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Mobilfunk 3TV: Drei wird Fernsehanbieter und kritisiert ORF.

Fernseher, Fernsehgerät, Fernsehen, Smartphone
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Fernseher, Fernsehgerät, Fernsehen, Smartphone Bildnummer: 47754040 - Foto: /iStockphoto/Leonardo Patrizi
Drei bietet seinen Kunden künftig günstiges Kabel-Fernsehen zum Mitnehmen an. Wie A1 setzt man dabei auf ein rechtlich umstrittenes Zusatzangebot.

Der Mobilfunker Drei geht unter die Kabel-Anbieter, will aber auf den Kabel-Anschluss verzichten. Das Kabelsignal wird stattdessen IP-basiert über das Internet bereitgestellt, sodass man es jederzeit mobil oder zuhause am Smart TV oder Computer abrufen kann. Das Angebot trägt den Namen 3TV und kann von allen Drei-Kunden als Zusatzpaket für 7,90 Euro pro Monat dazu gebucht werden. Zudem wird ein kostenloser Probemonat angeboten. Damit reagiert Drei auch auf das im März gestartete Streaming-Angebot "A1 Now" (zum futurezone-Test). Die Leistungen der beiden Pakete ähneln sich stark: 40 TV-Sender, gleiche Monatsgebühr sowie einen Online-Rekorder, der automatisch alle Sendungen der vergangenen sieben Tage aufzeichnet.

Für alle Plattformen verfügbar

Laut Drei-CEO Jan Trionow machen Video-Anwendungen bereits jetzt 50 Prozent des gesamten Datenverkehrs aus, auch dank Streaming-Anbietern wie Netflix oder Amazon Instant Video. "Die neuen Formate greifen und gewinnen immer mehr an Bedeutung." Dennoch ist das Ende des linearen Fernsehens offenbar noch nicht gekommen: Laut einer Marketmind-Studie mit 810 Teilnehmern nutzen 88 Prozent der österreichischen Haushalte weiterhin lineares Fernsehen, 63 Prozent bezeichnen es als wichtig. Und auch die Tatsache, dass die Netzauslastung zur "Prime Time" (zwischen 20 und 21 Uhr) am stärksten ist (mehr als 160 Gbit/s, ein Zehntel davon kommt von Netflix), weist auf bekanntes Verhalten hin.

3TV
Foto: Drei
Hier glaubt Drei einen Trend erkannt zu haben. "Wir haben bereits früh begonnen, Fernsehen mobil zu machen", so Drei-COO Rudolf Schrefl. "3TV ist jetzt der erste massentaugliche Schritt in die Wohnzimmer." Im Vergleich zum Konkurrenzangebot von A1 kann man eine größere Bandbreite an Plattformen bieten. So werden zum Start neben Apps für iOS und Android auch Ableger für Amazons Fire TV und den Apple TV angeboten. Zudem sollen Apps für Android TV und Samsungs Tizen folgen. Wie Samsung ergänzt, wäre es so theoretisch auch möglich, auf Samsungs neuem Kühlschrank mit Tizen das Fernsehprogramm zu verfolgen. 

Googles Chromecast wird ebenfalls unterstützt. Der Dienst kann auf zwei Geräten gleichzeitig genutzt werden. In einem Punkt muss man sich aber vorerst A1 geschlagen geben: Während A1 Now bereits zwölf HD-Sender bietet, sind bei 3TV nur sieben enthalten. HD-Streaming ist auf allen Geräten möglich, außer Android-Smartphones und iPhones.

Streit um Online-Rekorder

Wie A1 Now bietet man auch eine rechtlich umstrittene Dienstleistung an: Einen Online-Videorekorder, der selbstständig alle Sendungen der vergangenen sieben Tage aufzeichnet und abrufbar macht. Der Verband Österreichischer Privatsender (VPÖ) kündigte bereits im März an, dass man rechtliche Schritte gegen A1 prüfe, da man womöglich gegen Urheberrecht verstoße. Bislang wurde aber laut A1 noch keine Klage eingereicht. Wie A1 legt Drei sein Angebot als "Privatkopie" aus. "Wir sind davon überzeugt, dass es eine Privatkopie ist, da der Nutzer die Aufnahme startet", so Schrefl. Demnach beginne die "Daueraufzeichnung" erst dann, wenn der Nutzer seinen Dienst anmeldet. Demnach ist erst eine Woche nach Aktivierung ein Sieben-Tage-Archiv verfügbar.

3TV
Foto: Drei
Ob der Gesetzgeber dieser Auslegung zustimmt, ist unklar. Auch die Verwertungsgesellschaft Rundfunk bezweifelte im März die Interpretation. Kritik an der komplexen Regelung sowie einen Ruf nach Öffnung gab es aber bereits zuvor von Wirtschaftskammer und Privatunternehmern. Auch Trionow zeigt sich im Rahmen der Präsentation kämpferisch: "Mit Innovationen macht man sich eben nicht immer Freunde." GIS-pflichtig bleibt man trotz Streaming weiterhin. "Das haben wir uns nicht getraut, zu argumentieren", so Trionow. 

Datenguthaben wird verrechnet

Ein weiteres umstrittenes Thema - das sogenannte "Zero Rating" - bleibt bei 3TV außen vor. Dabei geht es um Angebote wie den Spotify-Deal: Kunden, die Spotify über Drei buchen, wird das für Musik-Streaming verbrauchte Datenvolumen nicht verrechnet. Bei 3TV gibt es diese Ausnahme nicht, verbrauchtes Datenvolumen wird verrechnet.

Für 2017 werden bereits zahlreiche Verbesserungen versprochen, unter anderem erste Fernsehsender in 4K- bzw. UHD-Qualität sowie Fernsehen in Virtual Reality. Beim Virtual-Reality-Angebot wartet Trionow noch darauf, welche "Player" sich etablieren werden. "Wir glauben daran, dass die Technologie reif genug ist. Wie genau unser Angebot aussehen wird, ist vorerst noch nicht klar." Zudem sollen bestehende Angebote, wie das Kinoprogramm und On-Demand-Inhalte, ab Anfang 2017 in 3TV integriert werden. Dann sollen auch Funktionen wie "Catch-up-TV" (laufende Sendung von Anfang an wiedergeben) und das Pausieren von laufenden Sendungen verfügbar sein.

"ORF bekommt Frequenzen quasi gratis"

Typisch für eine moderne Mobilfunker-Pressekonferenz: Trionow nutzte die Gelegenheit, um Kritik an Politik und Regulierungsbehörden zu üben. "Bei der Vergabe von Frequenzen werden wir ungleich behandelt. Der ORF hat seine Frequenzen quasi kostenlos bekommen und die Mobilfunker müssen Milliarden bezahlen. Wir brauchen neue Bestimmungen, um IP-basiertes Fernsehen zu ermöglichen."

Man führe Gespräche mit der Politik, um sicherzustellen, dass "die nächste Frequenzauktion nicht so teuer wie die letzte wird". Als positives Beispiel hebt Trionow die USA hervor, die Frequenzen unabhängig vom Verwendungszweck versteigern. Damit befürworte man den "Konvergenzgedanken", den Drei mit Angeboten wie 3TV versucht zu stärken.

(futurezone) Erstellt am 14.12.2016, 13:07

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