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Positionspapier
04/12/2011

Österreich auf IT-Talfahrt

Innerhalb eines Jahres ist Österreich im internationalen IT-Ranking um vier Plätze auf Rang 20 zurückgefallen. In einem Positionspapier wird nun eine Innovations- und Infrastruktur-Offensive gefordert, da Österreich sonst noch weiter abrutscht.

Schweden ist ein IT-Musterland. Im „Global Information Technology Report 2009-2010“, das vom Weltwirtschaftsforum herausgegeben wird, rangiert Schweden vor Singapur und Dänemark; die Dänen hatten drei Jahre davor das Ranking angeführt. Die drei Länder nehmen deshalb die Spitze ein, weil die Regierungen die Weichen für den Netzausbau, eine gute Kommunikationsinfrastruktur und damit die Basis für einhergehende Innovation gelegt haben. Die Politik hat erkannt, wie wichtig die IT-Infrastruktur für die Wirtschaft eines Landes ist. „Der Erfolg dieser Staaten unterstreicht, wie wichtig es ist, eine genaue ICT-Vision zu haben“, sagt Irene Mia, Co-Autorin des Reports, der jedes Jahr 133 Staaten genauer unter die Lupe nimmt. Österreich rangiert im „Networked Readiness Index“ (NRI) auf Platz 20. Beim NRI wird auf drei Ebenen geprüft, wie weit die Rahmenbedingungen in den einzelnen Ländern passen – im geschäftlicher, regulatorischer und auch infrastruktureller Hinsicht.

Abgeschlagen
Platz 20 mutet auf den ersten Blick gar nicht so schlecht an, ist bei genauerer Betrachtung aber ein gewaltiger Rückschlag. „Österreich ist nicht nur um vier Plätze zurück gefallen, sondern rangiert weit abgeschlagen hinter der Schweiz und Deutschland“, sagt Cisco-Österreich-Chef Achim Kaspar. Schweiz liegt auf Platz vier, Deutschland auf Platz 16 und hat mit Österreich den Rang getauscht. Derzeit liegt Österreich sowohl bei der Zahl der Haushalte mit einem Computer als auch bei der Internet-Nutzung weit hinter den europäischen Spitzenreitern.  „Österreich braucht einen umfassenden und langfristigen Ansatz“, sagt Kaspar im futurezone-Gespräch. Das beginne schon in den Schulen, wo stärker als bisher auf IT-Ausbildung gesetzt werden müsse. „Notebook-Klassen und WLAN-Ausstattung in den Schulen müssen zur Norm werden.“ In einem 36-seitigen Positionspapier „innovation.austria“ will Cisco Austria Politik und Wirtschaft Impulse für ein digitales Österreich liefern.

Neuorientierung
„Die Wirtschaftskrise hatte Auswirkungen sowohl auf Gesellschaft, Kultur, Wirtschaft wie auch Arbeitswelt“, sagt Kaspar, „jetzt werden die Strukturen neu geordnet und da muss Österreich dabei sein.“ 30 Millionen Euro stellt die österreichische Regierung als „Anschubfinanzierung“ für den Ausbau breitbandiger Infrastruktur in ländlichen Gebieten zur Verfügung. 2020 will Österreich eine führende Rolle übernehmen. Ob das gelingt? „Nur wenn die Politik endlich erkennt, welch wichtige Rolle eine Telekommunikations-Infrastruktur spielt“, so Kaspar. „Österreich muss moderner werden.“ Die Studie der Weltbank zeige, dass es einen Zusammenhang zwischen der Breitbandinternet-Durchdringung in einem Land und dem Produktivitätszuwachs gebe.

Datenexplosion
Der weltweite Internet-Verkehr ist innerhalb von fünf Jahren um das Achtfache gestiegen. Für die Datenexplosion sind vor allem die Videodienste verantwortlich, die derzeit bereits ein Viertel des gesamten Internet-Verkehrs ausmachen. Der Datenberg wächst mit jeder Stunde, verdoppelt sich alle 18 Monate und wird bis 2020 um den Faktor 44 angewachsen sein, hat das Analyseinstitut IDC erhoben. 90 Prozent des Datenverkehrs werden 2020 Videos sein. Aber nicht YouTube und diverse andere Video-on-Demand-Dienste werden allein für den Zuwachs verantwortlich sein, sondern Video-Messaging und Web-Konferenzen. Virtuelle Arbeitsformen werden sich in den kommenden zehn Jahren durchsetzen, der Begriff „Collaboration“ wird heute schon von Konzernen wie Cisco, SAP oder Fujitsu beworben. Videokonferenzen sind ein Teil davon. Kaspar: „Man braucht ein über Österreich verteiltes Netz an Videokonferenz-Räumen.“ Im öffentlichen Bereich könnten dadurch bis zu einem Drittel der 120 Millonen Euro, die jährlich an Reisekosten anfallen, eingespart bleiben.

Smart Work Center
Weitere Modelle, die im Positionspapier als für Österreich zu empfehlen sei, sind „Home Office“-Lösungen oder „Smart Work Center“. In Almere, einer Ortschaft etwa 20 Kilometer außerhalb Amsterdams, wurde, um den Pendlerverkehr nach Amsterdam einzudämmen, vor zwei Jahren ein solches gebaut. In diesem gibt es nicht nur virtuelle Arbeitsplätze und Meetingräume, sondern auch einen Kindergarten. Ausgestattet mit Ultrabreitband müssen Angestellte nicht mehr in die Firma pendeln, sondern arbeiten vom Smart Work Center aus. Kaspar: „Das wären ideale Modelle für Randregionen und den ländlichen Bereich.“ Das setzt allerdings voraus, dass  nicht nur der Firmenchef pro Teleworking eingestellt ist, sondern dass auch die rechtlichen Rahmenbedingungen für diese neuen Arbeitsformen geschaffen werden, sprich, Arbeitszeitmodelle überdacht werden müssen.

E-Government ist ausbaufähig
Auch die Behörden sind gefragt. Ein Begriff, der schon seit geraumer Zeit im Raum steht, ist E-Government. Im Bundeskanzleramt versteht man darunter: "Das bedeutet ganz einfach, dass es die Option gibt, unabhängig von Ort und Zeit meine Amtswege elektronisch zu erledigen.“ Die Theorie klingt toll, die Praxis ist es weniger, denn die E-Card, die kurz nach der Jahrtausendwende schon als „die Zukunft“ angepriesen wurde, ist noch immer ein Randgruppen-Thema – weil die Anwendungen fehlen. Und weil die Lösung zu kompliziert ist. Wo gibt es das Web-Video, in dem erklärt wird, wie man einen Pass beantragt? Wo ist das Webkonferenz-Tool, mit dem Mitarbeiter von Bezirkshauptmannschaften mit den Bürgern via Videokonferenz in Kontakt treten können?

Einige Beispiele für ein Amt 2.0 bzw. eine „Connected Republic“ gibt es jedenfalls. In Wien werden Landtagssitzungen bereits durch Livestreaming ins Web übertragen. Auf wien.gv.at wird Gebärdensprache eingesetzt. Die Plattformen www.help.gv.at oder FinanzOnline aber auch der elektronische Akt sind Beispiele, dass das Amt 2.0 funktionieren kann. Das Bundesrechenzentrum setzt voll auf die digitalen Möglichkeiten. „Im E-Government und bei den Shared IT-Services sind wir bereits im internationalen Spitzenfeld“, so BRZ-Geschäftsführer Roland Jabkowski. „Das Ziel muss ein One-Stop-Government sein.“ Aus Behördenwegen muss ein einziger Behördenweg werden, weil der Bürger alles bei einer Stelle bekommt. „Dafür ist es notwendig, dass innerhalb und zwischen den Behörden die Interaktion stimmt“, so Jabkowski. Mit dem Unternehmensservice- und Gesundheits-Portal sowie dem elektronischen Akt (ELAK) seien die idealen Voraussetzungen dafür geschaffen worden.

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