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Meinung
12/08/2019

Der größte Blödsinn des Jahres

Es ist Zeit zurückzublicken: Was war der größte unwissenschaftliche Unsinn des Jahres 2019? Am 13.12. wird wieder das „Goldene Brett vorm Kopf“ vergeben.

von Florian Aigner

So lange es Menschen gibt, wird Blödsinn behauptet. Die einen verkaufen kosmische Bergkristalle mit magischer Einhorn-Energie, die anderen halten lebensrettende Impfungen für eine dunkle, gefährliche Verschwörung. Dass sich plötzlich weltweit flächendeckend der rationale Verstand durchsetzt, ist nicht zu erwarten.

Auch in diesem Jahr hat sich das wieder deutlich gezeigt. Und so wird es nun Zeit zurückzublicken: Am 13.12. wird das „Goldene Brett vorm Kopf“ vergeben – der Preis für den größten unwissenschaftlichen Unsinn des Jahres. Unter den Nominierungen, die online gesammelt wurden, finden sich einige echte Perlen.

Klima-Schwurbelei

Das Thema „Klimawandel“ spielt auch hier eine Rolle: Mehrere Politiker und Parteien wurden nominiert, weil sie den wissenschaftlich längst gut belegten Klimawandel mit fadenscheinigen Argumenten anzweifeln. Für Kopfschütteln sorgte auch die emeritierte Professorin Claudia von Werlhof: Sie vermutet, dass CO2 gar nichts mit dem Klimawandel zu tun hat – der entstehe nämlich durch „militärisches Geo-Engineering“, durch finstere Mächte, die mit geheimen Methoden den „Planeten in eine Kriegs- und Massenvernichtungs-Maschine“ verwandeln wollen.

Nominiert wurde auch die Geistheilerin Ira Wolff, eine aufstrebende Newcomerin in der Esoterik-Szene. Sie kann nicht nur in die Zukunft blicken, sondern auch zerbrochene Beziehungen kitten und Energie spenden – gerne auch per Fernheilung. Das ist vermutlich nicht ganz billig, aber das macht nichts, denn spirituelle Reichtums-Beratung bietet sie ebenfalls an: „Denke reich, fühl Dich reich und Du bist reich!“ Keine Frage: Wer da arm bleibt, wollte es wohl nicht anders.

Beliebt sind auch scheinwissenschaftliche Technologien: Speziell „programmierte“ Aufkleber fürs Handy etwa, die angeblich Elektrosmog abhalten, oder die berühmte Firma Grander, die „belebtes“ mit „Information“ aufgeladenes Wasser anbietet. Was das physikalisch bedeuten soll, ist schwer zu sagen. Aber dieses Jahr behauptete die Firma, die „theoretischen Grundlagen“ der Wasserbelebung endlich bewiesen zu haben. Ein Fall fürs Nobelpreiskomitee – oder eher fürs Goldene Brett?

Nominiert wurde auch das „Original Play“-Konzept, das in Österreich für Diskussionen sorgte: Dabei geht es um das körperkontaktbetonte Spiel zwischen Kindern und Erwachsenen. Eine wissenschaftlich akzeptierte Basis dafür gibt es nicht.

Spitzenthema Homöopathie

Besonders viele Nominierungen hatten mit einem recht alten Thema zu tun – der Homöopathie. Sie ist eigentlich gut erforscht, aufwändige Studien kamen zu dem Ergebnis, dass Homöopathie keine Wirkung hat, die über den Placeboeffekt hinausgeht. Der Bayerische Landtag beschloss trotzdem, eine weitere Studie in Auftrag zu geben – und zwar nicht über ein harmloses Anwendungsgebiet, sondern über die Frage, ob man mit Homöopathie den Bedarf an Antibiotika reduzieren kann. Sollte man dann nicht vielleicht auch eine Schiffsexpedition um den Globus finanzieren, um sicherzugehen, dass die Erde nicht doch eine Scheibe ist?

Auch die Homöopathie-Firma Hevert kam in die Schlagzeilen, durch ihren aggressiven Umgang mit Gegnern: Prominente Homöopathie-Kritiker wurden aufgefordert, ab sofort die Behauptung zu unterlassen, dass Homöopathie nicht über den Placeboeffekt hinaus wirksam sei, sonst werde eine Strafe fällig. Den wissenschaftlich-rationalen Diskurs fördert man so wohl nicht.

Beeindruckend ist auch die Welt der „informierten Globuli“: Bei dieser neuen Strömung der Homöopathie werden die Zuckerkügelchen nicht mehr eingenommen, sondern einfach in einem Glasröhrchen am Körper mitgetragen. Eigentlich hätte das einen Preis für Umweltschutz und Nachhaltigkeit verdient: Die Globuli werden nicht verbraucht, sondern können jahrelang verwendet werden. Und es ist stark anzunehmen, dass sie exakt genauso gut wirken wie herkömmliche Homöopathika.

Ob einer dieser Nominierten mit dem „Goldenen Brett“ ausgezeichnet wird, oder wer sonst den Preis für den größten Unsinn des Jahres erhält, kann man am 13.12. um 20:15 in der Wiener Urania live mitverfolgen. An würdigen Kandidaten herrscht jedenfalls kein Mangel.

Zur Person

Florian Aigner ist Physiker und Wissenschaftserklärer. Er beschäftigt sich nicht nur mit spannenden Themen der Naturwissenschaft, sondern oft auch mit Esoterik und Aberglauben, die sich so gerne als Wissenschaft tarnen

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