Digital Life
05/11/2017

Kern: Entwickler können mehr verändern als Politiker

Der Bundeskanzler schwor mehr als 3800 Entwickler in der Wiener Marx-Halle auf die Digitalisierung ein. Von Weltklasse sei der Start-up-Standort Österreich noch weit entfernt.

Developers, Developers, Developers!“: Die Aufnahmen eines verschwitzten Steve Ballmer, wie er 2000 auf der Bühne eines Microsofts-Events herumhüpfte und die Entwickler lobpreiste, sind mittlerweile legendär. 17 Jahre später beginnt WeAreDevelopers, Europas größte Entwicklerkonferenz, genau gleich. Der Moderator kommt „Developers!“ schreiend und hüpfend auf die Bühne gestürmt.

Die 3800 Teilnehmer in der Wiener Marx-Halle waren begeistert, wie auch Bundeskanzler Christian Kern, der die Veranstaltung offiziell eröffnete. „Ich werde das beim nächsten Regierungstreffen probieren, vielleicht motiviert es einige Menschen.“

Auch der Rücktritt von ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner am Mittwoch wurde von Kern thematisiert: „Gestern war ein etwas merkwürdiger Tag, weswegen ich mich nicht wirklich vorbereiten konnte“, so Kern. „Aber ich bin wirklich beeindruckt von dem, was ich bisher gesehen habe. Ihr [Anm. d. Red.: die Entwickler] tragt wirklich viel zu unserem Land bei, deswegen vielen Dank dafür.“

"Es wird nicht alles beim Alten bleiben"

Kern schwor im Rahmen der rund 20-minütigen Eröffnungsrede wieder einmal auf die Herausforderungen der Digitalisierung ein. „Wir leben in einer echten Zeitenwende. Wir sind mit Wandlungen konfrontiert, die ein unheimliches Tempo und Wucht haben“, so Kern. Deswegen sei er überzeugt davon, dass Entwickler meist mehr verändern könnten als Politiker: „Das was sie tun hat oft einen größeren Einfluss als das, was im politischen Raum möglich ist.“

Er warnt aber auch davor, dass die Digitalisierung oft fälschlicherweise als Bedrohung dargestellt wird. Den Wandel könne man trotz „harter Übergangsphase“ nicht ignorieren: „Gerade in Österreich schätzen wir ja gerne, wenn alles beim Alten bleibt. Das wird nicht passieren.“ Kern hofft darauf, dass die heimische Industrie in Trendthemen investiert und so sich auch mehr Start-ups ansiedeln. „Wie schaffen wir es, das notwendige nach Talent nach Österreich zu bringen, um diese weiterzuentwickeln?“, fragt Kern in die Runde.

Bildungspolitik eine "Mammut-Aufgabe"

Große Hoffnungen setzt man in die hierzulande stark vertretene Automobilbranche, die in neue Technologien wie selbstfahrende Fahrzeuge und Elektroantriebe investiert. Hier sei MAN in Steyr, das kürzlich einen Elektro-LKW vorgestellt hat, ein mögliches Vorbild. „Wir brauchen uns die Sachen nicht schönreden: Von Weltklasse sind wir noch weit entfernt“, erklärt Kern.

Auch Bildungspolitik sei gefragt, wobei sich hier Reformen schwierig gestalten würden: „Das ist eine Mammut-Aufgabe. Sie müssen sich mal überlegen, wie es ist, den durchschnittlichen Lehrer dazu bringen, seinen Unterricht zu ändern.“ Großen Zuspruch aus dem Publikum bekommt auch die erneute Zusage, dass man „beste Rahmenbedingungen für Start-ups“ schaffen wolle.

WeAreDevelopers läuft noch bis zum 12. Mai in der Wiener Marx-Halle.