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16.06.2018

Der Indie-Hit Banner Saga für Nintendo Switch im Test

Das Rogue-like-Videospiel mit rundenbasierenden Kämpfen macht unterwegs Spaß, nervt aber mit technischen Problemen.

Banner Saga ist eines der wenigen per Kickstarter finanzierten Indie-Games, die nicht nur tatsächlich erschienen, sondern auch noch gut sind. Das passierte vor vier Jahren. Nachdem der Titel auf PC, PS4, Xbox One, iOS und Android veröffentlicht wurde, schafft er es jetzt auch auf die Nintendo Switch (20 Euro). Ich habe getestet, ob das Game auf der Nintendo-Konsole seinem guten Ruf gerecht wird.

Wikinger mit Riesen

Banner Saga spielt in einer Wikinger-Welt, in der ein bisschen nordische Mythologie miteinfließt. So gibt es zwar Riesen und eine mystisch-mechanische Feindrasse namens Dredge, aber keine Götter.

Das Besondere an Banner Saga ist die Präsentation und wie die Geschichte erzählt wird. Es gibt keine Sprachausgabe, die Zwischensequenzen bestehen aus Bildern und Text, ebenso die Dialoge. Zusammen mit dem Grafikstil wirkt Banner Saga wie ein interaktives Bilderbuch.

Das Bilderbuch erzählt die Geschichte einer Wikinger-Karawane. Während der Reise muss darauf geachtet werden, dass die Moral nicht zu weit sinkt, da sonst Krieger desertieren und dies zu Niederlagen in kommenden Schlachten führen könnte. Geht die Nahrung zuneige, ist das Resultat ähnlich.

Ungewöhnlich ist, dass Banner Saga nur eine einzige Ressource hat: Ansehenspunkte. Mit dieser werden sowohl Gegenstände und Nahrung für die Karawane gekauft, als auch Charaktere im Level erhöht. Wer also immer sofort seine Krieger hochlevelt, muss vielleicht bald Hunger leiden.

Rundenbasierende Kämpfe

Ansehenspunkte gibt es für gewonnene Kämpfe. Die Kämpfe finden rundenbasiert statt. Das Feld ist dabei klassisch in ein Raster mit Rechtecken unterteilt. Je nach Klasse und Rasse haben die Charaktere verschiedene Angriffsstärken und Bewegungsweiten.

Mit Willenspunkten können sich die Figuren weiterbewegen oder mit Schlägen mehr Schaden verursachen. Diese Willenspunkte regenerieren sich nicht. Man sollte sich also gut überlegen, wann man sie einsetzt.

Auf dem normalen Schwierigkeitsgrad sind die Kämpfe durchaus anspruchsvoll, da noch Feinheiten wie Rüstungen hinzukommen. Auch auf dem niedrigen Schwierigkeitsgrad braucht es etwas Übung und taktisches Geschick, um die teilweise mehrere Runden dauernden Kämpfe ohne Verluste zu überstehen. Immerhin ist Banner Saga hier gnädig: Im Kampf besiegte Charaktere sind nicht tot, sondern nur verletzt und müssen ein paar Tage regenerieren.

Dafür kommt aber während der Reise mit der Karawane der Tod unverhofft. Manchmal stehen Entscheidungen an, die per Multiple-Choice gefällt werden. Es ist oft nicht vorhersehbar, welche Entscheidung zu welchem Resultat führt. So kann es schon Mal passieren, dass der stärkste Krieger in einem Karren-Unfall stirbt oder der arrogante Prinz, den man eigentlich beschützen sollte, in sein Verderben rennt. Klingt zwar witzig, ist aber beides nicht, wenn es einem passiert.

Banner Saga

1/7

Umsetzung mit Problemen

Der originelle Grafik-Stil von Banner Saga macht sich auch auf dem Display der Switch gut. Die liebevollen Animationen in den rundenbasierenden Kämpfen sind zeitlos schön.

Die Steuerung kann komplett per Touchscreen erfolgen, ist aber mit dem Joycons meist schneller. Nur die Analogsticks sind etwas zu empfindlich eingestellt. Mir ist es mehrmals passiert, dass ich meine Charaktere auf falsche Positionen geschickt habe, weil in letzter Sekunde das mit dem Analogstick markierte Feld umgesprungen ist.

Wirklich ärgerlich ist, dass es bei meinem Test öfters zum Einfrieren des Spiels kam. Banner Saga hat keine Funktion zum Zwischenspeichern – so soll cheaten verhindert werden, weil User sonst einfach vor schlechten Entscheidungen oder bei drohenden Niederlagen neu laden. Daher macht man es so, wie mit anderen Games, wenn man mit der Switch unterwegs ist: Einfach in den Standby-Modus gehen wenn man aus dem Zug aussteigt und nach der Arbeit/Schule bei der Heimfahrt weiterspielen.

Leider klappte das mit dem Weiterspielen bei mir nicht immer. Nach dem Aufwecken der Switch erschien zwar Banner Saga und akzeptierte noch Tasteneingaben, aber anstatt dass es weiterging, war nur endlos das Ladezeichen zu sehen. Einziger Ausweg: Spiel schließen und neu laden. Da Banner Saga nicht allzu häufig automatisch speichert, musste ich in einem Fall drei komplette Kämpfe nochmal spielen. Aber auch wenn es nur zwei oder ein Kampf ist, den man wiederholen muss, nervt es.

Fazit

Wer Banner Saga bisher noch nicht gespielt hat und neues Gaming-Material für die Switch sucht, sollte zuschlagen. Das Game begeistert auch auf der Switch, trotz Abstürzen, die hoffentlich per Patch entfernt werden. Wer Gefallen an dem Gameplay findet, darf sich freuen, denn Banner Saga 2 wurde mittlerweile ebenfalls für die Switch veröffentlicht. Teil Drei soll Ende Juli folgen.