© APA

Start-up-Geschichten
02/24/2011

Oberösterreich: Start-ups statt Stahl

Mit dem Ars-Electronica-Center hat die Landeshauptstadt Linz ein leuchtendes Zentrum der digitalen Kunstwelt. Ganz anders die hiesige Internetszene: Ihr fehlt noch ein Mittelpunkt und die Strahlkraft großer Vorbilder. Ein Lokalaugenschein der FUTUREZONE.

von Jakob Steinschaden

"Wenn ich mit dem Voest-Schichtler-Bus mitfahre, ist sonst kein einziger in meinem Alter drinnen. Die sind alle 40 plus und hackeln dort seit zehn, zwanzig Jahren." Mit der alten Stahlwelt hat die junge Generation Oberösterreichs heute kaum noch Berührungspunkte, wie der Linzer Spieleentwickler Alexander Seifert (Pro3Games) im Gespräch mit der FUTUREZONE verdeutlicht. Er gehört zu jener immer größeren Gruppe an Selbstständigen, die sich der Software- bzw. Internetbranche verschrieben hat. Seifert programmiert derzeit mit zwei Kollegen an dem Multiplayer-Game "Delta Strike", das mit SciFi-Szenario und Social-Web-Anbindung punkten will. Finanziert wurde man von Lars Hinrichs` Investmentfirma HackFwd mit 200.000 Euro.

Das schnelle Vorwärtskommen von Pro3Games ist für Seifert nur mit ausländischer Hilfe möglich. "Es ist die österreichische Mentalität, dass man lieber sein eigenes Supperl kocht, anstatt sich mit anderen auszutauschen", sagt der Spieleentwickler. "Das, was im Silicon Valley stattfindet, ist bei uns überhaupt nicht denkbar." Verbohrtes Unternehmertum und behördliche Hürden würden es extrem schwer machen, ein Internet-Start-up zu machen und sich zu vernetzen.

"Man bekommt im Silicon Valley sicher viel leichter sein Funding, aber wir wollen mittelfristig schon in Oberösterreich bleiben", sagt Christian Kaar, technischer Chef bei der Sport-Tracking-App Runtastic. Von hier aus könne man die wirtschaftlich wichtige DACH-Region am besten betreuen. "Ich wäre eigentlich nach Amsterdam zu TomTom gegangen", sagt Kaar. "Da haben viele Verwandte eher weniger damit anfangen können, dass ich mich für Runtastic entschieden habe. Wenn ich ihnen aber heute erzähle, dass wir Nutzer in Afrika und Südamerika haben, kommt das große Staunen."


Viele neue Firmen, wenige alte Größen

Als Fixgröße in Oberösterreich gilt die Online-Community Szene1.at, die ihre besten Tage allerdings hinter sich hat und nur mehr einen Bruchteil jener aktiven Mitglieder hat wie noch vor wenigen Jahren. Vor kurzem wurde etwa der Live-Zähler entfernt, der die aktuellen Nutzerzahlen anzeigte. "Szene1.at war verdammt stark, die haben an vielen Abenden oft 40.000 Leute online gehabt. Seit Facebook haben sie mit rückläufigen Userzahlen zu kämpfen", sagt Thomas Arnitz, Geschäftsführer der LIGAPORTALE. Er ist Vertreter einer neuen Generation Internet-Unternehmer, der mit www.ooeliga.at eine beliebte Fußballer-Plattform für die Region aufgebaut hat. Ableger für Niederösterreich, Kärnten, die Steiermark und das gesamte oberösterreichische Fußball-Unterhaus folgten, heute hat er 60 Mitarbeiter und 180.000 Unique Clients pro Monat. "Am Anfang haben die Eltern gesagt: Schau, das du einen fixen Platz bei IBM kriegst", so Arnitz. "Aber gerade im letzten Jahr habe ich bemerkt, dass die Anerkennung enorm gestiegen ist. Ich werde zu Events eingeladen, wo ich Tisch an Tisch mit Landeshauptmann Pühringer sitze."

Vorbild für viele Start-ups ist Daniel Mattes: Der Ex-Jajah-Gründer baut in der "solarCity" in Linz mit Jumio einen neuartgien Bezahl-Dienst auf und hat dafür namhafte Investoren, 20 Programmierer sowie 30 Sales-Ingenieure aufgestellt. Kleinere Süppchen kochen (noch) Linoq, ein Musik-Empfehlungs-Dienst, die Web-App-Plattform Wappwolf (am besten Weg in die USA) oder Odocu, eine Rabatt-Community. Interessante Start-ups sind auch die App-Schmiede Mogree, die noch nicht gestartete Forscher-Community Xscited und natürlich die Sportler-Plattform Runtastic, die bereits mehr als eine Million Handy-Apps absetzen konnte. Ein Ziel mit sozialem Anspruch verfolgt außerdem Pflegepersonalonline.at, wo zwischen Pflegebedürftigen und PflegerInnen vermittelt wird.

Keimzelle Hagenberg

"Die meisten Leute kommen natürlich aus Hagenberg", sagt Gerold Weisz vom Transferzentrum für Unternehmensgründung der Oberösterreichischen Fachhochschulen, so etwa auch die Gründer des Online-Wetten-Anbieters bet-at-home. Die Schwerpunkte der hiesigen FH wären immerhin Softwaretechnik und Mobile Computing. Zu ihm kommen Leute mit einer Idee, mit denen er dann den Markt untersucht und einen Business-Plan erstellt. Neben Runtastic ist aus dem Programm etwa die Interface-Technologiefirma isiQiri hervorgegangen. "Tech2b ist die wichtigste Anlaufstelle für Internet-Start-ups in Oberösterreich", sagt Weisz. Bei dem Inkubator hat etwa auch Runtastic Gründungsfinanzierung, Förderung und Beratung erhalten, aber etwa auch Underground8, die Sicherheitssysteme entwickeln.

"Ich bin eine Hebamme für Start-ups und helfe ihnen, die Idee zu entwickeln", sagt Christian Leeb, ehemaliger Geschäftsführer des einst größten heimischen Technologiekonzerns VA Tech. Er versorgt junge Firmen mit Startkapital und Insiderwissen und ist bei Wappwolf, Linoq, Garmz, Bilbone, ClearKarma und Twingz an Bord. Er bekommt im Schnitt sechs Prozent von den Start-ups und hilft dann, über sein Netzwerk zusätzliches Kapital und mögliche Partner aufzutreiben. "Alle Start-ups, in denen ich drinnen bin, haben das Potenzial, weltweit eine Rolle zu spielen und einen ganzen Markt umzudrehen."

Mehr zum Thema:
Vorarlberg: Der Traum vom "Silicon Rheintal"

(Jakob Steinschaden)

Im Rahmen der Serie Start-up-Geschichten berichtet die Futurezone über aktuelle Entwicklungen bei heimischen Start-ups und porträtiert junge Unternehmen und frische Internet-Ideen.
eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.