B2B
14.12.2012

Drei-Orange-Deal fix: A1 darf Yesss übernehmen

Die Bundeswettbewerbsbehörde segnet die Übernahme von Yesss durch A1 ab. Der angekündigte Rekurs gegen das Urteil des Kartellgerichts wird nicht eingelegt. Damit ist der Drei-Orange-Deal perfekt, die EU, die RTR und das Kartellgericht haben bereits ihr OK gegeben.

Heute haben sich die Vertreter von Orange, A1 und der RTR zu einem finalen Gespräch mit der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) getroffen. Als letzter Vertreter der am Drei-Orange-Deal beteiligten Parteien ist Canning Fok, Chef der Drei-Muttergesellschaft Hutchison, geladen. Bei einer Pressekonferenz am Nachmittag zeigte sich Fok einmal mehr bedeckt: "Wir kommen einem Abschluss näher und näher." Auf die hochoffizielle Bestätigung, dass der Drei-Orange-Deal durch ist, muss man daher noch ein paar Tage warten.

Die BWB hätte die Übernahme von Orange durch Drei noch hinauszögern können, obwohl die EU-Kommission grünes Licht gegeben hat. Dies wäre durch das Einlegen eines Rekurs gegen das Urteil des österreichischen Kartellgerichts möglich gewesen, das die Übernahme von Yesss durch A1 bereits genehmigt hatte. Denn die EU hat ihr OK nur unter der Bedienung gegeben, dass die Orange Diskonttelefonie-Tochter Yesss an A1 verkauft wird.

Kein Rekurs
Anfang der Woche sagte ein Sprecher der BWB, dass Rekurs gegen das Urteil des Kartellgerichts eingelegt werde. Das Gutachten, dass den Kauf von Yesss durch A1 als unbedenklich erachtet, hätte nicht alle offenen Fragen geklärt.

Wie die futurezone aus gut informierten Kreisen erfahren hat, wurde der Rekurs von A1 angestrebt. Im Aufsichtsrat von A1 soll offen darüber gesprochen worden sein, Theodor Thanner, Generaldirektor der BWB, zum Rekurs treiben zu wollen. Das Ziel sei gewesen, eine Nachverhandlung zu ermöglichen, da A1 weniger als die abgemachten 390 Millionen Euro für Yesss zahlen möchte.

Dass Thanner keinen Rekurs einlegt, ist an weitere Zugeständnisse von Drei gebunden, die beim Treffen mit dem Hutchison-Chef Canning Fok fixiert werden sollten. Details dazu sind noch nicht bekannt. Möglich wäre etwa ein Tarif ohne Servicegebühr, der denen von Diskont-Telefonieanbietern ähnelt.

Verzögerungstaktik
Von einem Rekurs und der damit verbundenen Verzögerung hätte letzten Endes wohl tatsächlich A1 profitiert, wie auch Informationen der Nachrichtenagentur Reuters suggerieren. Denn laut einem ebenfalls heute veröffentlichten Bericht war das Yesss-Angebot nur bis 31. Jänner 2013 bindend. Wäre bis dahin keine Einigung erzielt worden, hätte A1 aus dem Angebot aussteigen oder eben nachverhandeln können.

Die Zukunft
Obwohl Hutchison-Chef Canning Fok auf der Warteposition von Drei beharrt ("We are still waiting") sind einige Dinge für die Zukunft klar: Orange wird als Marke aus Österreich verschwinden, sobald die Übernahme durch ist. Wie schnell das gehen wird, bleibt unklar. Ihre bisherigen Nummern werden derzeitige Orange-Kunden behalten, allerdings sollen sie von der Qualität des Drei-Netzes profitieren, wie Drei-Chef Jan Trionow stolz verkündet. Dieses war erst kürzlich vom Fachmagazin connect erneut zum besten Netz Österreichs

.

Eine abgeschlossene Übernahme von Orange bedeutet auch, dass das Vergabeverfahren der Digitalen Dividende wieder aufgenommen werden kann. Damit werden Frequenzen für LTE frei. Drei ist optimistisch, dass das Verfahren spätestens im September 2013 abgeschlossen sein wird. Bis spätestens Ende 2014 will Drei ein wettbewerbsfähiges LTE-Netz mit mehreren Frequenzbändern aufgebaut haben.

Schlussendlich soll es auch eine räumliche Veränderung für den Mobilfunker geben. Die Firmenzentrale von Drei im beinahe verwaisten Gasometer C in Wien soll aufgelassen werden. Das neue Hauptquartier werde laut Trionow dann in der Brünner Straße aufgeschlagen.

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