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Fotografie
10/25/2010

Canons Blick in die Kristallkugel

Fotos mit 120 Megapixel und Mehrzweckkameras, die Videos in 4K aufzeichnen: Canon präsentierte in Frankreich Konzepte, die einen Vorgeschmack auf die Zukunft des Fotografierens vermitteln.

von Gregor Gruber

Alle fünf Jahre findet die "Canon Expo" statt. In Messen, rund um die Welt, präsentierte der Digitalkamera-Marktführer ein Portfolio, das hauptsächlich Geschäftskunden beeindrucken sollte. Doch wer sich in der "Grande Halle de la Villete" in Paris den Weg vorbei an Recycling-Skulpturen, Business-Support-Anpreisungen und Labor-Druckeranlagen bahnte, fand am Ende, dezent hinter einer Kuppel mit einem Durchmesser von neun Meter versteckt, die durch zehn rundum positionierte Projektoren mit einem Panorama-Bild gefüllt wurde, die "New Perspective of Imaging" Zone. Dieser Bereich ist Canons Kristallkugel: Hier wird ein Einblick in die nächsten fünf bis zehn Jahre der Zukunft der Fotografie gewährt - zumindest aus der Perspektive von Canon.

120 Megapixel
Der dort gezeigte 120 Megapixel-CMOS-Sensor ist im APS-H-Format, hat also dieselbe Größe wie der Sensor der Canon 1D Mark IV. Eine Anwendungsmöglichkeit für diesen Sensor wäre etwa eine Kamera, die ohne Zoom-Objektiv auskommt, was die Bildqualität zusätzlich verbessern würde. Durch die hohe Auflösung ist selbst ein kleiner Bildausschnitt noch immer genauso detailliert, als hätte man diesen separat mit einer Digitalkamera fotografiert. Der Sensor ermöglicht es außerdem einen beliebig gewählten Bildausschnitt in FullHD mit 60 Bildern pro Sekunde wiederzugeben.
Ein ähnliches Konzept präsentierte Canon bereits auf der diesjährigen Weltausstellung in Shanghai mit der "Wonder Cam". Der Prototyp war eine "Immer-Scharf"-Kamera mit 120 Megapixel, die nur Videos aufzeichnete. Die gewünschten Standbilder wurden dem Video entnommen. Die Rechenleistung, die zur Verarbeitung der 120-Megapixel-Bilder und -Videos nötig war, musste in einen externen Rechner ausgelagert werden. Dieser war dezent am Rücken der Dame in Rucksackform untergebracht, die die Wonder Cam vorführte.

4K-Videos
Etwas weniger utopisch als die 120-Megapixel-Cam ist Canons Prototyp der "Mehrzweckkamera" (siehe Bild). Sie ist mit einem neuen Sensor mit 8 Megapixel ausgestattet. Dieser nimmt nicht FullHD-Videos auf, wie es etwa aktuelle DSLRs machen, sondern Filme in der 4K-Auflösung. Die Videos haben eine Auflösung von 4096×3072 Pixel, was etwas vier mal so hoch wie FullHD ist (1920x1080 Pixel). Die 4K-Auflösung findet hauptsächlich Verwendung in Digital Cinemas. Kameras, die in 4K aufnehmen, finden ebenfalls nur im professionellen Bereich gebrauch und sind meist klobig und teuer. Lediglich die modulare "Red One" ist etwas kompakter ausgefallen (ab 25.000 US-Dollar). Im Gegensatz zu ihr setzt Canons Mehrzweckkamera aber auf ein fest installiertes Objektiv. Das 20-fach-Zoom-Objektiv (1:1,8-3,8) lässt sich elektronisch kontrollieren, Zoom und Schärfe können aber nach wie vor auch manuell mit den Objektivringen justiert werden. Die Mehrzweckkamera schafft bis zu 60 Fotos pro Sekunde mit 8 Megapixel. Das Kunststoff-Gehäuse besteht aus einem neuen Material, welches mit weniger Schadstoffen als bisherige Materiale hergestellt werden kann.
Die Mehrzweckkamera, sofern sie in dieser Form erscheinen würde, soll im professionellen Bereich eingesetzt werden.

6-fach Filter
Ebenfalls für den professionellen Bereich gedacht ist die Singleshot-Multiband-Kamera. Anstatt mit drei Farbfiltern (Rot, Grün, Blau) ist der 50-Megapixel-Sensor mit sechs Filtern ausgestattet. Die Kamera soll dadurch mehr Farben als das menschliche Auge erfassen können. So könnten etwa Gemälde abfotografiert werden, um den Zustand zu archivieren. Die Aufnahmen könnten bei Restaurationsarbeiten behilflich sein.
Die 6-fache-Farbfilterung ist nicht neu, allerdings gibt es bisher keine Kamera, die dies mit einer einzigen Aufnahme schafft. Bisher mussten mehrere Fotos mit verschiedenen Farbfiltern gemacht und dann zu einer Aufnahme kombiniert werden.

Größenwahn
Bereits früher vorgestellt, aber immer noch imposant: Canons weltgrößter Sensor misst 203 x 203 mm. Bei einer Lichtstärke von weniger als 1 Lux (eine Vollmondnacht hat 0,25 Lux), soll dieser noch Gesichtszüge gut erkennbar abfotografieren können. Der Sensor ist natürlich nicht für den Heimgebrauch gedacht, sondern könnte in der Astronomie, in Verbindung mit den Optiken von Teleskopen, verwendet werden.

Rundschau
Neben dem Sternenhimmel könnte man mit Canon zukünftig auch Straßen überwachen. Die omnidirektionale Kamera nimmt 360-Grad-Fotos mit 50 Megapixel auf (8984 x 5792 Pixel). Der Sehwinkel des menschlichen Auges liegt bei etwa 200 Grad. Ein asphärischer Spiegel ermöglicht die Rundum-Sicht mit nur einer Aufnahme. Durch die hohe Auflösung soll jeder beliebige Bildausschnitt detailliert dargestellt werden können.

Kabelfrei
Eines der wenigen Exponate auf der Canon Expo, das schon in im nächsten Jahr Serienreife erlangen könnte, ist die "Cross Media Station". Optisch sieht das Gerät wie eine Settop-Box für den Flat-TV aus. Anstatt Fernsehprogramme soll sie jedoch Bilder empfangen. Die Oberseite ist eine Induktionsfläche. Legt man Canon-Kameras oder -Camcorder darauf, werden die Akkus geladen. Gleichzeitig werden die Bilder automatisch übertragen - wahlweise in das Heimnetzwerk oder direkt auf Web-Portale wie Facebook und Flickr. Wirklich Sinn macht die Cross Media Station nur, wenn die Canon-Geräte die Chips, die für die kabellose Ladung und Übertragung nötig sind, eingebaut haben. Ein Nachrüsten wäre laut Canon mit speziellen Speicherkarten und Akkus möglich - jedoch könnte man dann gleich auf bestehende Produkte von Drittanbietern zurückgreifen. Denn weder drahtloses Aufladen, noch Bildübertragung sind neu. Induktionsmatten für Handys und portable Spielkonsolen gibt es schon von diversen Drittanbietern. Zum Aufladen wird entweder ein Adapter oder eine spezielle Hülle an das Gerät angesteckt. Die seit einigen Jahren erhältliche "Eyefi"-SD-Karte erlaubt die automatische Übertragung von Bilder und Videos per WLAN auf den Computer - ohne die Karte aus der Kamera nehmen oder ein Kabel anschließen zu müssen.

(Gregor Gruber)

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