Uni Wien: Informatik-Grundlagen für Gamer

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Uni Wien: Informatik-Grundlagen für Gamer
01/17/2012

Uni Wien: Informatik-Grundlagen für Gamer

An der Universität Wien gibt es seit zwei Jahren im Studienfach Medieninformatik einen Schwerpunkt für für Gaming-Interessierte. Diese lernen dort neben den Grundlagen der Informatik auch das technische Hintergrundwissen, das man als Spiele-Programmierer braucht. Was die Ausbildung den Absolventen bringt, erklärt der leitende Professor des Studiengangs, Helmut Hlavacs, der futurezone.

von Barbara Wimmer

Studierende der Uni Wien können sich seit dem Wintersemester 2009/2010 zum Masterstudium Medieninformatik an der Fakultät für Informatik das Anwendungsfach "Game Design" aussuchen. Das heißt, alle Absolventen des Bachelor-Studiums der Informatik können im Masterstudiengang einen Schwerpunkt auf das Entwickeln von Spielen legen.

"Im Bachelor-Studiengang lernt man die Grundlagen kennen, etwa wie Netzwerk-Technologien oder Datenbanken funktionieren. Beim Master-Studium können sich dagegen rund 40 Prozent der Inhalte auf die Entwicklung von Computer-Spielen konzentrieren", erzählt der Professor Helmut Hlavacs, der die "Research Group Entertainment Computing" leitet und auch die meisten Vorlesungen des Anwendungsfaches durchführt.

Bisher Studium nicht überlaufenHlavacs wird am Donnerstag im quartier21 (Raum D) im Rahmen der Veranstaltungsreihe SUBOTRON pro games seinen Lehrgang und die Ausbildungsstätte "Uni Wien" näher vorstellen. "Bisher hält sich der Ansturm auf den Studienzweig in Grenzen. Das hat allerdings einen Vorteil: Ich kenne die Namen meiner Studierenden und die wenigen Teilnehmer leisten Großartiges", meint Hlavacs.

http://subotron.com/1432-do-171111-subotron-pro-games-ausbildungsstaetten-stellen-sich-vor-universitaet-wien-research-group-entertainment-computing/

Die Studierenden bekommen insgesamt drei Semester lang einen vertiefenden Einblick in die Welt des Gamings. "Dabei sind die ersten zwei Module sehr technisch fokussiert und erst das dritte Modul beschäftigt sich mit der Gestaltung von Spielen", erklärt der Professor. Im Modul “Render Engines” werden Grundlagen der Echtzeitgrafik gelehrt, insbesondere mathematische Grundlagen und Direct3D. Im Modul “Gaming Technologies” werden Grundlagen für Spielephysik und Artificial Intelligence (AI) behandelt.

"Einfache Lösungen führen zum Ziel""Bei den meisten Spielen braucht man Gegner als sogenannte Non-Playing-Characters. Diese sollen eine Herausforderung für den Spieler darstellen", erklärt Hlavacs. Die Studierenden müssen daher auch verstehen, wie künstliche Intelligenz im Spiel funktioniert. "Diese unterscheidet sich von der normalen Artificial Intelligence, denn es führen oft verblüffend einfache Lösungen zum Ziel."

Das dritte Modul namens "Game Design" widmet sich der Entwicklung von Spiele-Konzepten, die interessant, spannend, herausfordernd und animierend sind. "Dort lernen die Studierenden vom Experten Lev Ledit, wie man eine Geschichte erzählt und einen Spannungsbogen aufbaut", so Hlavacs. In einem anschließenden Praktikum kann dann das Wissen in die Praxis umgesetzt werden. "Da können die Studierenden entweder ein Spiel programmieren, oder aber eine Technologie, die für Spiele spannend ist", erklärt der Leiter der Forschungsgruppe. In Tutorien werden außerdem die Grundlagen von Blender 3D sowie von der Spiele-Enginge Unity 3D erarbeitet.

Das Verstehen ist wichtigDas Studium selbst sei keine "spezialisierte Spiele-Ausbildung", meint Hlavacs. Es gehe dabei vor allem darum, Grundlagen der Informatik zu erlernen und diese zu verstehen. Erst in zweiter Linie gehe es darum, diese im Gaming-Bereich anzuwenden.

"Man lernt nicht, wie ein Programm bedient wird - und wenn man den richtigen Knopf nicht findet, steht man an. Sondern man lernt, wie ein technischer Vorgang funktioniert und wie man ein entsprechendes Programm dazu selbst schreiben kann", beschreibt Hlavacs, der mit seinen Studierenden beispielsweise technologische Konzepte für Cloud Gaming (siehe Video) erarbeitet. "Das Gebiet wird immer stärker in den Vordergrund rücken. Man wird nicht mehr auf einer Konsole spielen, sondern in der Cloud. Dazu muss man wissen, wie das dahinterliegende Netzwerk aufgebaut ist oder was für Protokolle dahinter stecken."

Neben dem starken, technologischen Fokus, der beispielsweise auch auf der TU Wien vorherrscht, wird an der Uni Wien auch viel interdisziplinär geforscht. "Im Groben ist die Ausbildung mit der an der TU Wien vergleichbar, aber die Uni Wien ist groß und breit und wir kooperieren mit vielen Forschungsgruppen und anderen Instituten, um gemeinsam spannende Anwendungen zu entwickeln", so Hlavacs.

Gute Chancen am MarktSo gibt es etwa Kooperationen mit den Instituten für Pflegewissenschaften, Publizistik, Pädagogik sowie externen Einrichtungen wie dem St. Anna Kinderspital. Studierende werden zudem früh in die eigentliche Forschungsarbeit eingebunden und können sich mit Publikationen und "Showcases" bereits während des Studiums "einen Namen machen".

Die Zukunftsaussichten für die Studierenden des Studienzweigs Medieninformatik mit Schwerpunkt "Game Design" sieht Hlavacs positiv. "Alle, die sich ernsthaft mit dem Thema beschäftigen, haben eine gute Chance auf dem Markt. Sie können ihr Informatikwissen anwenden, um neue Dinge für die Spieleindustrie zu erarbeiten."

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Hlavacs leitet an der Universität Wien an der Fakultät für Informatik die "Research Group Entertainment Computing". Er ist auch für für das Anwendungsfach "Game Design" zuständig.

Hlavacs wird am Donnerstag im quartier21 (Raum D) im Rahmen der Veranstaltungsreihe SUBOTRON pro games seinen Lehrgang näher vorstellen.