Digital Life
08.05.2012

3D Druck im Internet: Günstig, aber mit Tücken

Der Preis für 3D-Drucker liegt bereits weit unter 1000 Euro und fällt weiter. Für viele 3D-Enthusiasten ist das dennoch zu teuer. 3D-Druck-Dienste wie Shapeways, Sculpteo und i.materialise wollen günstige Alternativen bieten. Doch die Dienste plagen derzeit wegen der unklaren Rechtssituation Sorgen.

Zahlreiche Initiativen wie das RepRap-Projekt und Makerbot versuchen bereits seit einigen Jahren 3D-Druck auch für den Heimgebrauch erschwinglich zu machen. Doch selbst die günstigsten Modelle kosten immer noch knapp unter tausend Euro und sind alles andere als Einsteigertauglich. Hier wollen nun Onlinedienste wie Shapeways und i.materialise durch das auftragsbasierte Drucken von 3D-Objekten Abhilfe schaffen.

Vorteil Nummer 1: Die Materialauswahl
Nahezu alle 3D-Drucker für den Privatnutzer basieren auf additiven Verfahren, das heißt, sie tragen, meist durch das Erwärmen des Ausgangsmaterials, Schicht um Schicht des Modells auf und konstruieren so das Endprodukt. Dieses Verfahren nennt man auch Fused Deposition Modelling (FDM). Das dauert bei großen Objekten relativ lange und ist, im Vergleich zu industriellen Geräten, relativ ungenau. 3D-Druck-Dienste wie Shapeways und i.materialise ermöglichen den Zugang zu professionellen 3D-Druckern, die sonst aus Kostengründen nur in der Industrie für die Fertigung von Prototypen Anwendung finden. Hoch entwickelte Laser-Sinter ermöglichen sogar die Herstellung von Objekten, die aus vielen kleinen, verschieden farbigen Teilen bestehen, in einem einzigen Fertigungsschritt.

Neben klassischen Materialien wie den Kunststoffen ABS gibt es auch Alumide, eine Kombination aus Aluminium und Polyamiden, Stahl, Glas und Keramik zur Auswahl. Für kostspielige Bauteile können sogar auf Anfrage Bronze, Silber oder Gold verwendet werden. Herkömmliche 3D-Drucker sind meist auf verschiedene Kunststoffe beschränkt, lediglich für den Cupcake von Makerbot existieren verschiedene Aufsätze, die die Verwendung von ungewöhnlichen Materialien wie Nutella oder Erdnussbutter ermöglichen.

Vorteil Nummer 2: Der Preis
Wenn man den Preis für das Material vergleicht, hat

zumindest bei günstigen Kunststoffen die Nase vorn. Für 48 US-Dollar bekommt man bei Makerbot einen Kilogramm ABS. Die vergleichsweise günstigsten Tarife von Shapeways,Sculpteo und i.materials liegen - obwohl diese kein ABS anbieten - bei knapp einem Euro pro Gramm. Somit zahlt man im Schnitt zwar knapp 20-mal so viel, erhält aber mit PA 2200 einen deutlich widerstandsfähigeren Werkstoff, der dank Laser-Sinter-Verfahren auch feinere Details erlaubt.

Umbruch durch Social Manufacturing
Wenn es nach der britischen Wochenzeitschrift "The Economist" geht, werden 3D-Drucker eine "dritte industrielle Revolution" einleiten. Über sogenannte Social Manufacturing-Dienste kann jeder die Arbeitsleistung seines 3D-Druckers anbieten und somit zum eigenen Unternehmer werden.

zeigen bereits jetzt, dass viele Konsumenten handgemachte Produkte schätzen und dafür auch etwas mehr bezahlen würden. Das Startup100kGarageshat es sich zum Ziel gesetzt, Besitzer von 3D-Druckern (sogenannte Fabber) eine Plattform zu bieten, über die jeder seine Arbeitsleistung zur Verfügung stellen kann. Solche "Garagenfirmen" könnten, wie der Economist bemerkt, "einige Jobs aus Schwellenländer zurückholen" und das Ende der Massenfertigung einleiten.

Gute Ausgangsbasis mit Open Design
Das Konzept von Open Source hat sich in den letzten Jahren als ungemein erfolgreich erwiesen. Das beste Beispiel ist das offene Betriebssystem Linux, an dem sich bislang mehrere tausend Entwickler beteiligten. Das findet nun auch bei physischen Produkten Anwendungen. Open Design soll die Weiterentwicklung von Designs fördern und auch die kostenfreie Nutzung für eigene Projekte ermöglichen. Auf Plattformen wie Thingiverse oder Googles 3D Warehouse versammeln sich Hobby-Bastler, 3D-Künstler und Ingenieure, aber auch Interessierte ohne jegliche Vorerfahrung, die ihre Kreationen mit der Öffentlichkeit teilen. Dabei finden sich neben nützlichen Dingen wie einer Saftpresse und Ersatzteilen auch kuriose Objekte, die keinen wirklichen Nutzen haben.

Zum Erfolg dieser Communities hat auch die Verbreitung von einfacher 3D- und CAD-Software, wie Blender oder Autodesk Inventor, beigetragen. Beide werden auch im Profibereich verwendet und sind, solange sie für private Zwecke eingesetzt werden, kostenlos. Einsteiger können mit Tinkercad den Einstieg in die 3D-Modellierung erlernen. Der Funktionsumfang ist allerdings auf das Nötigste beschränkt, sodass damit lediglich einfache Modelle erzeugt werden können. Per Knopfdruck lassen sich diese gleich direkt bei Shapeways in Auftrag geben.

Selbst die größte Torrentsuchmaschine "The Pirate Bay" hat mittlerweile eine Kategorie für druckbare 3D-Modelle eingerichtet. Unter dem Namen "Physibles" finden sich 3D-Modelle von Kameralinsen, Piratenschiffen und der Anonymous-Maske. Doch das Angebot ist noch relativ spärlich und beschränkt sich auf oftmals absurde Modelle, die nicht produzierbar sind, so zum Beispiel eine "Atombombe". Doch auch echte Waffen - oder zumindest Teile davon - finden sich bereits als "druckbare" 3D-Modelle im Netz.

Urheberrechtliche Probleme
Die Verwendung der gedruckten 3D-Objekte bereitet nun aber in letzter Zeit zunehmend 

. Immer wiedergibt es Abmahnungengegenüber den Erstellern von markenrechtlich geschützten Objekten. So verbot das Filmstudio Paramount einem Blogger die Verbreitung eines 3D-Modellsdes bekannten Würfels aus dem Spielberg-Film Super 8. Auch gegenüber den Erstellern von 3D-Modellen der Figuren aus dem Tabletop-Spiel Warhammer gab es immer wieder Abmahnungen. Doch die betroffenen Objekte waren alle markenrechtlich geschützt. Viele andere Objekte aus dem Alltag unterliegen diesem Schutz nicht und dürften nach derzeitiger Rechtslage - zumindest zu privaten Zwecken - hergestellt werden.

Selbst Lego-Steine dürfen theoretisch zu Hause in Massen produziert werden. Das liegt aber vor allem am 1988 abgelaufenen Patent, das trotz vielfacher Bemühungen des dänischen Unternehmens nicht erneuert werden konnte. Das Beispiel von Lego zeigt allerdings, wie schwierig es derzeit ist, 3D-Modelle markenrechtlich schützen zu lassen. Der deutsche Bundesgerichtshof wies 2009 einen Antrag von Lego gegen die Löschung der Marke ab und begründete dies damit, da ihre dreidimensionale Gestaltung „ausschließlich aus der Form der Ware" bestehe, die „zur Erreichung einer technischen Wirkung erforderlich ist".

Dennoch sieht die Interessensgruppe Public Knowledge derzeit keinen Handlungsbedarf im rechtlichen Bereich, da man damit das Wachstum bremsen und möglicherweise sogar eine Massentauglichkeit der Bewegung verhindern könnte. So meinte Michael Weinberg, Autor der von Public Knowledge in Auftrag gegebenen Studie "It will be awesome if they don`t screw it up", die sich mit Rechstfragen im 3D-Druck beschäftigt: "Man sollte 3D-Druck nicht ignorieren, aber es ist womöglich etwas zu früh, um bereits einen eigenen Gesetzesrahmen dafür zu schaffen. Das wäre in etwa so, als würde man versuchen, das Internet im Jahr 1992 zu regulieren."

Auch die Betreiber von Pirate Bay glauben in der mit Scherzen gespickten Ankündigung der neuen Kategorie an einen Paradigmenwechsel. "Wir wollten uns sogar in The Product Bay umbenennen - doch wir hatten keinen Grafiker in der Nähe, der uns ein Logo designen konnte. In der Zukunft werden wir uns mit Sicherheit einen ausdrucken können."

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