B2B
18.07.2018

Erneut Betrugsverdacht gegen österreichische Bitcoin-Firma

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Cointed. Tausende Anleger sind betroffen, Schaden soll über fünf Millionen Euro liegen.

In Sachen Kryptowährungen zeichnet sich ein neuer Anlegerskandal ab. Gegen die bereits durch das mutmaßliche Pyramidenspiel des Bitcoin-Portals Optioment bekannte Cointed ermittle die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachtes des schweren gewerbsmäßigen Betruges sowie auf Ketten- und Pyramidenspiel. Kunden könnten nicht auf ihre Guthaben zugreifen, berichtet "Der Standard".

Mehrere tausend Anleger sollen geschädigt worden sein. Wie hoch die Schadenssumme ist, könne noch nicht abgeschätzt werden, zitiert die Zeitung die Staatsanwaltschaft. Erwartet werde, dass der Schaden weit über 5 Mio. Euro liege. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft würden sich auch darauf erstrecken, ob bei der Geldaufnahme im Vorjahr (Initial Coin Offering, ICO) gegen die Prospektpflicht verstoßen worden sei. Konkret hätten die Behörden sieben Beschuldigte im Visier, auch gegen unbekannte Täter werde ermittelt.

Chef weg

Das Kufsteiner Unternehmen Cointed habe die Probleme zuletzt mit einem versuchten Hackerangriff erklärt, doch die Probleme seien tiefer gegangen, schreibt die Zeitung. Neben einer Handelsplattform für Kryptowährungen sei Cointed auch im "Mining" aktiv ist und betreibe Automaten, bei denen Euro in Bitcoin und Co getauscht werden könnten.

Cointed-Chef Wolfgang Thaler habe Österreich bereits Richtung China verlassen. Dort will er den Angaben zufolge mit Investoren die drohende Pleite des Kryptodienstleisters abwenden. Von dort habe er sich per Video gemeldet und erkläre, dass ihn beide Geschäftspartner (Daniil Orlov und Charli Aho, Anm.) "im Stich gelassen haben", und die ganze Verantwortung nun auf seinen Schultern laste. Thaler betone, dass Cointed nichts mit dem zusammengebrochenen Bitcoin-Betrug Optioment zu tun habe, und bestätige Hausdurchsuchungen am Firmensitz in Kufstein.

Automaten weg

Nach dem Besuch der Ermittler hätte man die Server für die ATM (Bitcoin-Wechselautomaten) ein Wochenende lang vom Netz nehmen müssen, was finanzielle Einbußen gebracht habe. Dann ist es laut Thaler auch noch zu einem Betrug gekommen, bei dem Cointed ein hoher sechsstelliger Betrag gestohlen worden sei. Daher hätte man auch den "Exchange" (Onlinebörse) vom Netz genommen, um weitere Schäden zu verhindern. Man habe nun aber alle Informationen beisammen, um "damit zum Anwalt zu gehen, um das Geld zurückzufordern", so Thaler laut dem Bericht. Diese beiden Fälle hätten große finanziellen Probleme gebracht.

In China sei er nicht, "um unterzutauchen oder Geld verschwinden zu lassen". Vielmehr habe er sich mit Investoren getroffen, mit denen eine Strategie entwickelt werde, um die drohende Insolvenz von Cointed, "die ich unbedingt vermeiden will", abzuwenden. Das Kufsteiner Büro sei geschlossen, die verbliebenen drei Mitarbeiter könnten ihre Arbeit von zu Hause aus machen. Es sei zu verbalen Übergriffen auf die Mitarbeiter gekommen. Alle Automaten seien bereits verkauft worden, als Nächstes solle die Handelsplattform verkauft werden. Mit dem Geld wolle man die Kunden ausbezahlen.

Im asiatischen Raum hält sich laut dem Zeitungsbericht auch Christopher R. auf. Er sei der Gründer von Cointed und gelte bei Optioment als Schlüsselfigur. In Asien arbeite R. laut eigenen Angaben an Dienstleistungen im Bereich des Minings von kryptografischen Werten.