Warum der riesige A380 nicht als Frachtmaschine taugt
Es ist wohl nicht vermessen, den Airbus A380 als eine technische Meisterleistung zu bezeichnen. Seine Größe erlaubt es, ein maximales Startgewicht (Maximum Take-off Weight, MTOW) von bis zu 575 Tonnen in die Luft zu bewegen.
Übertroffen wurde dieses Gewicht nur von der legendären Antonow An-225 Mrija, die beim russischen Angriff auf die Ukraine zerstört wurde, mit 640 Tonnen sowie von der Raketen-Startplattform Stratolaunch Roc mit 590 Tonnen.
Somit ist der A380 das schwerste in Serie gebaute Flugzeug. Dennoch tut sich das Modell am Passagiermarkt schwer und gilt darum heute als gescheitert. Grund dafür war der Wandel am Markt. Anstatt große Zahlen an Passagieren von einem Drehkreuz zum anderen zu bringen und sie dort mit kleineren Maschinen an ihr finales Ziel weiterzutransportieren, haben sich Direktverbindungen mit kleineren, aber reichweitenstarken Flugzeugen durchgesetzt.
➤ Mehr lesen: 10 kuriose Dinge über den Airbus A380, die ihr noch nicht wusstet
A380 ausgemustert
Zahlreiche Airlines musterten ihre A380 bereits aus. Wie viele A380 insgesamt weltweit noch fliegen, ist nicht ganz klar. Vor knapp einem Jahr sprach Airbus von 180 Stück, die noch im Dienst seien. Vermutlich ist die Zahl mittlerweile geringer.
Jetzt könnte man meinen, dass das hohe MTOW des A380 die Maschine optimal für den Betrieb als Frachter macht. Ein simples Umrüsten bestehender Maschinen steht jedoch vor zahlreichen Hindernissen.
Warum alte A380 schlechte Frachter wären
Weil die Flugzeuge für den Passagierbetrieb ausgelegt sind, befinden sich in den oberen Bereichen des Flugzeugs (Hauptdeck und Oberdeck) keine Frachtluken, sondern nur Passagiertüren. Diese nachzurüsten wäre ein massiver struktureller Umbau, der einiges an Ingenieursarbeit und Kosten bedeuten würde.
➤ Mehr lesen: Dieses Flugzeug soll den Airbus A380 ersetzen
Und selbst wenn man auf allen 3 Stockwerken des A380 Frachtluken hätte, wäre wohl kaum ein Flughafen der Welt mit den nötigen Gerätschaften (etwa Hebebühnen) ausgestattet, um die Maschine zu beladen. All das müsste erst konzipiert und angeschafft werden.
Auch wären die Frachtluken für sperrige Fracht oft wohl zu klein. Spezialisierte Frachtmaschinen, wie etwa die An-225 haben darum spezielle Öffnungen, um sie frontal zu beladen.
Auch die Frachtvariante der Boeing 747 hat eine aufklappbare Nase, um sie so zu beladen.
Eine solche bei Passagier-A380 nachzurüsten wäre nahezu unmöglich, weil das Cockpit im Weg ist. Es befindet sich nämlich zwischen den beiden Stockwerken und verhindert, dass eine große Frachtluke in der Nase des Flugzeugs eingebaut werden kann.
Aber auch abgesehen davon ist eine ursprünglich für Airlines konzipierte A380 an allen Ecken und Enden darauf ausgelegt, Passagiere zu fliegen. Das heißt, dass zum Beispiel das Oberdeck ursprünglich nicht dafür gemacht wurde, schwere punktuelle Belastungen auszuhalten, wie sie für Frachtcontainer notwendig wären.
➤ Mehr lesen: Das zweite Leben der Giganten: Was passiert mit alten A380?
Nie realisierte Frachtversion
Dass der A380 auch potenziell als Frachter eingesetzt werden könnte, dachte man sich früher auch bei Airbus. Darum war neben der Passagiervariante auch eine reine Frachtversion namens A380F fest eingeplant. Sie sollte eine Nutzlast von 150 Tonnen über eine Reichweite von über 10.000 Kilometer transportieren können. Lediglich die Antonow An-225 verfügte über eine noch höhere Frachtkapazität. Das Projekt erregte laut einem Bericht bei Simple Flying sogar Interesse von Frachtunternehmen wie FedEx und UPS.
Dennoch wurde die Fracht-A380 nie realisiert. Ein Grund waren die Verzögerungen beim Passagier-A380, was dazu führte, dass Airbus sich in erster Linie auf diesen konzentrierte. Der Frachter wurde hinten angestellt.
Zudem kamen Zweifel an der Möglichkeit eines wirtschaftlichen Betriebes auf. So erforderte der Betrieb eines derart massiven 4-strahligen Flugzeugs eine nahezu vollständige Auslastung auf jeder Route, um gegenüber modernen zweistrahligen Jets wirtschaftlich bestehen zu können.
Irgendwann begrub man den A380F. Nachdem er noch bis Anfang 2013 auf der Airbus-Webseite zu finden war, verschwand er dort irgendwann still und leise.
Kommentare