Digital Life
04.11.2011

ORF stoppt TV-Spot der futurezone

Auf Anweisung des ORF-Generaldirektors Alexander Wrabetz wurden die TV- und Hörfunk-Spots für die futurezone.at gestoppt. Sie beschädigen das Image des ORF. Die futurezone lässt nun eine ORF-genehme Fassung gestalten, der Original-Spot ist bei den Privatsendern (und auf YouTube) weiterhin zu sehen.

Seit Montag wird er im ORF und in den Privatsendern wie ATV, Puls 4, Pro7 oder RTL ausgestrahlt, seit heute, Donnerstag, früh, darf der TV-Spot im ORF nicht mehr gezeigt werden. „Ich habe heute die unangenehme Aufgabe Ihnen mitzuteilen, dass die Bewerbung der futurezone.at leider aufgrund einer gestern Abend erteilten Anweisung unseres Generaldirektors umgehend gestoppt wurde. Es geht hier sowohl um die TV- als auch HF-Spots, die Off-Air genommen werden mussten. Es handelt sich aus ORF-Sicht um ORF-beschädigende Werbung, die wir – auch in anderen Fällen – nicht zulassen. Wir würden Sie daher um eine ORF-konforme Anpassung der Spots ersuchen.“

Der Inhalt des Spots
Im Spot sieht man ein digitales Orakel, das mit Fachbegriffen aus der digitalen Welt und mit Hightech-Produkten um sich wirft. Es verändert ständig seine Form, spricht währenddessen direkt mit dem Zuschauer und wird zu einem Gesicht. Dieses „zerspringt“ und wird durch die Webseite der futurezone ersetzt.

Im O-Ton spricht der Sprecher: „Falls sich Facebook in diesem Moment noch enger mit Ihnen anfreundet, mit den neuesten Digitalkameras auch Nacktscans möglich werden oder das neueste Smartphone Ihnen sagt, ob Ihr Gegenüber Single ist, werden Sie es hier nicht erfahren. Eine weibliche Stimme im Off ergänzt: „Dafür gibt’s die futurezone.at – Technology News.“

"Werden Sie es hier nicht erfahren"
Was hat den ORF – nicht aber die Privatsender - verärgert? Die Passage des Satzes „..werden Sie es hier nicht erfahren.“ Dies impliziere, dass wir dem ORF unterstellen, seinem Informationsauftrag, digitale Themen betreffend, nicht nachzukommen, was freilich eine enge Sichtweise ist. Die Aussage bezieht sich zum einen auf das Orakel und nicht auf die Rundfunkanstalt, zum anderen schätzen ich und das futurezone.at-Team die Arbeit unserer Kollegen.

Aus marketingtechnischer Sicht ist das Absetzen eines Launch-Spots in der ersten Woche allerdings das Worst-Case-Szenario.

Die futurezone.at kommt der ORF-Aufforderung nach und wird exakt zwei Wörter (vier Buchstaben!) des Spots ändern - aus „es hier“ wird „von mir“. Die Änderungen betreffen auch die zwei Hörfunk-Spots, die ebenfalls auf ORF-like getrimmt werden: „Falls Facebook in diesem Moment beschließt, ganz auf das Thema Privatsphäre zu verzichten, oder sich das freie Internet auflöst und in  kostenpflichtige Bandbreiten zerstückelt wird, werden Sie es von mir (dem Orakel, Anm.) nicht erfahren“ und „Falls in diesem Moment eine oppositionelle Gruppe auf Facebook einen Regimewechsel plant, oder Sie das Denken in Zukunft gleich Ihrem smarten Phone überlassen können, werden Sie es von mir nicht erfahren.“