Ab Herbst 2012 gibt es die Installation "zeitperlen" zu sehen

© Haus der Musik

Multimedia
06/06/2012

Haus der Musik wird zur virtuellen Opernbühne

Ab Herbst 2012 wartet das Wiener Museum mit einer interaktiven Operninstallation auf. Besucher sollen aktiv in die Handlung eingebunden werden bzw. steuern und beeinflussen das Geschehen durch Bewegungen in einem speziell dafür konzipierten Raum. Erste Details des Projekts, in das auch die Wiener Philharmoniker eingebunden sind, wurden am Mittwoch präsentiert.

von Martin Stepanek

Die als virtuelle Opernbühne entworfene „virtostage“ bietet für zehn bis fünfzehn Besucher Platz. Kernstück der multimedialen Installation, die unter dem Namen „zeitperlen“ angekündigt wurde, ist eine vom Medienkünstler Johannes Deutsch geschaffene virtuelle Welt. Als Protagonistin des von Nick Prokop komponierten Stückes dient die Sopranistin Natalia Ushakova, die für die Gesangs-Teile verantwortlich zeichnet und quasi als Ausgangspunkt für die virtuelle Reise dient.

Besucher steuern Opernablauf
In Überlagerungen von visuellen und klanglichen Eindrücken fungieren die Besucher schließlich vor einer etwa zehn Quadratmeter großen Leinwand als Protagonisten und Dirigenten zugleich und nehmen durch ihre Bewegungen Einfluss auf den Ablauf des Geschehens und der Musik. Ein Besucher dient dabei jeweils als Hauptakteur, der von der Mitte des Raumes die Oper steuert. Verlässt dieser den vordefinierten Kreis, wählt das System den nächsten Protagonisten aus, der die Handlung weiterführt.

Virtostage Haus der Musik

Virtostage, Haus der Musik

Virto Stage Konzept Haus der Musik

zeitperlen, Johannes Deutsch

Skizze zur virtostage, Haus der Musik

virtostage Kinder

„Mit dem neuen Opernprojekt wollen wir Musik einmal mehr mit allen Sinnen erlebbar machen und vor allem auch junge Menschen an das Thema Musik heranführen“, meint Museumsleiter Simon Posch. Er verwies dabei auch auf die im Vorjahr erneuerte Installation „Der virtuelle Dirigent“, die weiterhin zu den beliebtesten Installationen des Hauses zählen. Die Wiener Philharmoniker, die schon beim „virtuellen Dirigenten“ mitgewirkt haben, zeichnen auch für die Instrumentalaufnahmen des neuen Projekts verantwortlich.

Kinect fungiert als Bewegungssensor
Wie die Interaktion zwischen Besucher und dem Musikstück genau ablaufen wird bzw. welche Hand- und Körperbewegungen sich wie auf die Installation auswirken werden, daran wird hinter den Kulissen noch eifrig gebastelt. Für den jeweils fünfzehnminütigen Ablauf des Stückes stehen jedenfalls ein Vielfaches an gesungenen Stücken, instrumentalen Samples sowie reichlich visuelles Material zur Verfügung. Auch kleine Gesten und Handbewegungen, die vor der Leinwand durchgeführt werden, sollen eine unmittelbare Auswirkung auf die Stückentwicklung haben.

Von den technischen Abläufen, die im Hintergrund für das Zusammenspiel von Besucherakteuren und virtuellem Opernraum sorgen, sollen die Protagonisten und Zuschauer naturgemäß nichts mitbekommen. Überraschendes Detail am Rande: Für die Erfassung und der Besucher-Bewegungen kommt eine Kinect von Microsoft zum Einsatz, wie die futurezone auf Nachfrage erfuhr. Die Software-Adaptierung stammt vom Linzer Progammierer und Interaktionsdesigner Stefan Schilcher vom Linzer Kollektiv contraire, der auch bei einer Reihe von Ars Electronica-Projekten an der Umsetzung beteiligt war.

Zweite Installation für Kinder geplant
Neben der „zeitperlen“-Installation, die am 6. Oktober 2012 zur „Langen Nacht der Museen eröffnet wird“ plant das Haus der Musik Ende des Jahres eine zweite „virtostage“ für junge Besucher zu eröffnen. In dieser werden Kinder nach dem Konzept von Kinderbuchautor Marko Simsa ein multimediales „Zookonzert“ realisieren können.

Die Kosten für die beiden virtuellen Bühnen und die dafür entworfenen Installationen bezifferte das Haus der Musik mit rund 450.000 Euro.

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