© Kurier / Gilbert Novy

Netzpolitik
05/21/2019

Wie es nun mit Straches Facebook-Seite weitergeht

Heinz-Christian Strache ist nicht mehr FPÖ-Parteiobmann, erreicht aber mit seiner Facebook-Page immer noch rund 800.000 Personen. Was könnte aus der Seite werden?

von Florian Christof, Christoph Schattleitner

Der ehemalige FPÖ-Chef ist seit Jahren der österreichische Politiker mit den meisten "Fans" auf Facebook. Strache versteht es wie kaum ein anderer aktiver Politiker, die Social-Media-Plattform zu bedienen: Nicht selten spielt er mit Emotionen, postet provokante Inhalte, verweist auf dubiose Quellen und verlinkt besonders oft auf polarisierende Artikel der Kronen Zeitung.

Seit Strache als FPÖ-Parteiobmann im Zuge der Ibiza-Affäre zurückgetreten ist, stellt sich die Frage, wie es mit dem wichtigsten Facebook-Kanal der Freiheitlichen Partei weitergeht. Die FPÖ konnte die Frage gegenüber der futurezone noch nicht beantworten - eine entsprechende Anfrage läuft.

Ein Exodus der Facebook-Fans ist zumindest bislang ausgeblieben: Seit Bekanntwerden der Ibiza-Videos haben rund 1200 Fans die Seite verlassen. Straches Facebook-Auftritt versammelt aber immer noch 799.000 Fans.

Wie geht es mit Strache selbst weiter?

Entscheidend für die Zukunft der Seite ist, wie es mit dem Politiker Strache in und nach der Regierungskrise in den kommenden Wochen und Monate weitergeht: Bleibt er der FPÖ erhalten, wird sich vermutlich am Facebook-Auftritt des ehemaligen Parteichefs nichts Grundlegendes ändern.

Sollte es weitere Enthüllungen geben oder gar rechtliche Schritten wegen des Ibiza-Videos eingeleitet werden, könnte es eventuell dazu kommen, dass sich Strache als Politiker zurückzieht oder gar die FPÖ verlässt. In diesem Fall wäre die Zukunft der Facebook-Seite höchst ungewiss. Die Facebook-Seite des zurückgetretenen FPÖ-Politikers Johann Gudenus wurde nach dessen Parteiaustritt jedenfalls umgehend gelöscht beziehungsweise ruhend gestellt. Zum diesem Zeitpunkt zählte die Facebook-Page rund 127.000 Fans.

Wem gehört die Facebook-Seite?

"Zunächst müsste geklärt werden, wer Kontrolle über die Strache-Seite hat", erklärt der Politikberater Yussi Pick im Gespräch mit der futurezone. Im Impressum ist zumindest die Freiheitliche Partei Österreich ausgewiesen. "Aber wer welche Administratorzugänge hat ist nicht ersichtlich." Wie eine futurezone-Recherche zeigt, war die FPÖ allerdings nicht immer im Impressum angegeben. Ein Screenshot vom 28.08.2017 zeigt, dass damals noch der FPÖ-Parlamentsklub eingetragen war. Was diese Änderung rechtlich bedeutet, ist derzeit noch unklar.

Würde sich die Partei dazu entscheiden, Strache die Seite wegzunehmen, müsste wohl auch der Name der Facebook-Page geändert werden. "Dann stellt sich die Frage, wie Facebook auf eine Umbenennung der Seite reagiert", sagt Pick. Das soziale Netzwerk könnte einen anderen Namen der Seite akzeptieren, aber auch ablehnen – und das bei zwei unterschiedlichen Namen, nämlich dem Titel der Page und der URL.

Im schlimmsten Fall würde die FPÖ dann die Seite des ehemaligen Parteichefs verlieren. "Für die Partei wäre das natürlich dramatisch, weil viel Arbeit und Geld in den Aufbau der Facebook-Seite geflossen ist", so Pick.  

Straches Seite nicht mehr das einzige Zugpferd

"Es gäbe auch die Möglichkeit, die Seite von Strache mit jener von Hofer zu verschmelzen", so der Politikberater. Auch das sei aber ein Prozess, der auf Facebook nicht immer reibungslos funktioniert. Hofer habe im Zuge der Präsidentschaftswahlkämpfe und auch zuletzt als Infrastrukturminister bereits eine eigene Fanbase aufbauen können. Mit nicht ganz 340.000 Fans zählt die Facebook-Seite von Hofer ebenso zu den erfolgreichsten heimischen Politiker-Auftritten in dem sozialen Netzwerk.  

Straches Facebook-Seite habe zwar die meisten Fans, sei aber im digitalen Raum längst nicht mehr das einzige Zugpferd der Freiheitlichen, erklärt Kommunikationsberater Pick. Die Partei habe sich in den vergangenen Jahren wesentlich breiter aufgestellt und verfüge mittlerweile über zahlreiche erfolgreiche digitale Kanäle, um Akzente zu setzen. Dazu zählen zahlreiche erfolgreiche Facebook-Seiten der einzelnen FPÖ-Protagonisten und -Organisationen sowie die umstrittenen, FPÖ-nahen Online-Portale wie unzensuriert.at.

Seite wird wohl bleiben

Anzunehmen ist also, dass sich die FPÖ - unabhängig davon wie es mit Strache weitergeht - die reichweitenstarke Facebook-Seite des ehemaligen Parteichefs nicht nehmen lassen wird. Denkbar wäre natürlich auch, dass die Seite bleibt und sie eine Art Kommentatorenfunktion einnimmt. "Es ist durchaus vorstellbar, dass Strache über seinen Facebook-Auftritt als normaler Bürger oder einfache Politiker immer wieder von der Seite in das politische Geschehen reingrätschen wird", schätzt Pick. "Wenn nicht über die Facebook-Page dann zumindest über sein Privatprofil mit immerhin 50.000 Followern."