© Bethesda

Games
06/08/2019

Rage 2: Wenn Doom auf Mad Max trifft, fliegen die Fleischfetzen

Es gibt Spiele, die gefallen, auch wenn sie es eigentlich nicht sollten. Rage 2 ist so ein Fall.

von Gregor Gruber

Euch ist das sicher schon mal aufgefallen: In Filmen oder Serien spielt eine der Nebenfiguren mit Hingabe einen Shooter auf der Konsole, wenn der Hauptdarsteller das Wohnzimmer betritt. Anstatt eines populären Games, wie etwa Call of Duty oder Far Cry, ist es oft ein undefinierbares Game: Hauptsache es ist schnell, halbwegs bunt und hat viele Explosionen. Und genauso ein Spiel ist Rage 2 (PS4, Xbox One, PC).

Sobald man das realisiert hat, stellt man sich innerlich die Frage: Will man tatsächlich ein Game spielen, dass nur gut genug ist um zu zeigen, dass der Nebendarsteller lieber seine Zeit mit Videogames verschwendet, anstatt etwas Sinnvolles zu machen? Ich habe Rage 2 getestet.

Karge offene Welt

Falls ihr euch nicht mehr an den Vorgänger erinnern könnt: Ihr seid nicht alleine. Ich musste erst ein paar YouTube-Videos anschauen, um mich daran erinnern zu können, dass ich Rage 1 tatsächlich gespielt habe, als es im Jahr 2011 erschienen ist.

Für die Kenner des Vorgängers: Rage 2 spielt 30 Jahre nach Teil 1. Für alle anderen: Postapokalypse im Mad-Max-Stil, eine böse Spezies taucht auf, ihr müsst die Welt, bzw. was davon noch übrig ist, retten.

Die offene Welt ist relativ übersichtlich, verglichen zu dem, was andere Open-World-Games bieten. Im Vergleich zu Far Cry 5 oder Red Dead Redemption 2 wirkt sie fast klein. Das liegt auch an den weiten kargen, Landstrichen – schließlich ist es die Postapokalypse. Ich bin ein Fan von Spielen, die die Überreste der menschlichen Zivilisation zeigen. Bei Rage 2 wird das aber nur sporadisch und meist rudimentär eingesetzt. Auch die verschiedenen Landschaftsstile, mal mit ein paar mehr Bergen oder Sumpf, lassen die Einöde trotzdem Einöde bleiben.

Um sich schnell fortzubewegen, gibt es Vehikel, die bewaffnet und aufrüstbar sind. Der Kampf mit Fahrzeugen fühlt sich aber eher wie ein Gimmick an, anstatt wie ein integraler Bestandteil des Gameplays. Zum Glück ist dieser, bis auf eine Mission, optional.

Wie Doom in der Pubertät

Die Stärken von Rage 2 liegen woanders: Im Ballern. Schon nach dem Tutorial fühlt man sich dabei unweigerlich an die neueren Doom-Games erinnert. Das ist kein Zufall: Schließlich steckt mit Bethesda derselbe Publisher hinter Rage 2 wie hinter Doom. Entwickelt wurde Rage 2 von den Avalanche Studios, die 2015 das Mad-Max-Game gemacht haben, und id Software. Letztere kennt man natürlich als die Macher von Doom.

Die Kämpfe in Rage 2 sind dementsprechend: Schnell und brutal. Durch das Setting, die Gegner und den Grafikstil, bekommt das einen seltsamen Vibe. Es wirkt, als wäre Rage 2 der trotzige kleine Bruder des erwachsenen Doom oder wie Doom in der Pubertät. Das ist aber nichts Schlechtes, denn es macht Spaß.

Gravitations-Pfeil-Werfer

Daran sind maßgeblich die Spezialfähigkeiten beteiligt, die man durch Upgrades freischalten kann. Mit einer lassen sich etwa Handgranaten durch den Nahkampfangriff zurückschleudern. Eine andere kreiert ein Mini-Schwarzes-Loch, das Gegner und explosive Fässer zusammenzieht.

Mit den Waffen ist es ähnlich. Neben den üblichen Schießeisen gibt es etwa einen Revolver, dessen Projektile auf Knopfdruck die Feinde in Flammen aufgehen lassen. Das Highlight ist eine Waffe, die wahrlich anziehend ist. Sie verschießt Pfeile. Mit dem Sekundärfeuermodus wird dann ein einzelner Pfeil verschossen, auf den alle anderen Pfeile zu rasen – inklusive der Gegner und Gegenstände, in denen sie stecken. So kann man Mutanten und Soldaten wie Puppen durch die Landschaft schleudern, in Abgründe stürzen lassen oder ähnlich amüsant-übertriebene Tode sterben lassen.

Erst suchen, dann ballern

Ein Tipp an zukünftige Rage-2-Spieler: Die Waffen und Fähigkeiten sind in sogenannten Archen versteckt. Macht nicht denselben Fehler wie ich und wartet darauf, bis euch Rage 2 zu diesen Archen führt – das passiert nämlich nicht. Sucht euch lieber gleich die Locations im Internet heraus und holt gezielt die Waffen und Fähigkeiten, damit die Kämpfe abwechslungsreicher und amüsanter werden.

Wartet nicht zu lange damit, denn das Game ist schneller vorbei, als man denkt. Inklusive dem Großteil der Nebenmissionen, sowie den meisten Upgrades für Waffen und Fähigkeiten, wusste ich nach 20 Stunden Spielzeit nicht mehr, was ich noch tun sollte. Einen Multiplayer-Modus gibt es nicht.

Wer sich nur auf die Story konzentriert, ist wahrscheinlich schon nach weniger als 8 Stunden durch – und enttäuscht. Denn selbst für einen Shooter ist die Story mager, die Charaktere banal und der Humor an der Grenze zum Augendreher. Es gibt ein paar gute Momente, aber oft wirkt der Humor in Rage 2 so erzwungen, dass es ein bisschen weh tut.

Fazit

Muss ich mich dafür genieren, dass mir Rage 2 gefällt? Ein bisschen vielleicht. Das liegt zum einen daran, dass es ein wenig wie ein Doom für einfachere Gemüter wirkt und zum anderen, dass einige Aspekte des Spiels einfach nicht gut sind.

Hinzu kommt, dass das Game für ein Open-World-Spiel eher kurz ausgefallen ist. Von dem, was Spaß macht und genossen werden kann, ist also auch noch weniger vorhanden, als bei anderen Games. Daher meine Empfehlung: Warten, bis es Rage 2 günstiger gibt und dann in Häppchen genießen. Spielt man nur ein bis zwei Stunden am Stück, werden der knappe Umfang und zähneknirschende Humor des Games erträglicher.