B2B
05.11.2018

Mitarbeiter packen aus: Bei Netflix herrscht eine Kultur der Angst

Bei Netflix zu arbeiten mache keinen Spaß. Mitarbeiter würden gegeneinander aufgestachelt und Kündigungen seien allgegenwärtig.

Man könnte meinen, bei Netflix zu arbeiten wäre cool und hip und würde Spaß machen - so wie sich der Streamingdienst gerne selber sieht. Weit gefehlt, wie mehr als 70 aktuelle und ehemalige Netflix-Mitarbeiter nun in Interviews mit dem Wall Street Journal erzählen. Die Unternehmenskultur des Streamingdienstes sei ein Alptraum, Kündigungen stehen auf der Tagesordnung und in Teams kämpft jeder gegen jeden.

Netflix lege großen Wert auf Freiheit und Verantwortung, heißt es in dem Bericht. Demnach kann praktisch jeder Mitarbeiter auf vertrauliche Informationen zugreifen, von der genauen Anzahl der Abonnenten pro Land bis zu Vertragsbedingungen für Netflix-Produktionsabkommen. Die rund 500 obersten Mitarbeiter können die Gehälter von sämtlichen Mitarbeitern einsehen.

Jeder gegen jeden

Mitarbeiter werden außerdem dazu angehalten anderen Mitarbeitern unverblümte und schonungslose Feedbacks zu geben. In so genannten "Keeper Tests" werden die Mitarbeiter gegeneinander aufgestachelt und gefragt, ob sie dafür kämpfen würden, einen bestimmten Mitarbeiter zu behalten. Mit dieser Art von Tests soll den Mitarbeiter eingebläut werden, dass jeder, der nicht in die Unternehmenskultur passt, gefeuert wird.

Diese "Keeper Tests" werden zum Teil sogar öffentlich durchgeführt und zelebriert, was nach Aussage von ehemaligen Netflix-Mitarbeitern, vielfach zu dramatischen und theatralischen Kündigungen führt.

Kultur der Angst

Die interviewten Mitarbeiter betonen allerdings, dass Netflix als Ganzes nicht schlecht oder böse sei und sie nicht den Ruf des gesamten Unternehmens beschädigen wollen. Hauptsächlich die omnipräsente Angst gefeuert zu werden, sei eine große Last, wie ein weiteres Beispiel zeigt: Ein Mitarbeiter auf Management-Ebene hat sich an seinen Vorgesetzten gewandt und ihm erklärt, dass er große Angst davor hat, gekündigt zu werden. Sein Vorgesetzter meinte nur: "Sehr gut, denn Angst treibt dich an."