Netzpolitik
09/01/2015

Wikileaks dementiert Beteiligung an Snowden-Fluchtplan

Interviewaussagen des Wikileaks-Gründers Assange wurden angeblich falsch übersetzt. Dieser soll Snowden zur Flucht mit Boliviens Präsident Morales geraten haben.

Wikileaks war nach eigenen Angaben nicht an Planungen einer angeblich 2013 erwogenen heimlichen Ausreise aus Russland des ehemaligen US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden an Bord der bolivianischen Präsidentenmaschine beteiligt. Die bolivianischen Zeitung "El Deber" habe Aussagen von Wikileaks-Gründer Julian Assange falsch übersetzt, teilte das Enthüllungsportal am Montag via Twitter mit.

Zwischenlandung in Wien

Es habe keine Gespräche zwischen Wikileaks-Vertretern und Venezuelas Staatschef Nicolas Maduro gegeben, um Snowden in der offiziellen Maschine des bolivianischen Präsidenten Evo Morales heimlich aus Moskau auszufliegen. Auch habe Wikileaks zu keinem Zeitpunkt von einem solchen Plan Kenntnis gehabt.

Die Zeitung "El Deber" hatte am Sonntag unter Berufung auf ein Gespräch mit Assange in der Botschaft Ecuadors in London berichtet, Wikileaks habe mit Vertretern der Regierung Venezuelas erörtert, ob Snowden in der Maschine von Morales ausgeflogen werden könne. Der Plan sei aufgegeben worden, als klar wurde, dass europäische Regierungen den Überflug des Flugzeugs von Morales verbieten wollten. Der Präsident musste deshalb in Wien zwischenlanden.

Zeitung bleibt bei Aussage

Die Redaktion von "El Deber" blieb auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur jedoch bei ihrer Darstellung des Gesprächs mit Assange. Die englische Aufzeichnung entspreche exakt der spanischen Übersetzung.

Maduro und Morales hatten im Juli 2013 an einer internationalen Konferenz in Moskau teilgenommen. Snowden hielt sich zu der Zeit auf dem Moskauer Flughafen Scheremetjewo auf. Die Maschine von Morales wurde dann auf dem Rückflug zu einer Zwischenlandung in Wien gezwungen. Erst als klar war, dass sich Snowden nicht an Bord befand, durfte sie weiterfliegen.