Digital Life
17.10.2018

Warum die „Do not Track“-Option im Browser nutzlos ist

Wer glaubt mit "Do not Track" seine Privatsphäre im Internet zu schützen, wird enttäuscht sein.

Laut einer Studie von Forrester Research nutzt ein Viertel der erwachsenen US-Amerikaner die „Do Not Track“-Option (DNT) des Browsers, um zu verhindern, dass Websites Daten über ihr Online-Verhalten sammeln. Tatsächlich ist die Option aber relativ nutzlos, heißt es in einem aktuellen Artikel von Gizmodo. Denn die Aktivierung dieser Option bewirkt lediglich, dass der Browser beim Surfen den Wunsch an die jeweilige Website schickt, die Daten des Users nicht zu tracken – ob die Websites und die Werbeindustrie dieser Bitte tatsächlich nachkommen, steht ihnen frei.

Unter anderem wird diese Fehlfunktion auch relativ transparent kommuniziert, wenn man die Option in Googles Browser Chrome aktiviert: „Einige Websites reagieren möglicherweise auf die Anfrage, indem sie Anzeigen einblenden, die nicht auf anderen von Ihnen besuchten Websites basieren“, heißt es: „Viele Websites erfassen und nutzen dennoch Ihre Browserdaten, etwa zur Verbesserung der Sicherheit, zur Bereitstellung von Inhalten, Diensten, Anzeigen und Empfehlungen auf der Website sowie zur Erstellung von Berichtsstatistiken.“

Derzeit wird DNT laut einer offiziellen Auflistung nur von einer Handvoll Websites unterstützt. Zu den prominentesten Vertretern gehören Medium, Pinterest und Reddit. Die meisten Websites ignorieren die DNT-Anfragen hingegen. Ironisch ist dabei zum Beispiel, dass Googles Browser Chrome die Option zwar unterstützt, Googles Websites die Anfragen aber ignorieren. Allerdings betont Google, dass Nutzer über die Ad Settings und das AdChoices Industry Programm zumindest das Ausspielen von personalisierter Werbung blockieren können.

Auch gibt es laut Gizmodo eine Opt-Out-Option von einer Allianz verschiedener Online-Werbeunternehmen. Dieses Opt-Out verhindert aber nur das Ausspielen personalisierter Werbung, nicht das Sammeln der Daten.

Keine Einigung

Die Option von DNT ist vor allem deshalb zahnlos, weil Regierungen dem Feature keine rechtliche Basis verschafft haben. Laut einem Blogbeitrag von w3.org könnte die Option in der EU rechtlichen Rückenwind bekommen, durch die DSGVO und die e-Privacy-Verordnung, die sich derzeit in Arbeit befindet. Diese regelt unter anderem die Verwendung von Cookies.

Im Jahr 2010 hatte die US-amerikanische Federal Trade Commission (FTC) eine Diskussion mit mehreren Stakeholdern rund um das Thema DNT angeregt, die von W3C – einer NGO, die technische Standards für das Web entwickelt – geleitet wurde. Neben Datenschützern und Tech-Konzernen saßen auch Vertreter der Werbebranche am Verhandlungstisch – und da sie wenig Anreiz für eine verpflichtende Akzeptanz von DNT-Anfragen sehen, ist die jetzige Funktion entsprechend zahnlos. Als Resultat installieren User nun AdBlocker, die Werbung komplett ausblenden.

Warum sollte man DNT also überhaupt verwenden, wenn es in den meisten Fällen nutzlos ist? Dem Bericht von Gizmodo zufolge sehen DNT-Verfechter die Option als ein Mittel, gegenüber Websites besseren Datenschutz einzufordern. Wenn diese Rufe erhört werden, dann könnte DNT eines Tages vielleicht wirklich nützlich sein. Bis dahin sollte sich jedoch jedermann bewusst sein, dass es sich hierbei bestenfalls um Augenauswischerei handelt.