Digital Life
17.11.2016

"Nazidrecksfotze" mit Facebook-Regeln konform

Facebook kommt wegen seiner Unfähigkeit, Hasspostings zu erkennen und zu löschen, immer stärker unter Druck. Die Grünen sprechen von der "weltgrößten Hassplattform".

„Hallöchen Eva Glawischnik du ungläubige Nazidrecksfotze…“ , schrieb ein User im Rahmen der Debatte über das umstrittene Prügelvideo. Ein anderer holte noch weiter aus: "Wo ist der Aufschrei der verschissenen Glawischnig ??? Da hält sie ihre Botoxgosche die verlogene Sau !!! Hätte das Mädchen sich gewehrt, hätten diese grünen Inzüchtler am nächsten Tag geschrien - Rechtsradikale verdrischt unschuldige Ausländerkinder !!! Weg mit dem Dreck - samt der grünen Mishpoche !!!“

Kein Widerspruch zu Regeln

Für Facebook sind diese drastischen Kommentare offenbar kein Problem, sie widersprechen laut der Rückmeldung des Konzern auch nicht den stolz vorgeschobenen Gemeinschaftsstandards. Das berichtet der Grüne Mediensprecher Dieter Brosz, der die Kommentare über einfache User-Accounts melden ließ. Man habe bewusst diesen Weg gewählt und nicht etwa über die Grüne Rechtsabteilung bei Facebook angefragt, um zu zeigen, dass "Meldungen von einfachen UserInnen üblicherweise schubladisiert und ignoriert werden".

Erst gestern hatte eine Facebook-Sprecherin der futurezone lang und breit erklärt, wie jede beanstandete Meldung von Usern Ernst genommen und überprüft werde. Außerdem würde man sich nicht nur an die formulierten Gemeinschaftsstandards, sondern auch an lokale Gesetze halten. Genau dem widerspricht Brosz. Beide zitierten Postings würden den Tatbestand des § 115 des Strafgesetzbuchs (Beleidigung) erfüllen. Dass die gemeldeten Kommentare mit den Gemeinschaftsstandards von Facebook konform seien, zeige die "unglaubliche Ignoranz des Problems" vonseiten Facebooks.

Wie mit Regeln vereinbar?

Wie absurd und zahnlos das Meldesystem in Wahrheit ist, zeigt ein Blick auf die von Facebook formulierten Gemeinschaftsstandards. Dort heißt es etwa: "Wir entfernen (...) glaubhafte Drohungen sowie Hassbotschaften, die sich an Personen des öffentlichen Lebens richten, genauso wie bei Privatpersonen."

Laut Facebook können Fehler bei der Bearbeitung beanstandeter Postings nicht ausgeschlossen werden. Angesichts der vielen drastischen Kommentare, die von Facebook tagtäglich trotz Meldung durch User reingewaschen werden, ist es allerdings schwer zu glauben, dass die Bearbeitung deutschsprachiger Kommentare auch tatsächlich von speziell geschulten, deutschsprachigen Mitarbeitern analysiert werden, wie Facebook im Interview mit der futurezone versicherte.

Keine Einzelfälle

Die von den Grünen aufgezeigten Kommentare gegen Parteichefin Glawischnig sind beileibe keine Einzelfälle, wie auch eine Recherche von kurier.at eindrucksvoll zeigt. So wurden gemeldete Postings, die etwa zur Tötung von Bundeskanzler Christian Kern sowie Beleidigungen, die Schimpfworte wie "Schweineficker" und "dummes Nazischwein" beinhalteten, von Facebook als konform mit den Gemeinschaftsstandards klassifiziert.

Während in Deutschland mittlerweile schon eine breite politische Front gegen Facebook auftritt, haben sich in Österreich vor allem die Grünen dem Kampf gegen Hasspostings und der Darstellung von Gewaltvideos verschrieben. Zuletzt kündigten die Grünen wegen des Videos, dass trotz User-Protesten zunächst online blieb, eine Sachverhaltsdarstellung gegen Facebook-Gründer Mark Zuckerberg persönlich sowie das Unternehmen an.