Netzpolitik
26.09.2018

Es gibt keine österreichische Gemeinde ohne .at-Domain

Die .at-Domain feiert ihren 30. Geburtstag: Das Internet wurde von einer akademischen Einrichtung zum Massenbetrieb

Vor 30 Jahren wurde in Österreich die Internet-Endung .at durch eine Gruppe von Wissenschaftlern um Peter Rastl, dem „Vater des Internets in Österreich“, an der Universität Wien eingetragen. Als Antwort auf seine Mail, die Endung bitte im Domain Name System (DNS) einzutragen, kam lapide zurück: „Done.“ „Das würde man heute anders machen und so ein Prozess dauert jetzt mitunter Jahre“, sagte Richard Wein, Geschäftsführer der Domainverwaltungsstelle nic.at, am Mittwoch vor Journalisten.

Was sich geändert hat

„Jetzt sind wir eher mit einer Sättigung am Domainmarkt konfrontiert“, so Wein: „Und mit juristischen Themen und formalen Anforderungen.“ Damals war das Internet noch eine rein akademische Einrichtung, in der Wissenschaftler kommunizieren und Daten austauschen konnten.

1988 wurde die .at-Endung auf Betreiben der Uni Wien zum DNS hinzugefügt. Nachdem die Uni Wien dann einige Jahre lang die öffentliche Domainvergabe verwaltet hatte, übernahm diese Aufgabe zehn Jahre später nic.at, weil der rechtliche und administrative Aufwand für die Uni kaum mehr zu bewältigen war.

„Das zunehmende kommerzielle Interesse am Internet hat eine geordnete Domainverwaltung notwendig gemacht“, erzählt Wein. Zu diesem Zeitpunkt gab es rund 30.000 registrierte .at-Domains, die nach der Gründung von nic.at von drei Angestellten verwaltet worden waren. „Bis heute wurden in Österreich knapp 1,3 Millionen .at-Domains registriert und Nic.at ist auf 63 Angestellte gewachsen“, sagt Wein im Gespräch. „Bisher gab es keinen einzigen Ausfall unseres Systems“, sagt Wein

Domainlandkarte für .at

Anlässlich des Jubiläums präsentierte nic.at am Mittwoch auch eine Domainlandkarte über die in Österreich registrierten Domains. Dazu hat der Registrar Zahlen von nic.at mit Bevölkerungszahlen von Statistik Austria zusammengeführt und analysiert. „ Wien führt mit 149 Domains pro 1000 Einwohner das Bundesländerranking an“, erklärt Wein.

Auf Gemeindeebene hat der erste Wiener Gemeindebezirk österreichweit die höchste Dichte an registrierten Domains, gefolgt von Holzhausen, einer Gemeinde in Oberösterreich und Untertauern in Salzburg. Das Skigebiet hat mit 437 .at-Domains fast so viele Domains wie Einwohner (466). Eisenstadt ist auf dem ersten Rang der Landeshauptstädte, das Burgenland selbst liegt im Bundesländerranking auf dem letzten Platz.

Keine Gemeinde ohne Domain

Selbst in Dörfern mit weniger als 70 Einwohnern sind .at-Domains registriert. „Es gibt in Österreich keine Gemeinde ohne .at-Domain. Das freut uns ganz besonders,“ so Wein.  Doch die .at-Domain spielt auch im Wirtschaftsbereich eine wichtige Rolle. 99,7 Prozent der österreichischen Unternehmen mit mehr als zehn Mitarbeitern nutzen das Internet. 85,6 Prozent dieser Unternehmen haben eine eigene Website.

„Viele Domains an einem Ort sind meist ein Zeichen für wirtschaftliche Prosperität und einen demographischen Ballungsraum,“ erklärt Robert Schiscka, Co-Geschäftsführer von nic.at, der auch die österreichische „Internet-Feuerwehr“ cert.at leitet.

Gefahren im Web

„Das Internet ist jetzt auch nicht mehr ganz der lauschige Platz wie früher, sondern ein Spiegel unserer Gesellschaft geworden mit Lug und Betrug“, so Schiscka zur Notwendigkeit der Gründung von Cert.at, einen nicht behördlichen Ansprechpartner für IT-Sicherheit im nationalen Umfeld. Neben dem GovCert, das für den öffentlichen Sektor zuständig ist, gibt es auch noch das Austrian Energy Cert für den österreichischen Energiesektor. „Vor 30 Jahren konnte sich keiner vorstellen, was das Internet einmal für Dimensionen annehmen wird“, sagt der IT-Experte.

„Wir wissen nicht, ob die jetzt eingesetzten Technologien in 20 Jahren noch existieren werden“, sagt Wein. „Und ob es DNS noch geben wird. Die Tendenzen sagen allerdings ja. Nach Hurrikan Elma war das Internet das Erste, das sie wieder aufgebaut haben an Infrastruktur“, erklärt Wein. Schiscka empfiehlt zu diesem Zweck, auf möglichst unterschiedliche Systeme zu setzen. „Wenn es nur Monokulturen gibt, ist die Gefahr von längerfristigen Infrastruktur-Ausfällen am größten.“