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Spieletest Sniper Elite 3: Brutales Katz-und-Maus-Spiel mit den Nazis.

Sniper Elite 3
Sniper Elite 3 - Foto: 505 Games
Ohne die Röntgen-Ansicht, in der sich Gewehrkugeln in Slow Motion in Köpfe bohren, würde kaum jemand Sniper Elite kennen. Teil 3 der Serie hat mehr als nur das zu bieten.

Die Reihe Sniper Elite ist hauptsächlich durch die exzessive Gewaltdarstellung und Adolf Hitler bekannt. Seit dem ersten Teil gibt es eine Zeitlupen-Darstellung, in der in einer Röntgen-Ansicht die Kugel aus dem Scharfschützen-Gewehr in einen menschlichen Körper eindringt. Für den Nachfolger und jetzt auch Teil 3 gibt es DLCs, in denen Adolf Hitler erschossen wird.

Sniper Elite 3 (PS4, PS3, Xbox One, Xbox360, PC) kann aber mehr bieten als den Führer, dem in der Röntgen-Ansicht der Hode zerschossen wird. Die futurezone hat das Stealth-Action-Game getestet.

Sniper im Sandkasten

Wie schon beim Vorgänger übernimmt man die Rolle eine US-Scharfschützen im Zweiten Weltkrieg. Der Schauplatz des Spiels ist der Afrika-Feldzug. Anstatt in deutschen Häuserschluchten schleicht man in der Third-Person-View durch die sandige Wüstenlandschaft.

Die neue Umgebung wirkt sich positiv auf das Gameplay aus. Hatte man in Teil 2 noch das FPS-typische Gefühl einen Schlauch entlang zu laufen, sind die meisten Levels in Sniper Elite 3 von Beginn an offen. Man kann selbst entscheiden über welchen Weg man versucht an das Ziel heranzukommen, in welcher Reihenfolge man die optionalen Aufgaben erfüllt und ob man lieber den Nahkampf sucht oder sich ganz auf die Scharfschützen-Fähigkeiten verlässt.

Schleichen ist Trumpf

Obwohl es nur acht Levels gibt, kommen dennoch acht bis zehn Stunden Spielzeit zusammen. Sniper Elite 3 verleitet nämlich zum Schleichen und langsamen Vorgehen. Die schallgedämpfte Pistole ist deshalb mindestens genauso wichtig wie das Scharfschützengewehr. Mit ihr muss man zwar gefährlich nah ran an den Feind, dafür gibt es kein verräterisches Schussgeräusch.

Wie bei anderen Stealth-Games auch haben die Feinde verschiedene Alarm-Zustände. Ein gelber Kreis über den Feind heißt, dass er aufmerksam wurde und sich umsieht – etwa wenn er den Spieler vorbeihuschen gesehen oder eine Leiche gefunden hat.

Bei Alarmstufe Rot wurde der Spieler entdeckt. Jetzt fällt es deutlich schwerer zu entkommen und einen offenen Feuerkampf sollte man sich so nur leisten, wenn man eine gute Stellung hat. Denn im Nahkampf ist man gegen die Überzahl meist unterlegen, sofern man einen der zwei höchsten der vier Schwierigkeitsgrade gewählt hat. Die leichteren Schwierigkeitsgrade machen wenig Sinn. Sie nehmen die Spannung aus Sniper Elite 3 und machen aus dem tödlichen Katz-und-Maus-Spiel mit der Wehrmacht eine Nazi-Schießbude.

Leider wird auch im höchsten Schwierigkeitsgrad die KI nicht besser, die Gegner schießen nur genauer. Die Soldaten kommen zwar flotter bei verdächtigen Aktivitäten nachschauen, sind aber schnell desinteressiert und tun so als wäre nichts passiert - selbst wenn sie zuvor mehrere tote Kameraden entdeckt haben.

Scharfschütze

Auch wenn man mit dem Scharfschützengewehr Feinde aufs Korn nimmt, sollte man auf die Alarmzustände achten. Nach einem Schuss gehen die Gegner in Deckung, ein zweiter verrät die Position des Spielers.

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Foto: 505 Games
Um das zu vermeiden, sollte man nach dem ersten Schuss den Standort wechseln oder darauf achten, dass der Feind den Schuss nicht hört. So können stotternde Stromgeneratoren, donnernde 88er, vorbeirollende Panzer oder darüber rauschende Flugzeuge den Schussknall maskieren.

Per Tastendruck wird der zeitlich begrenzte Fokusmodus aktiviert. Ein roter Punkt im Fadenkreuz des Zielfernrohrs zeigt den Einschlag der Kugel an, um Wind und Distanz zu kompensieren. Zusätzlich läuft das Spiel in Zeitlupe ab, wodurch auch rennende Gegner noch gut erwischt werden können. Wer die wahre Herausforderung sucht verzichtet auf diese Zielhilfe. Das macht das Spiel zwar ungleich schwerer, aber das Erfolgserlebnis größer, wenn ein besonders schwieriger Schuss gelingt.

Hirn und Schädelsplitter

Bei tödlichen Schüssen wird die berüchtigte Killcam aktiviert. Man sieht in Super-Zeitlupe wie die Kugel den Gewehrlauf verlässt. Die Kamera dreht sich um das rotierende Projektil, dessen Geschwindigkeit die Luft rundherum zum Flimmern bringt. Je näher die Kugel dem Ziel kommt, desto lauter tönt ein bedrohliches Grollen aus den Lautsprechern.

Kurz vor dem Einschlag wird eine Röntgen-Ansicht aktiviert. Man sieht wie die Kugel sich in den Körper bohrt, ein Auge zerplatzt, der Kiefer zerbröselt, Teile des Schädels durch die Wucht explodieren oder das Herz und andere Organe (und Hoden) perforiert werden.

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Foto: 505 Games
Obwohl diese Gewaltdarstellung detailliert ist, wirkt sie nicht unpassend oder übertrieben. Es werden keine ganzen Köpfe gesprengt oder Gliedmaßen abgeschossen, wie bei anderen Games. Die visuelle und akustische Aufmachung lassen es wie aus einen Actionfilm erscheinen. Der Effekt ist so gut gemacht, dass er sich nicht abnützt. Sollte man dennoch genug davon haben, kann man die Killcam in den Einstellungen ausschalten.

Die Killcam wird nicht nur bei menschlichen Zielen aktiv. Schießt man auf ein Benzinfass oder den schlecht geschützten Tank eines Panzers, sieht man in der Röntgen-Ansicht wie das Projektil den Treibstoff entzündet und die Explosion entsteht. Das ist zwar nicht realistisch, sieht aber eindrucksvoll aus.

Rohdiamant

Die offeneren Levels und der größere Fokus auf Schleichen sind eine deutliche Verbesserung der Sniper-Elite-Reihe. Leider gibt es immer wieder Kleinigkeiten, die zeigen, dass dem Game noch der Feinschliff fehlt.

So scheinen Gegner durch manche Deckungen hindurchsehen zu können und werden alarmiert, obwohl man gut getarnt ist. Andere wiederum lassen sich nicht mit einer Nahkampfattacke ausschalten, obwohl man direkt hinter ihnen steht. Legt man Dynamit oder Stolperminen verschwinden diese gelegentlich im Boden.

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Foto: 505 Games
Die Grafik in der getesteten PS4-Version ist gut, aber nicht überragend. Die Animationen der Feinde sind manchmal hölzern und die Weitsicht wird durch einen grauen Schleier beschränkt. Die kurzen Dialoge und Monologe des Hauptcharakters grenzen ans Lächerliche, viel Story gibt es aber ohnehin nicht.

Das Gunplay könnte ebenfalls eine Überarbeitung vertragen. Abgesehen von der Killcam des Scharfschützengewehrs hat man beim Schießen mit Pistole und MP das Gefühl eine Spritzpistole zu verwenden – die Nazis scheinen nur aus Mitleid nach mehreren Treffern umzufallen.

Die freischaltbaren Waffen und Waffenteile für Scharfschützengewehre sind zu wenig und noch dazu für das Gameplay irrelevant. Man kann jedes Level mit jedem Gewehr meistern.

Im Multiplayer-Modus gibt es zwar nur fünf Karten, diese und die Modi sind aber gelungen. So gibt es etwa einen Modus, bei dem die Teams durch eine unsichtbare Wand getrennt sind. Man muss also snipen, Nahkampf gibt es nicht. Auch an einen Coop-Modus wurde gedacht, um mit einem Mitspieler online die Levels der Kampagne zu spielen.

Fazit

Das Entwicklerstudio Rebellion ist auf den richtigen Weg, aber noch nicht ganz angekommen. Sniper Elite 3 macht fast alles besser als der Vorgänger, aber hat auch wieder unnötige Bugs und störende Kleinigkeiten, die wahrscheinlich mit etwas mehr Entwicklungszeit vermieden hätten werden können.

Dennoch macht Sniper Elite 3 Spaß, wenn man etwas für Stealth-Action-Games übrig hat. Die großen Levels laden zum Schleichen, Taktieren und Verstecken ein, was eine erfrischende Abwechslung zu den üblichen, linearen Shootern ist.

(futurezone) Erstellt am 20.07.2014, 06:00

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