Netzpolitik
12/11/2018

HoT: "Wertkarten-Registrierung ist sinnlos"

Ventocom-Chef Michael Krammer rechnet mit Kosten in Millionenhöhe. Weiterverrechnet werden könnten sie dem Staat.

Kommendes Jahr endet in Österreich das Zeitalter der anonymen Handy-Wertkarten: Ab 1.1. müssen die Betreiber jene Menschen, die sich eine neue Wertkarte kaufen, mit ihrem Namen und ihrem Geburtsdatum registrieren. Bestandskunden – also jene, die bereits eine Wertkarte haben – müssen bis 1. September 2019 registriert werden. Datenschützer sorgen sich um diesen Aspekt des von der Regierung beschlossenen Sicherheitspakets, und auch die Betreiber können der Neuerung wenig abgewinnen, wie unter anderem Ventocom-Geschäftsführer Michael Krammer ausführt: „Das ist eine Verbürokratisierung, die nicht mehr Sicherheit bringt.“

Denn es handelt sich bei der Wertkarten-Registrierung nicht um eine europäische, sondern um eine rein österreichische Lösung. Wer es also darauf anlegt, anonym zu telefonieren und, der kann sich zum Beispiel in Tschechien eine anonyme Wertkarte holen und diese in Österreich nutzen. Außerdem gibt es für Bestandskunden viel Spielraum, denn wer die Deadline des 1.9. verpasst, der muss sich erst bei der nächsten Wiederaufladung registrieren: Man kann also theoretisch seine Wertkarte Ende August 2019 aufladen und kann somit noch ein Jahr, also bis Ende August 2020, anonym telefonieren.

Der Steuerzahler zahlt die Rechnung

Hofer Telekom wird ab 2.1. jedenfalls die Registrierung der Wertkarten in den Supermärkten ermöglichen. Dazu sind die Mitarbeiter mit Smartphones und einer speziellen App ausgestattet. Mit der App scannen sie den Barcode der SIM-Karte und fotografieren anschließend den Ausweis des Kunden. Der Prozess dauert laut Krammer an der Kassa rund eine Minute. Alternativ dazu kann man sich online über ein Foto-Ident-Verfahren registrieren, bei dem eine Software das Gesicht des Kunden verifiziert oder ein Bank-Ident-Verfahren nutzen, bei dem die Identität über das Bankkonto nachgewiesen wird.

„Die Registrierung an sich ist meiner Meinung nach sinnlos, aber bei der Durchführung gibt es zum Glück einen gewissen Pragmatismus“, sagt Krammer. Dennoch: Die Umrüstung wird allein Hofer Telekom „einen namhaften Millionenbetrag“ kosten. Bei den anderen Anbietern ist mit vergleichbaren Kosten zu rechnen, welche die Mobilfunkbetreiber sich wiederum vom Staat zurückholen können – im Endeffekt wird also der Steuerzahler dafür zur Kassa gebeten, dass seine SIM-Karte registriert wird.

Kunden wollen anonym bleiben

Laut einer aktuellen marketagent-Studie werden 53 Prozent der österreichischen Wertkarten anonym genutzt. Zwei Drittel der rund 1000 Befragten wissen überhaupt nicht, dass die Registrierung überhaupt kommt. Und 15 Prozent der Anonym-Nutzer geben an, ab Inkrafttreten der Registrierungspflicht keine Wertkarte mehr zu nutzen.

„Drei bis vier Millionen Österreicher sind davon betroffen, jedes Jahr werden sechs bis 800.000 neue Wertkarten verkauft“, sagt Krammer: Darunter sind Saisonarbeiter, Kinder und Jugendliche oder Menschen, die das Wertkartenhandy als Zweithandy nutzen, weil sie zum Beispiel bei Online-Inseraten nicht ihre Haupt-Telefonnummer teilen möchten.