Digital Life
11.04.2013

YouTube startet offiziell in Österreich

Benutzen kann man Googles Videoplattform hierzulande schon lange, einen echten Österreich-Auftritt unter einer .at-Domain startet YouTube aber erst jetzt. Im Interview mit der futurezone erklärt YouTube-Europachef Matthew Glotzbach, was sich dadurch für österreichische Nutzer ändert, wie diese mit dem Partnerprogramm nun auch Geld verdienen können und wohin sich das Portal in den nächsten Jahren entwickeln soll.

Vielen Nutzern ist es vielleicht gar nicht aufgefallen, aber bisher gab es keinen offiziellen Österreich-Auftritt von YouTube. Wer bislang aus Österreich auf die Plattform zugegriffen hat, tat dies eigentlich über die internationale .com-Seite. Das ist ab heute anders: Google startet mit einer lokalen österreichischen YouTube-Seite. Auch wenn das auf den ersten Blick vielleicht nach keiner besonderen Umstellung für die User aussieht, so gibt es doch einige grundlegende Veränderungen. Dazu zählt zu nächst einmal die Möglichkeit für österreichische Inhalteanbieter, jetzt auch am YouTube-Partnerprogramm teilzunehmen - darüber können professionelle ebenso wie private Content-Produzenten mit ihren Inhalten auf YouTube Geld verdienen. Außerdem wird es künftig neue Werbemöglichkeiten für Unternehmen geben.

Doch warum hat es eigentlich so lange gedauert, bis YouTube.at seine Pforten öffnet? "Natürlich war YouTube bereits für Nutzer in Österreich verfügbar. Aber die gewerbliche Seite, etwa in Bezug auf die Werbe-Plattform und der Umstand, dass wir unseren österreichischen Urhebern jetzt ermöglichen, ein Geschäft auf YouTube aufzubauen, das ist, was neu ist", sagt YouTube-Europachef Matthew Glotzbach im Interview mit der futurezone. "Es gibt eine ganze Reihe von Dingen, die Voraussetzung dafür sind, YouTube in einen lokalen Markt zu bringen. Da geht es um legale Fragen und Partnerschaften, die Beziehungen zu diversen Partner-Organisationen in der Region. All das braucht seine Zeit", so Glotzbach. "Unser Ziel ist aber auf jeden Fall, YouTube überall hin in der Welt zu bringen, damit alle Leute, die Inhalte schaffen, eine Plattform dafür haben und ihre Geschichte erzählen können. Wir freuen uns, dass Österreich jetzt Teil dieser Familie ist."

PartnerprogrammErst vor zwei Tagen kam mit der Schweiz ein weiteres Land zum Partnerprogramm hinzu. Insgesamt zählt dieses bereits mehr als eine Million Teilnehmer aus 27 Ländern. Pro Jahr werden laut Google Millionen von Dollar an die Partner ausgezahlt. Einige hundert Partner sollen gar Gewinne im sechsstelligen Bereich erzielen. Auch in Deutschland, wo das Partnerprogramm bereits verfügbar ist, gibt es einzelne Beispiele, die von den Werbeeinnahmen ihrer Videos leben können. Spezifische Zahlen für den europäischen Markt gibt Google nicht bekannt, "Europa ist aber definitiv eine unserer größten Regionen in Bezug auf  Zuschauerschaft sowie Content-Partner", so Glotzbach.

Dass die Möglichkeit zum Geldverdienen mit YouTube-Videos nun auch in Österreich besteht, dürfte viele User freuen. In den vergangenen Jahren wurde von Nutzerseite immer wieder der Ruf danach laut, dass Google das Partnerprogramm endlich auch hierzulande starten solle. Einzelne Partner konnte YouTube bereits im Vorfeld des Österreich-Starts gewinnen. Etwa diesen Comedian oder diese beiden Userinnen - Andrea (007morgenstern) und Kim (ItsKimLianne), die sich mit Beauty-Sendungen versuchen.

In Zukunft werde man ebenso auf professionelle, potenzielle Contentpartner zugehen wie auch auf Privatpersonen, die vielleicht der nächste YouTube-Star sein könnten, sagt Glotzbach. Letztlich wolle man der österreichischen Kultur unter dem Strich mehr Gewicht auf YouTube geben. Gerade die kulturelle Vielfalt in Europa mache das Partnerprogramm für diese Region besonders interessant. "Es gibt eine große Zahl an Content-Partnern, die YouTube zu ihrem Vorteil nutzen können, um ein internationales Publikum zu erreichen", sagt Glotzbach. Natürlich habe man als österreichischer Musiker oder Comedian erst einmal ein konzentriertes österreichisches Publikum, aber über YouTube als Plattform könne man die gesamte deutschsprachige Welt über alle Grenzen hinweg erreichen, so Glotzbach weiter. Einschränkungen zur Teilnahme gibt es grundsätzlich nicht. Jeder kann teilnehmen und einen Channel starten. Über Werbung können die Content-Partner dann ihr Geld verdienen. "Wir geben den Großteil unserer Einnahmen, dir wir aus Werbung auf YouTube generieren, zurück an die Content-Partner", sagt Glotzbach.

Ortsbezogene InhalteEine weitere spürbare Veränderung im Zuge des YouTube-Österreich-Starts ist die Gewichtung der Inhalte. "Die Nutzer dürfen sich ab sofort sehr viel mehr relevante, ortsbezogene Inhalte erwarten", sagt Glotzbach. Bisher, wenn man auf der .com-Seite gelandet ist, wurde der Content dort zwar auch auf Deutsch angezeigt, die Inhalte, die zu vorderst gereiht wurden, waren aber internationale. Jetzt werde der Fokus stärker auf aktuelle Geschehnisse, die Nutzungsgewohnheiten in Österreich und regionale Inhalte gelegt.

Weltweit zählt Googles Videoplattform mittlerweile eine Milliarde Besucher pro Monat, insgesamt ist YouTube in 53 Ländern lokalisiert und in 61 verschiedenen Sprachen verfügbar. Damit die User keine illegalen oder unpassenden Inhalte verbreiten, hat die Plattform, wie bei jedem Onlineservice üblich, auch "Hausregeln" aufgestellt. "Diese werden streng kontrolliert", betont der YouTube-Europachef. "Es gibt einerseits ein automatisiertes System, andererseits können Inhalte auch von der Community gemeldet werden", so Glotzbach. Man habe zwar viel Technik im Hintergrund, vertraue in dieser Hinsicht aber auch auf die Nutzer selbst. Werden unpassende Inhalte gemeldet, so werden diese infolge von YouTube-Mitarbeitern überprüft. Was die Plattform erlaubt und was nicht, können User im Detail in den Nutzungsbedingungen nachlesen.

Bezahlinhalte weiter in der "Testphase"YouTube experimentiert auf internationaler Ebene schon seit längerer Zeit mit Paid Content. Schon im vergangenen Jahr bestätigten YouTube-Manager gegenüber der futurezone, dass man in diese Richtung Überlegungen anstelle. Kürzlich kündigte ein YouTube-Vertreter im Rahmen einer Präsentation neuerlich kostenpflichtige Abos an. Konkrete Aussagen dazu blieb das Unternehmen bisher allerdings schuldig. Auch der Europa-Chef will sich vorerst nicht weiter festlegen. "Wir haben hier im Moment nichts anzukündigen. Aber wir sind natürlich ständig auf der Suche nach weiteren Möglichkeiten für unsere Partner, wie sie sich ihr Publikum schaffen und ein Geschäft auf YouTube aufbauen können." Man wolle "wirklich eine Plattform für den wirtschaftlichen Erfolg" der Partner sein. Das soll nun auch in Österreich so sein.

"Nutzer sind bereit Geld auszugeben, wenn sie einen Mehrwert vorfinden", meint Glotzbach. Einschätzungen darüber, was das in harten Zahlen bedeuten könnte, also etwa, wie viel Prozent der YouTube-User für Paid Content offen wären, dazu will der YouTube-Manager keine Schätzungen abgeben.

"Ergänzung zu traditionellem Fernsehen"Letztlich sei YouTube als Ergänzung zu klassischen Fernsehsendern zu sehen, so der YouTube-Europachef. "Die Plattform gibt Urhebern die Möglichkeit, ihre Inhalte auf breiter Basis zu vertreiben, ist dabei aber nicht exklusiv. Wenn jemand seinen Content auf YouTube stellen will, kann er diesen trotzdem auch über andere Kanäle weiterverbreiten und bei anderen Services anbieten."

Anders als in Österreich bietet YouTube seit ein paar Jahren in einigen Ländern - etwa den USA und Großbritannien und seit 2012 auch in Deutschland - einen Filmverleih an, über den Blockbuster großer Filmstudios angeschaut werden können. Durch den YouTube.at-Start sei es durchaus denkbar, dass so ein Service in der Zukunft auch hierzulande eingeführt werde, sagt Glotzbach.

Komplexe LizenzverhandlungenZum Start des österreichischen YouTube-Auftritts musste Google natürlich auch bestimmte Lizenzvereinbarungen neu bzw. zusätzlich ausverhandeln. "Wir sind in ständigem Kontakt mit den Rechteinhabern", erklärt Glotzbach. Das Thema sei ein sehr vielschichtiges und kompliziertes. Einerseits gehe es um lokale Rechte, andererseits gehe es um Vereinbarungen auf internationaler Ebene. In welchem Spannungsfeld die Videoplattform zu Urhebern stehen kann, zeigt sich wohl am besten am Beispiel Deutschland, wo sich die Verwertungsgesellschaft GEMA seit Jahren im Zwist mit YouTube befindet. Die User bekommen dies immer dann zu spüren, wenn sie ein Video aufrufen wollen und sich dann mit der Meldung "Dieses Video ist in deinem Land nicht verfügbar" begnügen müssen.

YouTube seinerseits wird nicht müde zu betonen, dass man stehts an einem guten Verhältnis zu den Urhebern interessiert sei, alles dafür tue, deren Rechte zu wahren und natürlich selbst keinen Content verbreite, sondern nur die Plattform zur Verfügung stelle. "Wir haben über 30 Millionen Euro für die Entwicklung von Technologien ausgegeben, um die Urheber zu stärken", sagt der YouTube-Manager. Man wolle den Rechteinhabern die nötigen Mittel in die Hand geben, damit diese die Kontrolle über ihre Inhalte haben. Dazu hat YouTube das Content-ID-System eingeführt, über das kontrolliert wird, wenn ein User geschützte Inhalte auf der Seite hochlädt. Der Rechteinhaber wird darüber benachrichtigt und kann dann selbst entscheiden, was mit dem jeweiligen Video passieren bzw. ob es gesperrt werden soll.

Verknüpfung mit Google+Google hat seine Videoplattform seit dem vergangenen Jahr deutlich stärker mit dem hauseigenen sozialen Netzwerk Google+ verknüpft. Begründet wurde das unter anderem damit, dass man dadurch Videos viel einfacher mit seinen Freunden teilen könne. "Google+ ist der soziale Stoff, der alle Google-Dienste miteinander verknüpft", sagt Glotzbach. Man habe einige Schritte in die Richtung gemacht, diese sozialen Aspekte auch näher zu YouTube zu bringen. Die Videoplattform sei aber per se schon sehr sozial, "wir werden aber weiterhin daran arbeiten, die sozialen Strukturen von Google+ in YouTube zu integrieren", so der YouTube-Europachef weiter.

Weitere Professionalisierung der PlattformYouTube hat sich insbesondere in den vergangenen paar Jahren zunehmend von der ursprünglichen 5-Minuten-Spaßclip-Seite zu einer professionell aufgezogenen Videoplattform entwickelt - wo Leute Geld verdienen, werben und im Idealfall nachhaltige Bekanntheit erlangen können. Mit dem Start der Österreich-Seite wird es im B2B-Bereich auch neue Werbemöglichkeiten für heimische Unternehmen geben. Eine der neuesten Werbeformen, die YouTube anbietet, sind die sogenannten "TrueView-Videoanzeigen". Dabei müssen Werbekunden nur dann bezahlen, wenn sich Nutzer ein Video auch wirklich anschauen. "Wir werden in Zukunft sicher eine Verlagerung von klassischer Videowerbung hin zu TrueView-Anzeigen erleben", ist der YouTube-Manager überzeugt.

Glotzbach rechnet auch mit einer weiteren Zunahme auf Seiten der Content-Partner. Über die vergangenen Monate habe man beobachtet, dass immer mehr der Partner ihre Aktivitäten von einem anfänglichen Hobby auf die Ebene eines richtigen Geschäfts gehoben hätten. "YouTube ist nicht mehr nur eine Plattform, auf der Leute entdeckt werden können, sondern eine Plattform, auf der Leute dauerhaft bleiben, um sich ein Business aufzubauen."

"Noch mehr Mainstream"Während man in den Anfangstagen von YouTube noch von dem Begriff "Webvideo" gesprochen habe, sei der Trend mittlerweile davon weg gegangen. "Man spricht eigentlich nur noch von Video", sagt Glotzbach. Aufgrund der immer stärkeren Vernetzung unterschiedlicher Geräte werde man künftig auch eine noch stärkere Zunahme bei der Verbreitung von Videos über das Internet sehen, prognostiziert Glotzbach. "YouTube zu schauen, egal ob auf dem großen Fernseher oder auf dem kleinen Screen, während man im Bus fährt, wird noch mehr Mainstream werden."

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