© Jakob Steinschaden

Digital Life
05/24/2013

Datendrossel könnte Internetfernsehen bremsen

Im Rahmen der Konferenz „EuroReg 2013" in Wien wurde über das Zusammenwachsen von Fernsehen und Internet gesprochen. Dabei wurde auch diskutiert, welche Rolle Internetprovider spielen werden.

Eine „Datendrossel", wie sie von der deutschen Telekom ab 2016 angedacht ist, könnte On-Demand-Fersehen in die Quere kommen. „Nonlineares Fernsehen wird einen unglaublichen Konsum an Breitbandkapazität erfordern, und die Bandbreiten sind beschränkt", so der deutsche Medienfachanwalt Christoph Wagner bei der von KommAustria und RTR veranstalten Konferenz. Und Heiko Zysk von ProSiebenSat.1 ergänzte: „Es wäre naiv zu denken, dass es so weiter geht und man für 19,99 Euro die ganze Welt ins Haus bekommt."

Regulierung schwierig
Eine auch international greifende Regulierung sei aus seiner Sicht derzeit schwierig. „Wie setze ich die dann durch?", bezog sich Zysk auf die US-amerikanischen Anbieter. Laut Wagner müsse man sich auf europäischer Ebene zu einer Plattformregulierung anstatt einer Senderregulierung bekennen. „Das schließt auch eine Providerverpflichtung mit ein", womit Internet-Anbieter dann auch für den von ihnen verbreiteten Content mitverantwortlich sein sollten. „Reguliert wird derzeit in einem ganz kleinen Karo, da tobt man sich aus. Das große weite Feld ist aber deutlich unterreguliert."

Ein Thema, dem sich die EU mit dem Ende April veröffentlichten „Grünbuch über die Vorbereitung auf die vollständige Konvergenz der audiovisuellen Welt" widmet. Letztlich sei das Thema nicht nur ein medienpolitisches, sondern auch eine wirtschaftliche Frage, betonte Manfred Matzka, Präsidialchef im Bundeskanzleramt. Das Grünbuch sei eine erste gute Antwort, „aber wir sind sicher noch nicht weit genug. Eine einheitliche Positionierung wird notwendig sein, auch wenn nationale Antworten ihren Charme haben."

Chance für Netflix
Medienanalyst Lluis Borrell verwies außerdem auf die hohe Entwicklungsgeschwindigkeit, gab aber gleichzeitig zu bedenken, dass der Gesamtanteil nicht-linearen Fernsehkonsums noch keine relevante Größe erreicht habe. „Das gilt für den Durchschnitt. Bei einzelnen Angeboten sieht es aber schon wieder anders aus." So können neue Mitbewerber - etwa das Video-on-demand-Unternehmen Netflix - durchaus wichtige Positionen am Markt einnehmen. „Außerdem gibt es die Möglichkeit für neue Businessmodelle, die es durchzudenken gilt." Für traditionelle Sendeanstalten sieht er zusätzliche Möglichkeiten zur Kooperation mit neuen Mitbewerbern.
Ein anderes Thema sei wiederum die Monetarisierung von nicht-linearen Inhalten. Letztlich müssten Borrell zufolge beide Systeme weiter verfolgt werden. „Die Konsumenten nehmen sowohl lineare wie nicht-lineare Standards an."

 

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