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09.10.2018

Renault Zoe: Ein fast perfektes E-Auto für die Stadt

Der Zoe von Renault zählt zu den erfolgreichsten und meistverkauften Elektroautos in Europa. Wir haben den Zoe getestet.

Der kleine, prunklose Zoe von Renault ist so etwas wie die unscheinbare Erfolgsgeschichte der E-Autos in Europa. Er wird bereits seit 2012 produziert und zählt regelmäßig zu den meistverkauften E-Auto-Modellen in verschiedenen europäischen Ländern.

Beim Test eines Renault Zoe R110 Limited wird auch schnell klar warum: Er ist vergleichsweise leistbar, die Reichweite ist nicht überragend aber passabel, Design und Ausstattung sind zeitgemäß und der Zoe wirkt einfach sympathisch. Aber nun der Reihe nach:

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Motor und Leistung

Der Motor des R110 leistet 80 kW beziehungsweise 108 PS und entwickelt einen Drehmoment von 225 Nm. Geladen werden kann der R110 mit 22 kW Leistung und einem siebenpoligen Ladekabel.

Das Gewicht der Batterie beträgt 305 kg, das Leergewicht des Fahrzeugs 1575 kg. Ein vergleichbarer Renault Clio wiegt in etwa 1100 kg.

Fahrgefühl

Der Zoe ist ein richtiger kleiner Stadtflitzer: Er passt in fast jede Parklücke, ist wendig und beschleunigt rasant. Trotz des recht hohen Gewichts ist er angenehm zu fahren, da es nicht wirklich spürbar ist. Fährt man allerdings bewusst ein wenig schneller in eine enge Kurve, machen sich die paar hundert Kilogramm Mehrgewicht schon bemerkbar.

Neben dem Stadtgebiet kann der Zoe auch auf der Landstraße beim Fahrgefühl seine Trümpfe voll ausspielen, wo auch ein Überholmanöver aufgrund seiner Leistung kein Problem darstellt.

Als Fahrmodus kann zwischen "normal" und "eco" gewechselt werden. Eco wird von Renault als Batteriesparmodus bezeichnet. Aktiviert man den eco-Modus, wird die Beschleunigung spürbar reduziert. Laut Renault wirkt sich der Batteriesparmodus auch auf andere energieverbrauchende Systeme des Fahrzeugs aus, etwa Klimaanlage oder Heizung.

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Innen

Der Innenraum im Fahrerbereich ist durch zwei Displays dominiert. Der Bildschirm für die Instrumentenanzeige verzichtet auf klassische runde Tachometer und setzt stattdessen auf eine digitale Anzeige der Fahrdaten.

Auf der linken Seite der Instrumententafel wird der Ladezustand des Akkus angezeigt sowie die Restreichweite. Außerdem wird im linken Bereich visualisiert, wie viel Energie der Motor gerade vom Akku bezieht beziehungsweise wie viel Energie beim Bremsen zurückgeführt wird.

In der Mitte der Instrumententafel wird die aktuelle Fahrgeschwindigkeit angezeigt. Der Platz auf der rechten Seite der Instrumententafel kann personalisiert werden. Dort lässt sich etwa der aktuelle oder durchschnittliche Energiebedarf einblenden.

Infotainment

Das Display in der Mittelkonsole ist touchfähig und für das gesamte Infotainmentangebot zuständig. Die Menüführung erinnert mit App-Symbolen im Kachelformat ein wenig an Smartphones, was die Bedienung vertraut erscheinen lässt und erleichtert.

Zum Steuern des Infotainmentsystems stehen seitlich neben dem Bildschirm noch zwei Pfeiltasten sowie ein "Zurück zum Startscreen"-Taste zur Verfügung, was vor allem für die Bedienung während der Fahrt sinnvoll ist. Abgesehen von den drei Steuertasten für das Infotainmentsystem fokussieren sich die physischen Tasten in der Mittelkonsole ausschließlich auf die Heizung beziehungsweise Klimaanlage.

Die Darstellung des Startscreens, der in der Regel während der Fahrt sichtbar ist, ist übersichtlich gestaltet und kann auch personalisiert werden. So lässt sich der Startbildschirm nach den Wünschen des Fahrers gestalten, ob lieber durchschnittlicher Verbrauch, Energiefluss oder Musik im Mittelpunkt stehen sollen. Die Navigation wird permanent angezeigt.

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Konnektivität

Im Auto befindet sich ein Anschluss für ein USB-Kabel, ein 3,5mm-Klinkenanschluss sowie ein Einschub für eine SD-Karte, welcher hauptsächlich als Speicherplatz des Kartenmaterials dient. Der Zoe ist zwar online mit einer eigenen SIM-Karte, als WLAN-Hotspot kann die Internetverbindung des Fahrzeugs aber nicht genutzt werden.

R-Link nennt Renault sein vernetztes Online-Infotainmentsystem. Ausgestattet ist es unter anderem mit einem eigenen App-Store und TomTom-Navigation, welche den Fließverkehr in Echtzeit visualisiert und Staus anzeigt. Außerdem zeigt das Navigationssystem sämtliche öffentliche Ladestationen in der näheren Umgebung an. Mit nur wenigen Klicks am Touchscreen navigiert der Zoe zur nächstgelegenen Ladestation.

Im App-store können Mail-Clients, Kartenmaterial, Reiseführer oder Handbücher direkt im Fahrzeug heruntergeladen werden. Auch Unterhaltungs-Apps für längere Fahrten, etwa Sudoku, Quiz oder kindergerechte Anwendungen sind im R-Link-Store erhältlich.

Die Auflösung des Bildschirms ist nicht die beste und auch der Touchscreen reagiert manchmal etwas behäbig. Auch die Performance des Infotainmentsystems ist nicht mit modernen Smartphone-Spitzenmodellen zu vergleichen. Vor allem wenn man auf Online-Inhalte zugreift, etwa im App-Store oder für die Navigation, ist zum Teil mit kurzen Wartezeiten zu rechnen.

Smartphone als Quelle

Wer die Bespielung des Infotainmentsystems des Zoe lieber seinem eigenen Smartphone überlässt, kann dieses mithilfe von Bluetooth und USB an das Fahrzeug anschließen. Bei der Bluetooth-Verbindung können die Lautsprecher des Autos als Audioausgang des Smartphones genutzt werden. Bei der Koppelung via USB lässt sich am Infotainmentscreen in der Mittelkonsole auch Android Auto nutzen.

App für den Zoe

In der dazugehörigen App namens ZE Online können etliche Funktionen des Zoe am Smartphone konfiguriert und eingestellt werden. Leider konnte die App nicht getestet werden, da die ZE-Online-Features nur für tatsächliche Fahrzeugbesitzer freigeschalten werden können.

In der App kann etwa der Batteriestand ausgelesen werden. Auch lassen sich dort Benachrichtigungen erstellen, die den Fahrzeugbesitzer bei niedrigem Akkustand oder am Ende des Ladevorgangs informieren. Die Klimaautomatik beziehungsweise Heizung kann dort geregelt und mit dem Abfahrtszeitpunkt abgestimmt werden.

Assistenzsysteme

Der Zoe verfügt über einen klassischen Tempomat, der am Lenkrad gesteuert werden kann. Eine Option mit Abstandmesser inklusive automatischer Geschwindigkeitsreduktion ist nicht vorhanden.

Beim Rückfahren meldet ein klassischer Abstandmesser, wenn sich ein Hindernis gefährlich nähert. Die Bose-Edition des Zoe verfügt zusätzlich über eine Rückfahrkamera.

Reichweite

Die "realistische Reichweite" des Zoe gibt Renault mit 300 Kilometer an, für den Winter reduziert sich die Reichweite auf 200 Kilometer.

Dass der Zoe die 300 Kilometer tatsächlich schafft, sind natürlich optimale Bedingungen notwendig. Wer im Stadtverkehr die Beschleunigung des Zoe ausreizt und nicht auf das Energiesparen achtet, wird die angegebene Reichweite nicht schaffen. Wer aber im Eco-Modus unterwegs ist, nicht allzu scharf beschleunigt und vorausschauend fährt, kann schon an die 300 Kilometer weit kommen.

Reichweite mit Gamification verbessern

Hat man eine Fahrt beendet, zeigt der Zoe einen so genannten Tour-Report an, wo Daten wie Durchschnitts-Verbrauch, -Tempo und Infos zu Bremsen und Tempo angeführt werden. Außerdem wird ein Gesamtscore angezeigt. Dieses kleine Gamification-Feature lädt tatsächlich dazu ein, den Score zu verbessern, sprich effizienter und energiesparender zu fahren.

Aufladen

Die Ladeluke des Zoe befindet sich in der Front unterhalb des Renault-Logos. Sie kann mit mithilfe des "schlüssellosen" Schlüssels im Kreditkartenformat geöffnet werden. Geladen werden kann der Zoe R110 mit maximal 22 kW Leistung und einem siebenpoligen Ladekabel.

Um die Ladezeiten im Vorhinein zu berechnen bietet Renault auf seiner Website einen eigenen Ladezeitenrechner. Dieser stimmt verblüffend genau mit dem überein, was beim Test festgestellt wurde: Von 70 Prozent Restakku auf 95 Prozent aufzuladen, dauerte ziemlich genau eine Stunde.

Geladen wurde der Schnellladestation von Smatrics am Wiener Gaudenzdorfer Gürtel mit einer Maximalleistung von 43 kW. Praktisch bei den Smatrics-Ladesäulen ist die dazugehörige App, welche verlässlich anzeigt, ob eine Ladestation besetzt oder gerade außer Betrieb ist.

Batterie zum Mieten

Bei der Anschaffung eines Zoe muss man sich zu allererst die Frage stellen, ob die Batterie gekauft oder gemietet werden soll. Bei einer Batteriemiete reduziert sich der Kaufpreis drastisch. "Die Batteriemietvereinbarung gewährleistet Ihnen, dass Ihre Batterie mit mindestens 75 Prozent der ursprünglichen Kapazität jederzeit funktionstüchtig ist ", heißt es auf der Renault-Website.

Die Kosten für die Batteriemiete starten bei 69 Euro im Monat. Allerdings ist dabei die jährliche Laufleistung auf 7500 Kilometer begrenzt. Bei unlimitierter Laufleistung kommt die Batteriemiete auf 119 Euro monatlich.

Preise

Der getestete Renault Zoe R110 Limited kostet 34.890 Euro. Will man die Batterie nicht kaufen, sondern mieten, kostet das Fahrzeug 27.390 Euro, zuzüglich Batteriemiete.

Die abgespeckte Variante des Zoe, allerdings mit gleicher Motorisierung kostet 24.990 Euro (Batteriemiete) beziehungsweise 32.490 Euro inklusive Akku.

Fazit

Der Renault Zoe ist ein zeitgemäßes, handliches und smartes Elektroauto, das hauptsächlich auf urbane Mobilität fokussiert. Der Zoe ist ein E-Auto, wie man es sich für innerstädtische Fahrten vorstellt, was nicht heißen soll, dass sich der Zoe nicht auch auf dem Land - vor allem bei leichten Steigungen - wohlfühlt.

In Sachen moderner Innenraum, Konnektivität und smarten Features lässt der Zoe kaum Wünsche offen. Allerdings könnte der Touchscreen und das dahinterliegende Infotainmentsystem etwas mehr Leistung vertragen.

Wenn die Ladeinfrastruktur die Elektromobilität noch etwas attraktiver macht und der Preis des Zoe noch eine Spur gesenkt wird, ist ihm der Durchbruch am Massenmarkt ziemlich sicher.