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Hutchison Whampoa
07/29/2012

Drei: "Orange-Deal ist wettbewerbsfördernd"

Canning Fok, Vorstandsvorsitzender des Mutterkonzerns von Drei aus Hongkong, zeigte sich bei seinem Besuch in Wien enttäuscht darüber, dass die EU-Kommission ein vertiefendes Prüfverfahren bei der Übernahme des Mittbewerbers Orange eröffnet hat. Aus Österreich zurückziehen will sich der Mischkonzern allerdings auch dann nicht, wenn der Deal platzen sollte.

von Barbara Wimmer

"Ich war sehr erstaunt über die vertiefende Untersuchung der EU-Kommission", sagte Canning Fok, Vorstandsvorsitzender von Hutchison Whampoa, der sich anlässlich des heutigen Madonna-Konzerts kurzfristig zu einem Wien-Besuch entschieden hatte. Die Übernahme des in Österreich drittgrößten Mobilfunkanbieters Orange durch den viertgrößten, Drei, wird derzeit in Brüssel und in Wien genau geprüft. Es ist der erste Deal, der genauer unter die Lupe genommen wird, obwohl bei einer Fusion der Marktanteil der beiden zusammengeführten Unternehmen noch immer unter 25 Prozent (nämlich bei rund 22 Prozent) bleibt.

"Es ist gerade eine sehr kritische Zeit, weil Orange massiv von T-Mobile attackiert wird. Und es ist höchst ungewöhnlich, dass die EU-Kommission unseren Deal so genau prüft", fügte Fok hinzu. Er habe Schwierigkeiten, dies gegenüber den Aktieninhabern zu erklären. Ein möglicher Erklärungsversuch sei höchstens, dass die EU von weiteren Zusammenschlüssen kleinerer Mobilfunkanbieter ausgeht, die für ihre Pläne "grünes Licht" sähen, wenn die EU die Übernahme in Österreich genehmigen würde.

"Wettbewerb nur mit starken Herausforderern möglich"
Das sei allerdings unverständlich, weil der Zusammenschluss eindeutig wettbewerbsfördernd und zum Vorteil für die österreichischen Konsumenten sei, so Fok. "Österreich ist der Markt mit dem höchsten Wettbewerb in ganz Europa. Das kann nur so bleiben, wenn es starke Herausforderer gibt", erklärte Fok. "Die EU-Kommission scheint sich auf den Umstand zu versteifen, dass der Zusammenschluss die Anzahl der Mobilfunkbetreiber von vier auf drei reduziert. Das ist eine verfälschte Sichtweise, denn ein starker Herausforderer für die beiden großen, etablierten Betreiber ist besser für den Wettbewerb als zwei schwache Betreiber, die gegenseitig um Profitabilität und Skaleneffekte kämpfen müssen."

Zudem würde durch das Prüfverfahren, das bis spätestens Ende November abgeschlossen sein wird, der Ausbau des LTE-Netzes verzögert, sagte Fok. Denn hierfür hat Drei die 1800 MHz Frequenz von Orange im Visier, da diese für eine schnelles Netz bestens geeignet sind. Das Hinauszögern des Prüfverfahrens sei somit doppelt schlecht für Österreichs Mobilfunk-Kunden.

Zugeständnisse an die Behörden
Von Fok bestätigt wurde nun offiziell, dass man den Behörden bereits Maßnahmen angeboten habe, um deren Bedenken zu entkräften. So hat Hutchison etwa bereits angeboten, den diskriminierungsfreien Zugang von virtuellen Netzbetreibern (Mobile Virtual Network Operators) zu "extrem attraktiven Konditionen" zu ermöglichen. Dieses Angebot, das derzeit "einen großen Player" betreffen würde, sei allerdings nur dann aufrecht, wenn der Deal mit Orange zustande käme, sagte Fok. "Das ist bereits eine große Belastung für uns als kleinster Netzanbieter im österreichischen Markt". Sollte die EU-Kommission auf so harte Auflagen bestehen, dass die Rentabilität des Zusammeschlusses dadurch unterlaufen würde, werde man den ganzen Zusammenschlussprozess „einer vollständigen rechtlichen Prüfung“ unterziehen, kündigte Fok an.

Der Deal hängt nicht nur von der Genehmigung der Übernahme von Orange ab, sondern es wird auch die Billigmarke Yesss an den Mitbewerber A1 abgegeben. Das Hauptgeschäft wird derzeit auf EU-Ebene von den Regulierern geprüft, der Yesss-A1-Kauf wird hingegen von den österreichischen Behörden analysiert, da er ein gewissenes Volumen nicht überschreitet. Wenn nun der Yesss-A1-Kauf platzen sollte, gäbe es "theoretisch keinen Deal", bestätigte Fok.

"Werden Österreich nicht verlassen"
Vom österreichischen Markt zurückziehen möchte sich Hutchison Whampoa trotz gegenteiligen Gerüchten auch dann nicht, wenn der Deal platzen sollte. "Wir müssten einen langsameren Weg gehen, aber unsere schwierige Phase ist vorbei. Ich weiß allerdings nicht, wie viel Wettbewerb wir dann anbieten können. Aber eines steht fest: Nach zehn Jahren Investitionen werden wir Österreich nicht verlassen."

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