Serie "Inside facebook"

Facebook: Ortungsfunktion "Places" im Test

"Teile mit, wo du dich gerade aufhältst", "Verbinde dich mit Freunden, die sich in der Nähe befinden" und "Finde lokale Angebote": So bewirbt das Online-Netzwerk Facebook - in Österreich aktuell mit 2,25 Millionen Mitgliedern - seine Ortungsfunktion "Places". Während Deutschland und die Schweiz bereits für den Dienst freigeschaltet sind, ist "Places" für österreichische Nutzer noch nicht verfügbar.

Offenbar müssen die "Points Of Interest", die Facebook von einem externen Anbieter zukauft, noch in das System eingepflegt werden. Denn "Places" sieht vor, dass die Nutzer ihren Aufenthaltsort nicht als GPS-Koordinaten, sondern vielmehr anhand eines bestimmten Platzes - ein Geschäft, ein Café oder einen Club - bekannt geben.

Über Sinn und Zweck von Places sagte DACH-Chef Scott Woods im Dezember im FUTUREZONE-Interview: "Der Grundgedanke von Places ist, dass man Freunde in der Umgebung finden kann, und wurde entwickelt, weil das die Leute ohnehin schon tun: Ich bin gerade hier, ich fliege gerade dorthin. Jetzt ist das ein eigenes Feature, ein eigenes Produkt."

An Orten einchecken
Über ein Virtuelles Privates Netzwerk (VPN) konnte die FUTUREZONE "Places" bereits einem Test unterziehen. Wie es schon von Ortungsdiensten wie Foursquare und Gowalla bekannt ist, kann man auch bei "Places" an Orten einchecken. Dazu ermittelt das Smartphone via GPS, Handy-Funk und/oder WLAN den ungefähren Standort und schlägt eine Reihe an Orten in der Nähe vor. Aus dieser Liste kann man einen Ort auswählen und sich mit einem Klick auf "Ich bin hier" als Gast des Ortes eintragen.

Diese Information wird in Echtzeit im eigenen Facebook-Profil angezeigt und über den Newsfeed an Freunde verteilt. Alle Facebook-Kontakte bekommen so "live" die Information über den eigenen gegenwärtigen Aufenthaltsort. Da die Ortung nicht exakt ist, kann man aber auch in Shops, Geschäften und Lokalen einchecken, die man gar nicht betreten hat oder die Dutzende Meter entfernt sind, wie der FUTUREZONE-Test zeigt.

Außerdem kann man nachschauen, wer noch an dem Ort eingecheckt hat und bekommt eine Liste jener Personen, die das getan haben. Wer nicht in dieser Liste aufscheinen will, muss in den Privatsphäre-Einstellungen das entsprechende Häkchen setzen. Der Menüpunkt nennt sich derzeit recht sperrig //"Mich im "Personen, die jetzt hier sind"-Abschnitt anzeigen, nachdem ich angegeben habe, wo ich mich befinde"//. Bemerkung am Rande: Während in der iPhone-App die Orte auf Google Maps markiert werden, werden dieselben Orte im Web auf Bing Maps von Microsoft vermerkt.

Andere Personen taggen
Beim Orten der eigenen Person bleibt es bei "Places" aber nicht: Anders als andere GPS-Dienste erlaubt Facebook es, auch andere Personen zu lokalisieren. Hat man an einem Ort eingecheckt, darf man all jene Facebook-Freunde am gleichen Ort taggen, die das über ihre Privatsphäre-Einstellungen erlaubt haben. Deren Position wird aber in keiner Weise verifiziert. Das bedeutet, dass man einen Facebook-Nutzer an einem bestimmten Ort einchecken kann, obwohl er sich gerade ganz woanders aufhält.

Wird man durch eine andere Person an einem Ort markiert, informiert eine Benachrichtigung im eigenen Profil bzw. - sofern eingestellt - eine E-Mail darüber. Im Nachhinein kann man den Ort als auch den Eintrag darüber aber auch löschen. Wer sich von vornherein nicht durch seine Facebook-Kontakte orten lassen möchte, muss dies in den Privatsphäre-Einstellungen angeben.

Eigene Orte anlegen
Sollte ein Ort noch nicht in der Facebook-Datenbank vermerkt sein, kann man über ein kleines "+"-Symbol in der App einen neuen anlegen - was im FUTUREZONE-Test einwandfrei funktionierte. In Echtzeit wird im Online-Netzwerk eine zugehörige Facebook-Orteseite angelegt, die ab sofort über die Suchfunktion auffindbar ist. Wer einen Ort anlegt, bekommt automatisch auch die Administrationsrechte für diesen Ort übertragen und kann Namen, Beschreibung und Foto bearbeiten.

Die Administratorrechte über einen Facebook-Ort sind allerdings nicht in Stein gemeißelt: Legt man ein Geschäft oder einen Firmensitz an, kann das Unternehmen einen so genannten "Claim" (Klick auf "Ist das dein Unternehmen?") stellen. Nach einem Verifizierungsanruf durch einen Facebook-Mitarbeiter wird ein Vertreter des Unternehmens zum Inhaber. Privatpersonen haben in diesem Fall das Nachsehen.

Der Sinn dahinter: Über die Orteseiten sollen Unternehmen künftig Gutscheine am Handy anbieten können. Nutzer können sie orten lassen, bekommen die Angebote in der näheren Umgebung angezeigt und können diese einfach durch das Vorzeigen der Facebook-App an der Kassa einlösen (nähere Infos hier).

Überblick über die Voreinstellungen
Bevor man anfängt, "Facebook Places" zu nutzen, sollte man sich mit den Voreinstellungen vertraut machen, die gegebenenfalls geändert und den eigenen Bedürfnissen angepasst werden müssen.

# 1. //Nur direkte "Freunde" dürfen andere Personen markieren//
# 2. //Orte, die man besucht, sind für alle "Freunde" sichtbar//
# 3. //Dass andere Personen sehen können, ob man sich gerade am selben Ort eingetragen hat, ist aktiviert//
# 4. //Ob man von Facebook-Freunden an Orten getaggt werden darf, ist nicht eindeutig vordefiniert. Wird man das erste Mal via "Places" lokalisiert, bekommt man eine Benachrichtigung, über die man die Funktion freischaltet oder sperrt. Diese Entscheidung gilt ab sofort, bis man sie über die Privatsphäre-Einstellungen wieder ändert.//

Generell ist positiv festzuhalten, dass Facebook bei Places auf das oft kritisierte "Opt-out"-Verfahren verzichtet hat. User, die den Dienst nutzen wollen, müssen diesen selbst aktivieren.

Mehr zum Thema:
Wie man seine Daten auf Facebook schützt
Facebook: Ungefragte Datenweitergabe startet
Facebook-Manager: "Der Like-Button ist Mundpropaganda"

(Jakob Steinschaden)

In der neuen Serie Inside Facebook gibt
die FUTUREZONE regelmäßig Einblick in die aktuellsten Entwicklungen und wichtigsten Funktionsweisen des Online-Netzwerks.

Der VPN-Trick
Wann Places in Österreich startet, ist derzeit noch unklar. Ein in Insiderkreisen gehandelter Start im Dezember 2010 konnte nicht eingehalten werden. Die FUTUREZONE konnte "Places" trotzdem schon einem eingehenden Test unterziehen: Über ein "Virtuelles Privates Netzwerk" (VPN, Anleitung zu Installation hier) kann man der iPhone-App von Facebook vorgaukeln, kein österreichischer Nutzer zu sein - und schon erlaubt das Mini-Programm, einzuchecken, selber Orte anzulegen und Facebook-Freunde zu verorten. Der VPN-Trick wurde am iPhone durchgeführt, sollte aber auch für alle anderen Facebook-Apps (Android, WP7, BlackBerry, WebOS) funktionieren.

Links:
VPN-Anleitung von Webfeuer.at
Offizielle Facebook-Seite zu "Places"
Interview mit DACH-Chef Scott Woods

Hat dir der Artikel gefallen? Jetzt teilen!

Jakob Steinschaden

mehr lesen Jakob Steinschaden

Kommentare

Liebe Community! Unsere Developer arbeiten derzeit fleißig daran ein neues Kommentarsystem für euch zu entwickeln! Bald könnt ihr dann auch über diesem Wege mit uns in Kontakt treten und wir freuen uns schon auf viele interessante Kommentare!