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Konferenz
01/21/2013

DLD 2013: "Big Data ist nicht Big Brother"

Eines der großen Themen der Münchner Konferenz für digitale Themen ist "Big Data". Für die einen ein gehypter Marketingbegriff, sehen andere die Analyse großer Datenbestände als essenziell für die Zukunft von Wirtschaft, Medizin oder Politik an - etwa der Datenwissenschaftler DJ Patil oder der Künstler Rick Smolan vom Projekt "The Human Face of Big Data".

von Jakob Steinschaden

DJ Patil, Datenwissenschaftler bei der kalifornischen Investment-Firma Greylock Partners (u.a. Facebook, Pandora, LinkedIn, AirBnB) machte im Rahmen der DLD-Konferenz in München ("Digital, Life, Design) unmissverständlich klar, was er von "Big Data" haltet. "Es geht nicht darum, ob es ein Hype ist, sondern darum, wie man es zu seinem Vorteil einsetzen kann", sagte er über die Analyse großer Datenbestände. "Big Data ist wie Sex bei Teenagern – alle reden darüber, aber keiner weiß, wie es geht."

Erfolge mit Big Data
Erfolgreiche Beispiele gebe es bereits genug: Die US-Präsidentenwahl 2012 etwa sei von Obama zu einem guten Teil deswegen gewonnen worden, weil ihm Datenwissenschaftler geholfen hätten, das Wahlverhalten sehr präzise vorauszusagen.

Auch der Fotograf Rick Smolan, der das Buchprojekt "The Human Face Of Big Data" aus der Taufe gehoben hat (futurezone berichtete) wies auf der DLD auf die Einsatzgebiete von Big Data hin. Krankheiten wie Malaria oder Polio könnten mit Hilfe von Datenanalyse besser bekämpft werden, der Energieverbrauch gedrosselt werden (Stichwort "Smart Grids") oder die Natur besser verstanden und geschützt werden. Sein Buch schickte er an 10.000 Entscheidungsträger aus Politik, Wirtschaft und Kultur auf der ganzen Welt, um sie zum Einsatz von Big Data zu überzeugen.

"Nicht wie Big Brother"
Smolan sagte auch, dass man sich vor Big Data nicht fürchten solle. "Big Data ist nicht Big Brother", so Smolan, vielmehr ergebe sich die Chance, mit Tausenden statt nur mit zwei Augen auf einen Sachverhalt zu blicken. Geklärt werden müsse aber noch, wem die Daten gehören - schließlich würden vor allem die Konsumenten diese generieren.

Insgesamt sieht der Humanist vor allem positive Folgen durch den Einsatz von Big Data für die Gesellschaft. Auf Überwachungsängste, die etwa der Bau von riesigen Datencentern der NSA in den USA hervorruft (futurezone-Bericht), ging er nicht ein. Dort werden Petabytes an Daten pro Minute analysiert, Ziel dürfte das Nachzeichnen von Personenbeziehungen sein.

"Datenwissenschaftler werden bald das Sagen haben", ist sich DJ Patil von Greylock sicher. Noch gebe es viele Firmen und Institutionen, die Daten-Analyse nur halbherzig betreiben, aber das sollten diese lieber bald ändern. "Wir brauchen Entscheidungen, die auf Daten basieren und nicht nur die Behauptung, dass es eine Big-Data-Strategie gibt", so Patil. "Jede Institution braucht einen Spock auf der Brücke", meinte er in Anlehung an den smarten Vulkanier, der die Enterprise-Crew in allen Lebenslagen auf Basis von Daten beratet.

Mensch soll weiter entscheiden
"Man braucht aber immer noch den Menschen, der die Daten interpretiert", so Patil - Roboter sollten nicht das Ruder übernehmen. "Das Wichtigste ist, auf Basis von Daten eine Diskussion zu führen." Blind vertrauen wie einem Navigationsgeräte solle man ihnen aber nicht - denn auch Auto-GPS würden die Fahrer manchmal falsch abbiegen lassen.

Auch Alec Ross, Digital-Stratege im US-Außenministerium, sieht Big Data als enorm wichtig an. "Wer ein Milliarden-Unternehmen aufbauen will, sollte jetzt eine Analyse-Firma gründen", sagte Ross auf der DLD über die Business-Chancen für Big Data. Die US-Regierung hat 2012 etwa 200 Millionen Dollar an Geldern für den Bereich bereitgestellt.

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