B2B
27.11.2018

"Österreich ist ein guter Ort für Blockchain-Unternehmen"

Am Horizonte Blockchain Summit wurde über die Auswirkungen von künstlicher Intelligenz und der Blockchain gesprochen.

Österreich sei ein gutes Pflaster für die Entwicklung von Blockchain-Technologie. Der Grund dafür liege unter anderem in der Größe des Landes, sagte Jeffrey Owens, ein auf Digitalisierung und Konvergenz der Technologien spezialisierter Jurist und Steuerrechtsexperte beim "Horizonte Blockchain Summit" am Montag, der von der WKO Außenwirtschaft Austria in Kooperation mit der Wirtschaftsuniversität Wien veranstaltet wurde: “Es sind die kleinen Länder, die führend sein werden, weil sie agil sind."

Auch Tom FürstnerGründer und CTO von Riddle & Code, stellte Österreich ein gutes Zeugnis aus. “Österreich ist ein guter Ort, um Blockchain-Unternehmen zu gründen”, meinte Fürstner. Sowohl in der Forschung als auch von staatlichen Einrichtungen passiere hier gerade viel. Unternehmen hätten aber noch immer viel zu tun, die Vorteile eines Blockchain-Systems den Kunden näher zu bringen: “Die größte Hürde ist immer noch wahres Verständnis."

Blockchain ist das Rückrat

An der Veranstaltung nahm auch KI-Expertin Rumman Chowdhury, Global Lead, Responsible AI bei Accenture Applied Intelligence, teil. In ihrer Keynote, die der Diskussion voranging, sprach sie von neuen Möglichkeiten, aber auch Herausforderungen die künstliche Intelligenz und die Blockchain bringen.  “Wenn künstliche Intelligenz das Gehirn ist, ist die Blockchain das Rückgrat”, so Chowdhury.

Das Gehirn wäre sinnlos, wenn die Informationen nicht übertragen würden.Man müsse die Blockchain nutzen, um die Entscheidungen von KI nachvollziehbar und transparent zu machen. Dies sei bei der Entwicklung von Algorithmen oft nicht passiert, was zu bedenklichen Entwicklungen geführt hätte. Chowdhury sprach dabei konkret Entwicklungen wie Meinungsmanipulation über Plattformen wie Facebook und Twitter an.

Web 3.0

Das Web befinde sich in einem Zustand konstanter Transformation. Web 1.0 sei im Zeichen von “Read Only” gestanden, Web 2.0 (“Read, Write”) sei durch Social-Media und dadurch, dass jeder plötzlich Informationen publizieren könne, geprägt gewesen. Im Zentrum von Web 3.0 stünden “Read, Write, Execute”. Künstliche Intelligenz und die Blockchain würden für das neue Web eine Symbiose bilden. "Web 3.0 sei eine völlig eigenständig agierende Welt, die parallel zu der realen Welt existiert."

Die Blockchain würde dafür völlig neue Möglichkeiten für eine Vielzahl an Industrien und Services ermöglichen. So wären etwa in der Produktion völlig transparente Lieferketten realisierbar. Man könne sofort erkennen und überprüfen, ob ein Markenprodukt echt sei, oder ob der Produktion faire Bedingungen für Arbeiter geherrscht hätten. Ein anderes Feld, bei dem die Blockchain im Web 3.0 eingesetzt werden könne, sei das Gesundheits- und Sozialsystem.

Vertrauen

Bei der Umsetzung von KI-Systemen sei vor allem wichtig, das Vertrauen der Menschen zu gewinnen. “Wir werden diese Systeme nicht annehmen, wenn wir nicht Vertrauen erzeugen”, so Chowdhury. Erreichen könne man das, wenn man einige Kernpunkte beachte. Man müsse dafür sorgen, dass Entwicklungen transparent stattfinden und dass es die Möglichkeit gebe, sie immer neu zu überprüfen und zu überdenken.

Chowdhury nannte als Beispiel ein Projekt von Amazon, bei dem Jobbewerber von einer künstlichen Intelligenz bewertet wurden. Dabei stellte sich heraus, dass Frauen von dem Algorithmus systematisch benachteiligt wurden. Der Grund: Die KI wurde mit von Menschen verfassten Beurteilungen aus zehn Jahren trainiert und übernahm die sexistischen Verhaltensmuster einfach. Amazon erkannte das Problem und stellte das Projekt ein. “Es war für sie okay, es bleiben zu lassen”, so Chowdhury: "Genau dieser Mut, auch große Projekte, in die bereits viele Stunden an Arbeitskraft geflossen sind, einzustellen, ist wichtig."

Man dürfe ebenfalls nicht den Fehler machen und gesetzliche Rahmenbedingungen wie die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) automatisch ablehnen, weil sie zusätzlichen Aufwand bedeuten. Auch Chowdhury meint, dass die DSGVO ein Schritt in die richtige Richtung gewesen sei. Wie bei allen neuen Technologien biete auch künstliche Intelligenz Missbrauchspozenial: “Es gibt nicht nur die Guten."

 

 

Die futurezone ist Medienpartner des  Horizonte Blockchain Summit.