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Crowdinvesting "Start-ups sind gut vernetzt, für KMU gibt es nichts".

Martin Watzka, Gründer dasErtragReich
Martin Watzka, Gründer dasErtragReich - Foto: /KRIS.TINE.VEIT PHOTOGRAPHY
Beim derzeitigen Hype um Start-ups bleiben traditionelle kleinere und mittlere Unternehmen oft auf der Strecke. Die Crowdinvesting-Plattform "dasErtragReich" will das ändern.

Wer heute Geld ansparen will, muss aufgrund der nicht vorhandenen Sparzinsen auf andere Anlegeformen ausweichen. Dass das kein einfaches Unterfangen ist, kann jeder bestätigen, der keinen guten Bank- oder Vermögensberater hat. Umgekehrt tun sich gerade kleinere und mittlere Firmen (KMU) oft schwer, einen Kredit zu bekommen. Dieses Dilemma will die Crowdinvesting-Plattform dasErtragReich lösen.

Mehr Substanz als Start-ups

"Derzeit reden alle über Start-ups, die Szene ist sehr gut über Events wie das Pioneers Festival vernetzt und auch die Politik hat sich dem Thema endlich angenommen. Für bestehende KMU hingegen gibt es nichts, obwohl diese geschäftlich in der Regel mehr Substanz haben bzw. bereits ein erfolgreiches Geschäftsmodell vorweisen können", erklärt dasErtragReich-Gründer Martin Watzka im futurezone-Interview.

„Es gibt so viel brach liegendes Kapital, das in Sparbüchern, Wertpapierdepots oder Versicherungen steckt und keine Gewinne abwirft. Wir wollen dieses Kapital durch ertragreiche Veranlagungen in bestehende, heimische Betriebe wieder lebendig machen", sagt Watzka. Die Unternehmen wiederum würden vom Zugang zu neuen Investoren und deren Netzwerken sowie frischem Kapital profitieren.

17 Projekte finanziert

Über 1,3 Millionen Euro konnte die 2014 gestartete Plattform von über 650 Kleininvestoren bisher auf die Beine stellen und so 17 Projekte aus dem KMU-Bereich finanzieren. Die durchschnittliche jährliche Verzinsung, mit der Anleger rechnen dürfen, liegt laut der Plattform bei 6,75 Prozent. Im schlimmsten Fall kann es auch zu einem Totalausfall kommen. Laut Watzka sei so etwas aber noch nie vorgekommen.

Damit das auch in Zukunft nicht passiert, werden die ausgesuchten Unternehmen und Projekte vorab genau geprüft und die Geschäftsentwicklung halbjährlich kontrolliert. Viele KMU würden solide wirtschaften, könnten aber durch ihre Verhaftung im Geschäftsalltag und die fehlenden finanziellen Ressourcen ihr Potenzial bei weitem nicht ausschöpfen, ist Watzka überzeugt.

Geldmittel und PR

Über Crowdinvesting würden Firmen nicht nur die nötigen Geldmittel bekommen, sondern auch von gesteigerter Öffentlichkeitswirksamkeit und Kundenbindung profitieren. So können Firmen ihren Kreditgebern neben der Verzinsung auch Gutscheine für Waren als Zusatzanreiz anbieten. Investitionen sind ab 250 Euro einfach online möglich, ab 5000 Euro muss die Investition über einen Vermögensberater abgewickelt werden.

Das angesprochene Risiko bewertet Watzka als überschaubar, gerade wenn man kleine Beträge investiere. "Angesichts von Sparzinsen von 0,25 Prozent kann man bei einer verfügbaren Geldsumme von 10.000 Euro einfach 500 abzweigen und verdient mit dieser so viel wie mit dem Rest am Sparbuch", sagt Watzka. Darüber hinaus könne man das Risiko streuen, wenn man in mehrere Projekte investiere.

Verpackungsfirma als Erfolgsmodell

Das aktuellste Projekt, das gerade erfolgreich finanziert wurde, ist das Verpackungsunternehmen Elpack aus dem Burgenland. Es hat sich auf Glasverpackungen von Medikamenten spezialisiert und sortiert Ausschussware von Großhändlern so aus, dass die branchenübliche Fehlerquote von ca. 30 Prozent auf einen Promillewert reduziert werden kann. 296.250 Euro kamen über die Plattform zusammen.

Die Qualitätssicherung per Hand, die eigentlich ganz gegen die maschinenbasierte Industrie 4.0 läuft, ist europaweit so einzigartig, dass das Unternehmen nun weitere 1,2 Millionen Euro in den Standort investiert. Damit soll die enorme Nachfrage bedient werden. Die Finanzierung des Ausbaus soll zu gleichen Teilen durch Banken, Förderungen und eben Crowdinvesting geschehen. Zehn neue Arbeitsplätze werden geschaffen.

(futurezone) Erstellt am 17.05.2017, 06:00

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