© Screenshot Jux 3

Freie Software
04/16/2012

Linux für Kinder: "Kreativität anregen"

Seit 2003 unterstützt die freie Software JUX Kinder dabei, Computer spielerisch zu erkunden und kreative Umgangsweisen mit PCs und Laptops zu erlernen. Die futurezone hat mit Andrea Mayr vom Wiener Verein ICE-Vienna, der das Projekt betreibt, über Linux für Kinder gesprochen.

von Patrick Dax

"Mit JUX sollen Kinder den Umgang mit Computern spielerisch erlernen", sagt Andrea Mayr vom Wiener Verein ICE-Vienna, der das auf freier Software basierende Projekt betreibt. Die aktuelle Version 3.0 des Linux Live-Systems umfasst rund 60 Programme, darunter ein Maus- und Tasturtraining, das Malprogramm TuxPaint oder Open Office 4 Kids. 

JUX richtet sich an Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren. Viele Programme können laut Mayr aber auch bereits von jüngeren Kindern verwendet werden. Das Linux Live-System steht auf der JUX-Website zum Download bereit und kann von einer DVD oder einem boot-fähigen USB-Stick gestartet werden. Das auf dem jeweiligen Computer installierte Betriebssystem ist davon nicht berührt, sodass Kinder ohne Rücksicht auf Verluste die Programme erforschen können.

Viele Programme von Lehreren entwickelt
"JUX soll die Kreativität der Kinder im Umgang mit dem Computer anregen", sagt Mayr. "Viele der Komponenten, die in JUX drinnen sind, wurden Pädagogen geschaffen. Ein Großteil der Software ist aus dem Eigenbedarf im Schulungs- und Lernzusammenhang entwickelt worden." Der Schwerpunkt liege auf Lern- und Spielprogrammen. So umfasse JUX etwa auch die Lern-Software-Sammlung GCompris, die von französischen Lehrern erstellt wurde. Bei den jungen Nutzern besonders beliebt seien das Malprogramm TuxPaint oder das "Kometenabschießprogramm" TuxMath, das auch die Lösung von Rechenaufgaben beinhalte.

"Freie Software größtmöglichst nachhaltig"
JUX setzt ausschließlich auf freie Software.  Das aktive Teilen der Programme mit Freunden ist ausdrücklich erwünscht. Vom Umgang mit freier Software würden Kinder ein Leben lang profitieren, meint  Mayr. Auf Basis des freien Betriebssystems Linux ließen sich viele Lösungen kostengünstig umsetzen. Durch die freie Verfügbarkeit stünden die Lösungen auch der Allgemeinheit zur Verfügung:  "Freie Software ist größtmöglich nachhaltig."

Jux 3 Desktop

Pysychache Screenshot

gcompris

Open Office 4 Kids

TuxPaint

TuxMath

Screenshot Sugar

Screenshot Sugar Network

Screenshot Physics sugar

Privat und in der Schule
Rund 1150 Mal wurde die jüngste JUX-Version 3.0 seit ihrer Veröffentlichung im vergangenen Dezember bereits heruntergeladen. Die Software werde von Eltern, die ihren Kindern privat den Umgang mit dem Computer vermitteln wollen, ebenso eingesetzt wie im Unterricht. "Es kommt immer auf die Initiative der Lehrperson an", sagt Mayr. Auch in der außerschulischen Jugendarbeit wird JUX verwendet. Technologische Vorkenntnisse seien dazu nicht notwendig.

Demnächst soll auch eine Bibliotheksversion veröffentlicht werden, die etwa in der Wiener Hauptbibliothek am Urban-Loritz-Platz und beim Wiener Ferienspiel zum Einsatz kommen soll.

OLPC-Software Sugar integriert
JUX habe sich seit dem Start des Projekts im Jahr 2003 stetig verändert, erzählt Mayr. Bislang sind fünf Versionen erschienen. Mit JUXlala! steht auch ein Software-Paket für Kinder ab drei Jahren zur Verfügung.

Die aktuelle JUX-Version basiert auf Ubuntu 11.04 und setzt den Gnome-Window-Manager ein. Erstmals wird auch die für das Projekt "One Laptop Per Child" entwickelte Software Sugar integriert, die bereits von zwei Millionen Kindern weltweit genutzt wird. Sugar sei stark Community-orientiert und stelle das Teilen von Ressourcen in den Vordergrund, sagt Mayr: "In diese Richtung wird es auch weitergehen."

Derzeit werde geprüft, bei der nächsten Version von JUX komplett auf die Sugar-Oberfläche zu setzen. Sugar weiche von der klassischen Desktop-Oberfläche ab, so Mayr:  "Kinder brauchen die Schreibtisch-Metapher nicht unbedingt als Orientierungshilfe. Sie haben andere Assoziationen als Erwachsene."

"So breit wie möglich anbieten"
Bei der Weiterentwicklung von JUX werde auch über Tablet-Programme nachgedacht, so Mayr: "Das wollen wir im nächsten Schritt auf jeden Fall anvisieren." Ziel sei es jedoch JUX so breit wie möglich auf verfügbarer Hardware anzubieten. JUX solle auch für diejenigen verfügbar sein, die sich keine spezielle Hardware, etwa Tablets, leisten könnten. "In vielen Schulen und Ausbildungsstätten sind vorwiegend Desktop-PCs verfügbar", meint Mayr: "Das wird sicherlich auch noch eine Zeit lang so bleiben."

Mehr zum Thema

  • Technik und Internet in der Volksschule
  • Tablets statt Schulbücher: Verlage skeptisch

JUX3
Voraussetzungen für den Einsatz des Live-Systems ist eine Intel-kompatible CPU, X86 (32 bit), ein bootfähiges DVD-Laufwerk oder ein bootfähiger USB-Anschluß, empfohlen wird 1 GB Hauptspeicher, auch Apple-Computer mit Intel-Prozessor werden unterstützt. In der Dokumentation zu JUX3 finden sich detaillierte Hilfestellungen zur Installation.
JUX3: Download