weniger darum, möglichst rasch ein Projekt aufzusetzen, sondern zuerst sinnvolle Ideen zu sammeln und die Vorteile und Risiken gegeneinander abzuwägen.

„Wir wollen etwas für die Gemeinschaft machen. Wir denken etwa darüber nach, wie man mit Blockchain die lokale Wirtschaft unterstützt, oder wie man Zahlungen nachhaltig machen kann. Wir müssen aber auf jeden Fall zuerst das System verstehen, bevor wir etwas entwickeln. Das würde ich auch anderen als Ratschlag geben, anstatt sich sofort auf die Technologie draufzuschmeißen“, empfiehlt die Expertin. „Ohne Standards wird es wirklich sehr schwer. Weil sich die technischen Möglichkeiten rasant ändern, ist es aber eine Herausforderung, passende Standards zu entwickeln“, fasst Ciupa zusammen.

Ciupa ist Speakerin beim 2. IoT-Fachkongress von Austrian Standards. Am 3. Oktober sind die neuesten Beispiele und IoT-Anwendungen zu erleben. Der Fachkongress mit dem Motto „Mit Standards in die Zukunft“ findet im Austrian Standards Meeting Center in der Heinestraße 38 in Wien statt.

Aktuell läuft der Frühbucherbonus – bei einer Anmeldung bis 31. August 2018 spart man 100 Euro. Tickets gibt es auf der Website von Austrian Standards.

Disclaimer: Die futurezone ist Medienpartner der Veranstaltung.