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14.03.2011

„Firefox 4 gehorcht nur dem User“

Mit dem Internet Explorer 9 und Firefox 4 stehen gleich zwei wichtige Browser-Updates bevor. Im Interview mit der futurezone erklärt Mozilla-Europa-Präsident Tristan Nitot, warum der Browserkrieg noch lange nicht ausgestanden ist und was den Firefox zur besseren Wahl im Vergleich zu den Browsern von Google, Microsoft und Apple macht.

futurezone: Als Firefox vor mehr als sechs Jahren antrat, war Microsofts Internet Explorer 6 hoffnungslos veraltet. Googles Chrome war noch gar nicht geboren und auch Apple spielte im Browser-Business keine Rolle. Welche Daseinsberechtigung hat der Firefox heute noch?
Nitot: Seit damals hat sich viel verändert. Dennoch gibt es heute mehr denn je gute Gründe, warum es den Firefox braucht. Man darf nicht vergessen: Wir sind die einzigen, die mit dem Browser keine kommerziellen Hintergedanken verfolgen. Alle anderen sind groß im Online-Werbegeschäft. Firefox hingegen gehorcht nur dem User.

Bei Firefox 4 ist erstmals eine Funktion integriert, mit der die Auswertung des eigenen Surfverhaltens für Werbeanzeigen unterbunden wird. Worum geht es da?
User müssen wieder die Kontrolle über ihre Daten zurückerlangen. Das fängt beim eigenen Surfprofil an, welches im Hintergrund von Werbedienstleistern ausgewertet wird und hört bei der Synchronisierung persönlicher Daten auf. Dass die Werbeindustrie das Anti-Tracking-Feature verabscheut, liegt auf der Hand.

Manche User schätzen es vermutlich, wenn ihnen Werbung angezeigt wird, die auf ihr Surfverhalten zugeschnitten ist.
Natürlich. Deshalb bieten wir die Funktion auch nur optional an. Man muss den Usern aber zumindest die Möglichkeit geben, wenn sie bei so etwas nicht mitmachen wollen. Werbung ist dabei nur ein Aspekt. Letztlich muss auch jeder für sich entscheiden, ob er etwa persönliche Informationen an einen Browserhersteller weitergibt, dessen Geschäftsmodell darauf beruht, mit Daten Geld zu verdienen.

Am Ende des Tages wird Firefox 4 aber an seiner Benutzerfreundlichkeit und Geschwindigkeit gemessen werden. Vor allem Chrome scheint hier den Firefox regelmäßig abzuhängen.
Der Sprung vom aktuellen Firefox zu Version 4 ist enorm. Seiten laden vier bis sechs Mal schneller, womit wir wieder ganz vorne mitspielen können. Was wir in Zukunft noch verbessern müssen, sind die Startzeiten des Browsers. Viele Erweiterungen führen außerdem dazu, dass der Browser langsamer wird. Hier muss Mozilla zukünftig vermutlich stärker eingreifen.

Firefox 4 kommt ja fast zeitgleich mit dem Internet Explorer 9 auf den Markt. Die ersten Testberichte zum Microsoft-Browser fielen recht positiv aus. Wie fällt Ihr Urteil aus?
Microsoft ist definitiv aufgewacht. Darüber hinaus haben sie den Vorteil, sich durch die Vormachtstellung mit Windows sehr leicht zu tun. Während wir in erster Linie über die Qualität des Browsers punkten können, reicht bei Microsoft ein akzeptables Produkt, um die Leute nicht zu verlieren. Das ist eigentlich die größte Sorge. Dass der Internet Explorer 9 gerade nur so wenig wehtut, dass die Leute sich damit abfinden.

Im Vergleich zu Chrome, der mit kleinen Updates auffällt, scheint sich Mozilla zwischen Browserversionen viel Zeit zu lassen. Ist das kein Nachteil?
Die Fertigstellung von Firefox 4 hat auch deshalb länger gedauert als geplant, weil hier die Vorbereitungen getroffen wurden, um zukünftig öfter und schneller mit Updates rausgehen zu können. Allein 2011 wollen wir vier neue Versionen von Firefox veröffentlichen. Das garantiert, dass Verbesserungen rascher an die User weitergegeben werden können.

Wie kann eine Organisation wie Mozilla gegen Konzerne wie Google, Microsoft oder Apple zukünftig überhaupt bestehen?
Dass ein Herausforderer wie Firefox die Marktdominanz von Microsofts Internet Explorer brechen kann, hat kein Mensch für möglich gehalten, nicht einmal die Leute bei Mozilla. Nun, mehrere Jahre später, haben wir es zusätzlich auch mit Google und Apple zu tun. Selbst Opera beschäftigt mit 1200 Entwicklern ungefähr drei Mal so viele Leute wie wir selbst. Aber auch wir wachsen beständig weiter. Und Firefox genießt einen ausgezeichneten Ruf. Dabei soll es bleiben.

Welche Verbesserungen können User denn von Firefox 4 erwarten?
Neben der aufgeräumteren Benutzeroberfläche haben wir das Tab-System überarbeitet und die URL-Eingabezeile noch intelligenter gestaltet. Zum einen können ständig gebrauchte Web-Applikationen wie Web-Mail, Facebook oder Twitter als sogenannte „App-Tabs“ auf der Leiste fixiert werden. Offene Tabs werden nun auch von der URL-Leiste berücksichtigt, wenn man besuchte Seiten wiederfinden will. Das ist praktisch, wenn Dutzende Tabs geöffnet sind. Für Power-User gibt es noch eine Panorama-Funktion, mit der sich Tabs thematisch leicht gruppieren lassen.

Viele empfinden den erzwungenen Browser-Neustart als lästig, wenn man Erweiterungen installiert. Wird es hier Veränderungen geben?
Firefox 4 bekommt einen neuen Add-on-Manager spendiert, mit dem sich der Prozess vereinfachen wird. Bei Add-ons, die nur oberflächliche Funktionserweiterungen mit sich bringen, wird kein Neustart mehr nötig sein. Bei anderen Erweiterungen, die tief in die Browserarchitektur eingreifen, ist der Neustart technisch kaum vermeidbar. Entwickler sollen aber auch weiterhin sämtliche Möglichkeiten ausschöpfen können, die Firefox bietet.

Wie wichtig ist das Thema Browsersynchronisation?
Das sichere Synchronisieren von Daten, Einstellungen und Bookmarks ist absolut zukunftsweisend, zumal die Leute heute auf ihrem Desktop-Gerät, Notebook, Tablet und Smartphone auf ihr gewohntes Browserumfeld zurückgreifen wollen. Die Sync-Funktion wurde bei Firefox 4 erleichtert, ohne Kompromisse bei der Sicherheit und beim Datenschutz einzugehen. Die übertragenen Daten können nicht entschlüsselt werden, sind also absolut sicher aufgehoben. Darüber hinaus wird die Sync-Funktion nun auch für Android-Geräte angeboten. Für das iPhone bieten wir schon seit längerem eine Sync-App an.

Mehr zum Thema

Die Veröffentlichung von Firefox 4 wird noch im März erwartet. Wer den neuen Browser schon ausprobieren möchte, kann nun eine stabile Vorabversion installieren, die nach Veröffentlichung der finalen Version automatisch umgestellt wird.