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Pilotprojekt Testversuche von selbstfahrendem Minibus in Salzburg .

Der Minibus in Salzburg
Der Minibus in Salzburg - Foto: /WERK/wildbild
Mitte Oktober 2016 rollte erstmals ein Minibus ohne Lenkrad und Fahrer durch die Salzburger Altstadt. Nun soll aus der Testfahrt ein ausgedehnter Pilotversuch werden.

Auf kurzer Strecke, noch etwas ruckelig, mit acht km/h donnerste der Minibus durch Salzburg. Nun soll aus der Testfahrt ein ausgedehnter Pilotversuch werden, der Bescheid des Verkehrsministeriums wird demnächst erwartet. Das langfristige Ziel: Die Zahl der Privatautos im Verkehr soll durch das automatisierte Fahren reduziert werden.

Bewilligung angekündigt

„Wir sind mit der Gestaltung der Mobilität wie wir sie kennen am Ende. Es braucht neue Angebotsformen und hier können die neuen Technologien möglicherweise helfen“, sagte Martin Russ, Geschäftsführer der AustriaTech, am Dienstagabend bei einer Diskussionsrunde der Plattform Digitales Salzburg. Das Verkehrsministerium hatte zuletzt angekündigt, alle drei Anträge für Tests mit selbstfahrenden Fahrzeugen auf öffentlichen Straßen in Österreich zu bewilligen. Einer der Zuschläge ging dabei an die landeseigene Forschungsgesellschaft Salzburg Research für Versuche mit automatisierten Minibussen.

„Technisch sind die selbstfahrenden Kleinbusse bereit für Tests in der realen Welt. Sie fahren zuverlässig, erkennen Hindernisse, bremsen selbstständig“, erklärte Karl Rehrl, Leiter des Forschungsschwerpunktes Mobilität bei Salzburg Research. „Wir wollen durch das Pilotprojekt zunächst die Technik kennenlernen und das Fahrzeug auf unterschiedlichen Strecken ausprobieren.“ Für die Tests dürfte dabei wie schon im Oktober wahrscheinlich ein fahrerloser Elektro-Minibus des französischen Herstellers Navya eingesetzt werden.

Tests völlig ohne Fahrer

Vom Regelbetrieb sei man aber noch weit entfernt. „Derzeit braucht es rechtlich bei Tests auf öffentlichen Straßen noch einen Operator, der im Notfall eingreifen kann. Wir wollen mittelfristig aber ohne jeglichen Fahrer testen.“ Im kommenden Jahr werde es vor allem darum gehen, wie man das Fahrzeug programmiere und Daten sammle, welche Situationen im Probebetrieb auftauchen können und wie der Bus drauf reagiere. „Es gibt etwa noch keine Erfahrungen, wie sich der Minibus im Winter verhält. Was macht das fahrerlose Fahrzeug, wenn es etwa auf einer abschüssigen Straße bei Schnee und Eis unterwegs ist?“, fragte Rehrl.

Bei der Diskussion am Dienstag wurde auch klar, dass selbstfahrende Fahrzeuge wohl kein Allheilmittel für das staugeplagte Salzburg sein dürften. „Das Problem des begrenzten Straßenraums wird man durch automatisierte Busse nicht lösen“, sagte Johannes Gfrerer vom Salzburger Verkehrsverbund. „Im urbanen Raum liegt die Zukunft eher im schienengebundenen Linienverkehr.“ In ländlichen Gebieten könnten automatisierte Fahrzeuge allerdings die Lücke zwischen dem Wohnort und der nächsten Haltestelle schließen - als Zubringer zum Postbus oder zur S-Bahn. Diese sogenannte erste (oder letzte) Meile ist oft der Grund, warum Menschen mit dem Auto fahren und nicht auf den Öffentlichen Verkehr umsteigen. „Mit selbstfahrenden Bussen lassen sich die Zubringer-Intervalle verkürzen und Kosten reduzieren, weil der Fahrer wegfällt.“

Probefahrten

Für die Salzburg Research ist darum etwa ein Versuch in Koppl (Flachgau) vorstellbar, wo der fahrerlose Bus testweise zwischen dem Ortszentrum und der Postbus-Haltestelle an der nahen Wolfgangsee-Bundesstraße verkehren könnte. Auch eine Verbindung zwischen den Salzburger Stadtteilen Itzling und Lehen über einen Salzachsteg böte sich für Probefahrten an. „Wir haben hier an der Austraße eine enge Brücke, Radfahrer, Fußgänger, einen Bahnübergang und einen Kreisverkehr, auf die das Fahrzeug Rücksicht nehmen muss“, sagte Rehrl.

Das Salzburger Projekt verfolge im Gegensatz zum gleichfalls bewilligten Projekt des steirischen Automobilzulieferers AVL List nicht primär wirtschaftspolitische Ziele. „Es geht weniger um Wertschöpfung, als um die Zukunft der Mobilität. Wir sollten das Themenfeld nicht alleine Konzernen überlassen“, so Rehrl.

(apa) Erstellt am 14.12.2016, 17:13

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