B2B
11.10.2016

Open Innovation: Frische Ideen für ÖBB & Co

Ob ÖBB, Casinos Austria oder der Greiner Konzern. Firmen setzen bei der Entwicklung ihrer Produkte und Services zunehmend auf die Zusammenarbeit mit Kunden und Partnern.

Seit dem Frühjahr können sich Kunden der ÖBB in die Entwicklung von Dienstleistungen und Services einbringen. Dazu haben die Österreichischen Bundesbahnen eine Online-Plattform gestartet, auf der Ideen gesucht und Kunden zum Mitmachen eingeladen werden. Wie man im Zug schnell einen freien Sitzplatz findet, ist bei den auf der Plattform veranstalteten Innovation-Challenges ebenso Thema wie das Wohlfühlen am Bahnhof, für das mehr als 300 Ideen eingereicht wurden. Vorgeschlagen wurden etwa Lademöglichkeiten für elektronische Geräte, eine Kletterwand oder Bücher- und Zeitschriften-Tauschbörsen in der Bahnhofshalle.

Welche Ideen umgesetzt werden, werde durch interne und externe Experten geprüft, sagt Kirstin Hanusch-Linser, die das Open Innovation Lab & Service Design Center bei den ÖBB leitet. Aber auch intern suchen die ÖBB nach neuen Ideen. "Out-of-the-box-Denken und der Perspektivenwechsel werden besonders gefördert", erzählt Hanusch-Linser: Insgesamt seien bereits mehr als 1600 kundenorientierte Innovationsideen aus der internen Innovations-Pipeline diskutiert worden.

"Co-Creating Value"

Offene Innovation und die Zusammenarbeit über die Unternehmensgrenzen hinweg, sind Thema des 6. Austrian Innovation Forum, das unter dem Motto "Co-Creating Value" am kommenden Donnerstag im Wiener Tech Gate stattfindet. Dort werden neben den ÖBB auch zahlreiche andere Unternehmen, darunter Airbus, Deutsche Bahn, Uber, T-Mobile und Veloce ihre Erfahrungen und Strategien mit offenen Innovationsprozessen und unternehmensübergreifender Zusammenarbeit zur Diskussion stellen.

"Firmen müssen sich klar sein, wo sie selber stehen und wo sie mit Hilfe von anderen hinmöchten", sagt Hannes Möseneder, Geschäftsführer der Greiner Technology & Innovation, die den Greiner Konzern beim Innovationsmanagement unterstützt. Sich planlos auf solche Prozesse einzulassen, führe meistens zu Frust. In der Greiner Gruppe würden in vielen Bereichen gemeinsam mit den Kunden Produkte verbessert. "In offener Kommunikation und Zusammenarbeit", wie Möseneder betont.

"Sehen, was draußen passiert"

Es reiche heute nicht mehr, das eigene Umfeld im Griff zu haben, meint der Innovationsexperte. "Wenn man sich Entwicklungen, die außerhalb des Unternehmens vor sich gehen, nicht offen stellt, kann es passieren, dass man überbleibt." Als Beispiel nennt der den Filmhersteller Kodak, der die digitale Fotografie verschlafen hat und "innerhalb kürzester Zeit weg war". "Durch Co-Creation hat man noch am einfachsten die Möglichkeit zu sehen, was draußen passiert und worauf man sich einstellen muss", sagt Möseneder.

Kundenperspektive

Auch bei den Casinos Austria kommt Co-Creation im Rahmen von Workshops mit Mitarbeitern, Kunden und Partnern für die Entwicklung von Produkten und Services zum Einsatz. "Damit versuchen wir noch stärker die Kundenperspektive einzunehmen", sagt Erich Schuster, der bei dem Glücksspielunternehmen den IT-Bereich leitet. Die bisherigen Erfahrungen seien sehr positiv, erzählt Schuster. Co-Creation sei neben der Entwicklung neuer Ideen auch ein toller Ansatz, um Erkenntnisse über die Kunden und deren Bedürfnisse zu sammeln. "Es trägt auch zur Kundenbindung und zur Mitarbeiter-Motivation bei, da sich Kollegen unmittelbar bei der Entwicklung von Ideen einbringen können."

Auf Basis der bei den Workshops gewonnen Erkenntnisse arbeiten die Casinos Austria etwa an einer Produktinnovation bei Sportwetten. Auch in Marketingaktionen und bei der Gestaltung von WinWin-Outlets fließen Ergebnisse aus Co-Creation-Prozessen mit ein.

Worauf aber ist bei Co-Creation-Prozessen zu achten? Wichtig sei, dass eine klare Fragestellung vorhanden ist, sagt Casinos-Austria-Bereichsleiter Schuster. Es empfehle sich auch eine Atmosphäre zu erzeugen, die einlädt Neues zu denken: "Das alles gelingt noch besser, wenn man einen möglichst inspirierenden Raum zur Verfügung hat", sagt Schuster. Vor allem aber gelte: "Nicht reden, sondern tun."

Disclaimer: Dieser Artikel ist im Rahmen einer Kooperation zwischen futurezone und dem Austrian Innovation Forum entstanden.