Zur mobilen Ansicht wechseln »

4Gamechanger Erste Bank: "N26 ist einziges ernstzunehmendes Fintech".

Peter Bosek, Erste Vorstand, auf dem 4Gamechanger Festival 2017
Peter Bosek, Erste Vorstand, auf dem 4Gamechanger Festival 2017 - Foto: Martin Stepanek
"Banken wie wir sind von vorvorgestern, wir werden aber auch überübermorgen noch da sein", lautet die Kampfansage von Erste-Vorstand Peter Bosek in Richtung der Fintech-Branche.

Auf dem 4Gamechanger Festival in Wien diskutierten Vertreter der Fintech-Branche über die Zukunft der Banken. Erste-Group-Vorstand Peter Bosek hielt gleich zu Beginn mit seiner Keynote dagegen: "Wir sind als Unternehmen 200 Jahre alt, da können wir nicht so tun, als ob wir das innovativste Start-up wären. Mit 13 Milliarden Euro Marktkapitalisierung sind wir gleichzeitig aber das wertvollste Unternehmen Österreichs und verfügen über die besten Daten, die man haben kann - nämlich wohin das Geld fließt."

Eigenes Fintech gegründet

Anders als Google verkaufe man die wertvollen Daten seiner Kunden niemals weiter, sondern tue alles, um sie für User so aufzubereiten, dass diese einen Mehrwert erhalten. Die Fintech-Branche sieht Bosek nicht als Bedrohung. Mit dem 2012 gegründeten Hub, das die Banking-Plattform George entwickelte, habe man ein eigenes Fintech auf die Beine gestellt. George werde künftig auch in andere Länder der Erste-Group exportiert, Ziel seien drei Millionen George-User im europäischen Raum bis Ende 2018.

Damit brauche man sich auch in der Fintech-Welt nicht verstecken, so Bosek, der in diesem Zusammenhang N26 als "einzigen ernstzunehmenden Konkurrenten aus der Fintech-Branche" bezeichnete. N26-Gründer Max Tayenthal unterstrich in der nachfolgenden Diskussion, dass die Disruption der Finanzbranche analog zur Musik-, Film- oder Reiseindustrie unumgänglich sei. Von den etablierten Banken sei aber wenig in diese Richtung zu erwarten. "Die Disruption in den anderen Branchen ist auch nicht von den Telcos, Reisebüros und Plattenfirmen ausgegangen, sondern von Start-ups."

Wie Internet der 90er-Jahre

Bei den Banken ortet der N26-Gründer massiven Nachholbedarf. "Es gibt diesen massiven Shift von offline zu online zu mobile. Die meisten Banking-Apps schauen aber immer noch so aus wie das Internet der 90er-Jahre",  sagte Tayenthal. Dass Fintechs anders als die regulierten Banken per se mehr Risiko für Kunden bedeuten, da sie leichtfertiger mit dem Geld von Kunden umgehen würden, stellte Tayenthal heftig in Abrede. "Auch die neuen Player machen sich unabhängig von der Regulierung viele Gedanken - weil, wenn sie Geld ihrer Kunden verlieren, sind sie vom Geschäft raus, und das will logischerweise niemand."

N26 sei mit einer eigenen Bankenlizenz aber ohnehin in den hochregulierten Bereich hineingegangen, da man als reines Technologieunternehmen in der Finanzbranche bald mit Grenzen konfrontiert sei, hielt Tayenthal fest. An Selbstbewusstsein mangelt es aber auch den anderen Fintechs nicht. Wie Google, Apple, Amazon oder Spotify in der Musikbranche werden wir uns in der Finanzbranche dazwischenschieben", sagte Blue-Code-Mitgründer Christian Pirkner. Wie die Musiklabels werde es auch die Banken in Zukunft noch geben, der Markt werde aber von den neuen Playern kontrolliert.

Auch der Erfinder der Anlege-Plattform Wikifolio, Andreas Kern, ortet die Innovationskraft der Branche eher außerhalb der etablierten Banken. "Die Akzeptanz von Kundenseite ist definitiv da - zuletzt waren wir wiederholt mit vier Anlageprodukten in den Top 10 Trading-Titel vertreten und haben uns dabei direkt mit der Deutschen Bank gematcht."

Fintechs als Konkurrenz und Partner

Die Frage von Moderatorin Corinna Milborn, ob den Banken mit diesen Playern nicht das Wasser abgegraben werde, verneinte Privatkunden-Vorstand Thomas Schaufler von der Erste Bank: "Dass sich in Österreich maximal zehn Prozent der Bevölkerung für Wertpapiere interessieren, ist angesichts der niedrigen Zinsen schlecht. Angebote wie Wikifolio sind eine gute Sache, da sie den Markt in Österreich breiter machen und für viele den Einstieg erleichtern."

Viele Kunden würden mit Wikifolio beginnen und dann wieder zur Bank zurückkommen. "Auch wir haben vergleichbare Portfolios, die sich Kunden auch online aussuchen können. Durch die Regulierung ist die Transparenz anfallender Kosten flächendeckend gewährleistet. Bei Wikifolio weiß ich nie so genau, ob sich die Strategie des Traders plötzlich ändert und muss als Kunde auch nicht zwangsläufig darüber informiert werden", sagte Schaufler.

Der Vorteil der Bank werde auch künftig sein, auf allen Kanälen vertreten zu sein - mit digitalen Services, aber auch mit Experten in Filialen, die bei komplexeren Entscheidungen Kunden beraten könnten, zeigte sich der Erste-Vorstand überzeugt. Hinsichtlich der Fintechs plädiert Schaufler für eine Zusammenarbeit: "Das Kundenverhalten verändert sich dramatisch. Wir kooperieren mit Fintechs und haben unser eigenes gegründet - einfach, weil es für User erhebliche Erleichterungen bedeutet. Banken werden aber auch in Zukunft notwendig sein."

Das von der ProSiebenSat.1 PULS 4 Gruppe organisierte 4GameChanger Festival 2017 findet von 22. bis 25. April in der Marxhalle in Wien statt. Die futurezone berichtet von vor Ort.

(futurezone) Erstellt am 24.04.2017, 16:10

Kommentare ()

Einen neuen Kommentar hinzufügen

( Abmelden )

Dein Kommentar

Antworten folgen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?
    Bitte Javascript aktivieren!