© Jakob Steinschaden

DLD 2013
01/22/2013

Mobiles Zahlen: Abgesang auf die Geldbörse

Das Smartphone als Ersatz für alles: Auf der Konferenz "Digital, Life, Design" in München (DLD) gehören mobile Zahlungsservices heuer zu den großen Themen. Große Konzerne wie PayPal oder Telefonica tüfteln gerade daran, wie man Konsumenten am besten zum Bezahlen mit dem Handy bringen kann. Die Zukunftstechnologie NFC ist dabei nicht zwingend notwendig.

von Jakob Steinschaden

"Kinder, die heute geboren werden, werden keine Geldbörse haben, wenn sie 25 sind." Auf der

wurde die 2012 begonnene Debatte rund um Mobile Payments (eBay-Chef Donahoe sagte damals: “
”) von Telefonica-Deutschland-Chef René Schuster fortgesetzt. Er setzt voll auf das Geschäft mit Handy-Zahlungen und stellte mitmpasseine neue App für die 25 Millionen O2-Kunden vor, die die Überweisung von Beträgen zwischen zwei Smartphones möglich macht. Die Geldbörse soll so in der nächsten Dekade - genauso wie die Armbanduhr - obsolet und komplett durchs Handy ersetzt werden.

Von Smartphone zu Smartphone
Schuster geht dabei davon aus, dass Handy-Zahlungen erst am Anfang stehen, in den kommenden zehn Jahren werde dieser Geschäftszweig erst so richtig boomen. Selbst im schwierigen Markt Deutschland, wo Konsumenten noch vorwiegend in bar zahlen, werde sich das durchsetzen. “Ansonsten würden wir nicht darauf setzen”, so Schuster. Noch nimmt O2 keine Provisionen bei den Überweisungen, künftig soll das aber die Finanzierung des Services erlauben und später Gewinne abwerfen. Eine ähnliche Funktion bietet übrigens auch die App der Erste Bank, die Überweisungen zwischen zwei Smartphones ermöglicht.

Mobilfunker sind nicht die einzigen, die in das Geschäft mit mobilen Zahlungs-Dienste vordringen. Neben Kreditkartenanbietern oder Supermarkketten (z.B.

) will sich die eBay-Tochter PayPal intensiv um den Milliardenmarkt bemühen. Wie PayPal-Chef David Marcus auf der DLD sagte, setze man vor allem beim Nutzererlebnis an. Gemeinsam mit Jamba-Juice-Restaurants in den USA hat der Bezahl-Dienst eine App gelauncht, die mobiles Bezahlen ohne NFC oder QR-Codes erlaubt.

Mit und ohne NFC
Mit der App kann man in den Restaurants bestellen und auch gleich bezahlen. Per GPS wird der Nutzer geortet und einem Tisch zugeordnet, dessen Rechnung er in der App begleichen kann, ohne den Kellner dafür rufen zu müssen. NFC-Lesegeräte, Plastikgeld oder eine Kasse ist dann nicht mehr notwendig - für PayPal als Abwickler des Zahlungsvorgangs könnten künftig Provisionen abfallen. Der Restaurant-Betreiber darf direkt mit PayPal-Servern kommunizieren und so die Identität und den Zahlungsstatus des Kunden überprüfen.

An eine mobile Payment-Zukunft gänzlich ohne NFC glaubt Markus Braun von der deutschen, auf Bezahl-Systeme spezialisierten Firma WireCard allerdings nicht. “NFC ist der richtige Standard, um global ausgerollt zu werden”, sagte Braun. Das Potenzial mobiler Zahlungs-Dienste - ob in Europa, den USA oder in Entwicklungs- oder Schwellenländern - sei riesig, weswegen derzeit sehr viel Geld in den Bereich fließen würde.

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