WLAN im Flugzeug ist bereits seit mehr als einem Jahrzehnt technisch möglich, allerdings war zu Beginn die Nachfrage eher gering

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Digital Life
06/14/2015

WLAN im Flugzeug: Warum Europa hinterherhinkt

Technische Hürden verhindern, dass sich WLAN im Flugzeug bei europäischen Fluglinien durchsetzt. Doch die steigende Nachfrage zwingt diese zum Handeln.

Während in den USA WLAN über den Wolken bereits zum Standard gehört, sucht man in Europa vergeblich danach. Die Gründe dafür sind vielfältig, laut WLAN-Anbieter GoGo sei vor allem ein fehlendes europäisches Mobilfunknetz für Flugzeuge dafür verantwortlich. In den USA setzt man vorwiegend auf ein sogenanntes ATG-Netz (Air-to-Ground, „Luft-zu-Boden). Dabei wird ein Netzwerk von Funktürmen am Land verteilt, über die das Flugzeug mithilfe einer Antenne Verbindung zum Datennetz herstellt. „Die Alternative ist eine Satelliten-Verbindung, die man dann einsetzt, wenn es kein ATG-Netz gibt“, so Phil Penuela vom WLAN-Anbieter GoGo.

In Europa bis 2016

GoGo betreibt derzeit als einziger Anbieter ein ATG-Netz in Nordamerika (USA, Alaska und Kanada), in Europa startet der erste Anbieter frühestens 2016. „Satelliten-Lösungen liefern zwar höhere Geschwindigkeiten, sind aber deutlich teurer als ATG und das Einbauen dauert lange.“, sagt Penuela. ATG-Antennen könnten hingegen oftmals über Nacht nachgerüstet werden. Zudem sind diese deutlich leichter und sparen den Fluglinien so Treibstoff. In Kombination mit der steigenden Nachfrage entsteht so zunehmend Druck auf die europäischen Fluglinien.

Derzeit sind mit der ATG-Lösung Bandbreiten bis zu 9,8 Mbps möglich, allerdings müsse man sich diese mit anderen Fluggästen teilen. So ist der Traum vom Videostreaming über Netflix oder YouTube im Flugzeug noch in weiter Ferne. Zu sehr sollte man sich zudem nicht auf die Sicherheit des WLANs verlassen. GoGo wurde vor einigen Monaten scharf dafür krisitiert, dass man gefälschte SSL-Zertifikate für Google-Seiten ausstellte, um den Videodienst YouTube blockieren zu können.

Verfolgung per Satellit

Doch auch das Satelliten-Internet wird nicht verschwinden. Vorfälle, wie das plötzliche Verschwinden des internationalen Linienflugs MH370, könnten so verhindert werden. Derzeit werden nur Passagiere zu Unterhaltungszwecken mit Internet versorgt, schon bald sollen auch Pilot und Besatzung davon profitieren. GoGo will unter anderem Maschinendaten und Standort in Echtzeit übertragen. Zu sehr sollte man sich darauf aber auch nicht verlassen: Bei Schlechtwetter könne rasch die Verbindung abreißen.