ein Polizist in gelber Warnweste auf einer Kreuzung, hinter ihm verschwommene abbiegende Autos

Ein Straßenpolizist in Shanghai (Symbolbild).

© Neil Ni / Pexels
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Digital Life

Chinas Polizei nutzt jetzt Smart Glasses, um Bürger zu identifizieren

China gilt schon seit Jahren als hoch technologisierter Überwachungsstaat. Jetzt werden die Systeme jedoch mit KI-Funktionen auf den neuesten Stand gebracht und dadurch noch mächtiger, wie die Financial Times unter Berufung auf offizielle Beschaffungsdokumente meldet.

Die Tageszeitung China Daily, die von der Kommunistischen Partei selbst herausgegeben wird, schwärmt indessen über gesteigerte Effizienz durch Polizeibeamte mit Smart Glasses. Diese seien mit Gesichts- und Bilderkennungssoftware ausgestattet und könnten dadurch in Echtzeit Personen identifizieren und Fahrzeugkennzeichen scannen.

Predictive Policing

Bereits jetzt seien Smart Glasses bei der Polizei verbreitet, u. a. beim Verkehrsmanagement, bei Straßenpatrouillen und um Vermisste zu finden. Die neuen Systeme sollen vorausschauend Anomalien erkennen: „Diese Brillen machen unsere Streifen und Kontrollen wesentlich effizienter und helfen uns, Notfälle proaktiv zu erkennen und darauf zu reagieren“, erklärt ein Polizeibeamter aus der 14-Millionen-Einwohner-Stadt Tianjin im Nordosten des Landes gegenüber China Daily.

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In der Hafenstadt findet derzeit die World Intelligence Expo statt. Auf dieser Messe werden auch die von der örtlichen Polizei genutzten Smart Glasses präsentiert, die von staatlichen Stellen entwickelt und vollständig in China gefertigt wurden. 

Ergebnisse in Sekundenbruchteilen

Die Polizei-Smart-Glasses reagieren auf Spracheingabe. Beamte können damit etwa Informationen zur Identität einer Person oder Kontaktdaten der Familie aufrufen, heißt es bei China Daily. Bei der Gesichtserkennung erzielen die Brillen laut einer örtlichen Behörde eine Genauigkeit von 95 Prozent. Ergebnisse anzuzeigen, dauere nur Sekundenbruchteile.

Der Akku einer Polizeibrille hält laut China Daily bei durchgehendem Betrieb derzeit eineinhalb bis 2 Stunden durch – genug für eine gewöhnliche Streife. Sobald man die 40 Gramm leichte Brille aufsetzt, wird sie automatisch eingeschaltet, nimmt man sie ab geht sie in den Standby-Modus.

Vernetzung mit Drohnen und anderen Geräten

Die Polizei von Tianjin nutzt im Rahmen von großen Sicherheitsoperationen oder bei großen Menschenansammlungen zu Feiertagen schon jetzt Drohnen, die mit den smarten Brillen vernetzt sind. In Zukunft sollen auch Roboterhunde, Polizeifahrzeuge und humanoide Roboter in das Netzwerk aufgenommen werden, berichtet China Daily.

Fünf Polizisten stehen nebeneinander, davor ein humanoider Roboter und ein vierbeiniger Roboterhund.

Bei einem Formel-1-Rennen in Shanghai im März 2025 war die chinesische Polizei bereits mit Roboter-Unterstützung unterwegs.

Die beiden Hersteller Hikvision und Huawei haben laut Informationen der Financial Times in den vergangenen 2 Jahren verstärkt LLM-gestützte Überwachungssysteme entwickelt. Damit kann man etwa nach einer „Frau mit rotem Hut“ suchen, und bekommt automatisch entsprechendes Videomaterial angezeigt.

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Verhalten im großen Stil überwacht

Die Polizeihörde von Tianjin streicht gegenüber China Daily heraus, dass die öffentliche Sicherheit durch die neuen Überwachungsfähigkeiten erhöht werde. So wird das Beispiel eines hilflosen alten Mannes genannt, der durch die Smart Glasses sofort identifiziert und binnen 20 Minuten seiner Familie übergeben werden konnte. Wie die Financial Times berichtet, sind manche der neuen Systeme auch darauf trainiert, suizidales Verhalten zu erkennen und dementsprechend Alarm zu schlagen.

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In der Region Xinjang im Nordwesten des Landes, wo viele Angehörige der uighurischen Minderheit leben, würden Bürgerinnen und Bürger schon länger umfassend überwacht und kontrolliert, so die Financial Times. Menschenrechtsgruppen warnen, dass die Ausweitung der KI-Bilderkennung chinesischen Behörden nie dagewesene Möglichkeiten gebe, menschliches Verhalten im großen Maßstab zu überwachen

Ausländer und Journalisten im Visier

Laut Informationen der Deutschen Welle sind auch Ausländer im Visier des chinesischen Überwachungsapparats: Demnach können einzelne Menschen über Zugtickets, Gesichtserkennungs-Schranken bei Ski-Anlagen oder alltägliche Einkäufe getrackt werden. 

Dadurch sind auch vorausschauende Aktionen möglich – Behörden könnten z. B. sichergehen, dass ein ausländischer Journalist am Zielort nur das zu sehen bekommt, was im Sinne des Staates ist, indem Quellen schon vor dessen Ankunft eingeschüchtert werden. Zusätzlich sei es dem Überwachungsapparat möglich, die Verbindungen zwischen einzelnen Individuen nachzuvollziehen, also wer wen kennt und wie viel Zeit miteinander verbringt.

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