Games 06.02.2018

Pixelart ist nicht Retro, es ist wie Impressionismus

Pixelart ist nicht Retro, es ist wie Impressionismus
© Pixwerk/11 Bit Studios

Obwohl er in der 3D-Ära aufgewachsen ist, entwirft Thomas Feichtmeir lieber Spiele im Stil der 80er- und 90er-Jahre. Der Tiroler ist von Beruf Pixel Artist.

Thomas Feichtmeir hat einen Beruf, den nur wenige haben: Er ist Pixel Artist. Der 26-jährige Tiroler entwirft und animiert seit fast vier Jahren Videospiele in der aus den 80er- und 90er-Jahren bekannten Optik. "Ich wollte immer Disney-Animator werden", erklärt Feichtmeir. Doch weil klassische Animationsfilme extrem aufwendig und mittlerweile rar geworden seien, habe er sich für eine andere Richtung entschieden.

"Pixel Art ist einer der wenigen Stile, die auch mit einer Bild-auf-Bild-Basis funktionieren. Aber da die Bilder so klein sind, kann man sie relativ gut animieren, auch allein." Seine Arbeit kann aktuell unter anderem im von Amiga-Klassikern inspirierten Shooter Tower 57 bewundert werden, zuletzt war Feichtmeir aber auch für das legendäre US-Studio WayForward tätig.

Besser als 3D

"Vom Künstlerischen her sehe ich das eigentlich nicht als Retro an, sondern eher wie Impressionismus als Medium", erklärt Feichtmeir. Einerseits ermögliche es Indie-Studios, Projekte deutlich kostengünstiger umzusetzen. Es sei aber auch eine ästhetische Entscheidung. "Jedes Medium hat Grenzen, auch 3D. Bei 2D hat man absolute Kontrolle darüber, wie sich Dinge voneinander abheben und wo die Kamera ist. Es ist auch viel einfacher zu stilisieren.

Tower 57
© Pixwerk/11 Bit Studios

Bei 3D hat man, von wenigen Ausnahmen abgesehen, mit Realismus genau einen Stil." Insbesondere die technischen Limitierungen von Pixel Art, beispielsweise ein geringer Farbraum oder niedrige Auflösung, seien eine große Stärke. "Wenn man jemandem 24 mal 24 Pixel gibt, geht es um grundlegende künstlerische Fragen. Wie sind die Kontraste, Farben und Formen? Was sind die Elemente und Proportionen? Das sind Fragen, die ich mir ohne diese Limits gar nicht stellen würde." Laut Feichtmeir sehe "extrem gute Pixel Art sehr einfach aus", erfordere aber ein hohes Maß an Fähigkeiten.

Keine Nostalgie

Mit Nostalgie habe seine Arbeit wenig zu tun: "Nostalgie verspüren jene Leute, die die Spiele kaufen. Wenn man meine Pixel Art mit alten Spielen vergleichen würde, sieht man, dass das ein ganz anderer Gedankenansatz ist." Wenn es um die Inspiration für seine Arbeit geht, muss Feichtmeir aber zugeben, dass er gerne in die Vergangenheit blickt. "Bei mir waren das vor allem Arcade-Automaten-Spiele wie Metal Slug, das wunderschön animiert war."

Er habe aber auch viel Inspiration aus Game-Boy-Advance-Spielen wie Fire Emblem VII, Final Fantasy Tactics Advanced oder Sword of Mana gezogen. Als er seine Fähigkeiten "unter Kontrolle gebracht hatte", seien aber auch andere Inspirationen eingeflossen, beispielsweise seine Begeisterung für klassische Horror- und Science-Fiction-Literatur, Disney- und japanische Anime-Filme sowie Architektur und Geschichte.

Selbst beigebracht

Dass der in Gebäudetechnik ausgebildete Ingenieur keine klassische Ausbildung an einer FH oder Universität durchlaufen hat, bereut er nicht. "Die Echte-Welt-Erfahrung und das Ausprobieren und darüber Reflektieren kann einem keiner beibringen." Er habe sich in seiner Freizeit immer wieder mit Pixel Art auseinandergesetzt und "mal ein paar Grafiken für dieses Projekt und dann ein paar für jenes" gemacht.

"Irgendwann geht das in eine Richtung und man sagt: ,Ja, jetzt machen wir ein Spiel’." Heute sind die Fähigkeiten von Feichtmeir gefragt, dennoch sagt sein Stil nicht jedem zu. Doch das kümmert den jungen Künstler nicht: "Es wird immer Menschen geben, denen etwas nicht gefällt. Damit muss man leben."

(futurezone) Erstellt am 06.02.2018