Ein ausgemusterter A380 von Singapore Airlines
Das zweite Leben der Giganten: Was passiert mit alten A380?
Der Airbus A380 ist ein Flugzeug der Superlative. Daran besteht kein Zweifel. Ob der Superjumbo auch als Erfolg gilt, ist jedoch umstritten. Dass er nach einem Produktionszeitraum von gerade einmal 16 Jahren bereits eingestellt wurde, ist eher ein Hinweis darauf, dass es sich eher um eine Schlappe für Airbus handelt.
Insgesamt wurden 251 Exemplare produziert. Davon ist ein beachtlicher Teil nicht mehr im Dienst. Je nach Zählungen und Schätzungen wurden bereits 22 bis 29 Stück des A380 vollständig stillgelegt. Ungefähr 36 weitere sollen sich auf dem Abstellgleis befinden, sie können aber wieder reaktiviert werden.
Aber was passiert mit den stillgelegten und ausgemusterten A380 nachdem sie nur ein paar Jahre geflogen sind?
➤ Mehr lesen: Größtes Passagierflugzeug seit dem A380 hat einzigartiges Feature
A380-Frachter? Unmöglich
Naheliegend wäre, das Flugzeug zu adaptieren und es für den Frachtluftfahrt zu verwenden. So wie es mit einigen anderen Maschinen gemacht wird. Allerdings eignet sich der A380 absolut nicht als Frachtmaschine.
Zum einen ist das Cockpit im Weg. Es befindet sich nämlich zwischen den beiden Stockwerken und verhindert, dass eine große Frachtluke in der Nase des Flugzeugs eingebaut werden kann. Auf der anderen Seite ist die Kabinenstruktur des A380 nicht für schwere Lasten ausgelegt und müsste verstärkt werden.
➤ Mehr lesen: Warum der Airbus A380 keine Frontscheibe für Passagiere hat
Gleichzeitig stehen das maximale Startgewicht und das potenziell verfügbare Volumen in einem ungünstigen Verhältnis zueinander. Das bedeutet, dass der A380 sein Maximalgewicht bei den allermeisten Frachten erreicht bevor er vollständig gefüllt ist.
All das bringt die Wirtschaftlichkeit eines theoretischen A380-Frachters unter Druck, sodass er mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hätte wie die Passagiervarianten.
➤ Mehr lesen: Diese A380-Varianten hat Airbus nie gebaut
Ab auf den Friedhof
Die allermeisten stillgelegten Superjumbos befinden sich auf den Flugzeugfriedhöfen von Tarmac Aerosave in Teruel in Spanien sowie in Tarbes-Lourdes in Frankreich. Dort werden sie entweder zwischengelagert oder demontiert. Unternehmen wie Tarmac Aerosave geben an, dass bis zu 92 Prozent des Gewichts eines A380 recycelt werden können, darunter kostbares Aluminium.
Die Triebwerke sind die wertvollsten Komponenten und werden oft separat verkauft. Dasselbe gilt für die zentralen Avionik-Bauteile, Fluginstrumente und das Fahrwerk. Diese Komponenten werden auch komplett in ihre Einzelteile zerlegt und dienen als Ersatzteile für die verbleibende Flotte.
➤ Mehr lesen: Warum der Airbus A380 eigentlich 4 Triebwerke hat
Fragwürdiges Ende als Schlüsselanhänger
Manche Komponenten, die nicht als Ersatzteile dienen können, werden auch als Sammlerstücke verkauft oder versteigert. So findet so mancher Superjumbo ein etwas trauriges Ende als Schlüsselanhänger oder als Dekoration auf einem staubigen Regal. Emirates hat 2021 eine solche Wiederverwertung von Flugzeugteilen offiziell bekanntgegeben.
Das Angebot an Artikeln war damals vielfältig: ein Couchtisch hergestellt aus einem A380-Hauptrad, eine Uhr aus einem Wing-Fuel-Panel oder das vergoldete Emirates-Logo der First Class-Kabine. Auch größere Artikel waren verfügbar, wie die A380-Lounge-Bar oder das 24 Meter hohe Flugzeugheck mit der Flagge der Vereinigten Arabischen Emirate.
➤ Mehr lesen: MD-12: Der Airbus A380 Konkurrent, der nie geflogen ist
Warum der A380 gescheitert ist
Gescheitert ist der A380 letztlich an einem grundlegenden Wandel in der Luftfahrt. Airbus hatte das Flugzeug für eine Zukunft geplant, in der der Luftverkehr von großen Drehkreuzen (Mega-Hubs) dominiert wird. Zu den jeweiligen Zieldestinationen sollten die Fluggäste mit kleineren Maschinen gelangen.
Die Airlines setzten aber zunehmend auf direkte Punkt-zu-Punkt-Verbindungen mit kleineren, aber sehr effizienten Langstreckenjets wie der Boeing 787 oder dem Airbus A350. Diese Flugzeuge benötigen weniger Passagiere, um kostendeckend unterwegs sein zu können und lassen sich flexibler einsetzen.
Der entscheidende Nachteil beim riesigen A380 ist, dass permanent eine hohe Auslastung vorhanden sein muss, damit sich das kapazitätsstarke Flugzeug gewinnbringend betreiben lässt. Für Airlines bedeutet jede A380-Rotation ein relativ großes wirtschaftliches Risiko: Ist das Flugzeug nicht gut ausgelastet, entsteht schnell ein Verlust.
➤ Mehr lesen: Airbus A380 startet nahezu senkrecht in den Himmel
Kommentare