Mit Tina Turner sang er 1984 das Duett "Tonight".
Mit Tina Turner sang er 1984 das Duett "Tonight".
© APA/dpa/Werner Baum

Vorausschauend

David Bowie war Internet-Pionier

David Bowie erkannte schon sehr früh das Potential des Internets und nutzte es, um mit seinen Fans zu kommunizieren. „Wäre ich wieder 19, würde ich das mit der Musik spritzen und gleich zum Internet wechseln“, sagte David Bowie schon in den 1990er-Jahren in einem Interview mit dem „Guardian“. Er verstand, dass eine wahre Revolution am Weg war.

Web-Experimente

1996 veröffentlichte Bowie seinen Song „Telling Lies“ ausschließlich im Internet und generierte damals eine beachtliche Zahl von 300.000 verkauften Downloads. Er hatte auch seine eigene Website und experimentierte mit interaktiven CD-ROMs. 1997 arrangierte er seinen Auftritt in Boston als „Cybercast“-Übertragung. Damals waren Bandbreite und Verbindung aber noch so stotternd, dass die Zahl der Zuseher noch sehr überschaubar blieb. In dieser Zeit arbeitete der Künstler und Musiker mit den Web- und Interactive-Pionieren Robert Goodale und Ron Roy zusammen.

Kurz darauf entstand etwas ganz Besonders: Im Sommer 1998 startete Bowie seinen ersten Internet-Dienst. Über sein Unternehmen Ultrastar gab er jedem User Zugang zu Musik-Services wie das Rolling Stone Network, das schon damals Live-Streams von Konzerten verbreitet hatte sowie fünf MB Webspace, um eigene Websites zu basteln. Außerdem gab Foren und die Möglichkeit, mit Bowie live zu chatten. BowieNet war noch vor MySpace das erste musikzentrierte soziale Netzwerk und technologisch sehr ambitioniert. Ohne 28k- oder noch besser 56k-Modem-Verbindung konnte man viele der angebotenen Inhalte aber gar nicht aufrufen.

Musiker-Fan-Interaktion

Bowie verstand seinen Internet-Service damals aber nicht als reine Marketing-Maßnahme, um sich selbst im Netz zu promoten, sondern dachte weit darüber hinaus. Die Möglichkeit, mit Fans in Kontakt zu treten war für ihn sehr wichtig und hier bot das Internet völlig neue Möglichkeiten. 1999 sagte er zu Jeremy Paxman über das Internet: „Wir segeln gerade an die Spitze von etwas Außergewöhnlichem und Erschreckendem. Der aktuelle Kontext und das Stadium von Inhalt wird sich so von allem unterscheiden, was wir uns im Moment vorstellen können – das Wechselspiel zwischen Nutzer und Inhalte-Erzeuger werden sich extrem verändern.“

In den frühen 2000er-Jahren gingen Bowies Experimente mit dem Internet weiter. Er arbeitete mit dem französischen Spiele-Entwickler Quantic Dream an einem ambitionierten Abenteuer und entwickelte Musik für ein Spiel. Im Jänner 2000 co-launchte Bowie außerdem die Online-Bank BowieBanc, bei der sein Bild auf der dazugehörigen Kreditkarte abgedruckt war

Bowie sah schon in den späten 1990ern-Jahren voraus, was wir jetzt als alltäglich betrachten – den Link zwischen Popstar, Instagram, Twitter und Fan-Kultur, den Link zwischen Artist und Community und er lebte den Geist des Start-up-Entrepreneurships schon damals. BBC bezeichnete ihn daher post mortem nicht umsonst als „David Bowie, der Internet-Pionier“. Der Künstler war am Sonntag nach einem Krebsleiden verstorben.

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